Reisemedizinische Länderinformationen des CRM Centrum für Reisemedizin
Stand: 17.07.2018


Brasilien - Norden

Brasilien - Norden
(Acre, Amapá, Amazonas, Pará, Rondonia, Roraima, Tocantins)

In diesem Dokument

Die nachstehenden Informationen geben Ihnen einen Überblick über notwendige und sinnvolle Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge bei einer Reise in dieses Land.


 Regioneninfo 

Der Norden Brasiliens erstreckt sich über ein riesiges Areal und macht 45,3 % der Landesfläche aus. Er wird dominiert vom Amazonasbecken, dem größten Ökosystem der Erde. Von den Ufern des Amazonas aus lassen sich drei verschiedene Geländestufen ausmachen: Die niedrigste ist der sumpfige „Igapó“, darüber erhebt sich die „Várzea“, die nur in Hochwasserzeiten überflutet wird, und noch höher schließlich die „Terra Firme“, das vor Überschwemmungen sichere Festland. Die Region ist sehr dünn besiedelt und industriell kaum erschlossen. Ausnahme ist die Millionenstadt Manaus, die auch das touristische Sprungbrett in die Region darstellt.

 Klima 

Tropisch. Amazonastiefland immerfeucht mit hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Grasland und Tepuis (Tafelberge) im Norden (Bundesstaat Roraima) etwas trockener.


 Einreise-Impfvorschriften 

Für die Einreise besteht zurzeit keine Impfpflicht. Neben den in Deutschland empfohlenen Impfungen können für Ihre Reise jedoch weitere Impfungen sinnvoll sein.

Bei Einreise aus Infektionsgebieten wird die Gelbfieber-Impfung entgegen den offiziellen Vorschriften häufig kontrolliert. Dies betrifft vor allem, aber nicht nur, Landgrenzen. Seit 2015 werden auch vermehrt Kontrollen von internationalen Flughäfen (z.B. Sao Paulo) berichtet.


Qualifizierte Beratungsstellen


 Empfohlener Impfschutz 

Allgemein zu empfehlender Impfschutz überprüfen, ggf. ergänzen bzw. auffrischen.

Je nach Reisestil und Aufenthaltsbedingungen im Lande außerdem zu erwägen:


Qualifizierte Beratungsstellen
Impfschutz Reisebedingung 1 Reisebedingung 2 Reisebedingung 3
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(c) bei Langzeitaufenthalten oder engerem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung
(d) bei vorhersehbarem Umgang mit Tieren
(e) Schutz gegen Reisediarrrhoe (ETEC).
(g) bei engerem Kontakt zur einheimischen Bevölkerung.

Reisebedingung 1:
Reise durch das Landesinnere unter einfachen Bedingungen (Rucksack- /Trecking- /Individualreise) mit einfachen Quartieren/Hotels; Camping-Reisen, Langzeitaufenthalte, praktische Tätigkeit im Gesundheits- o. Sozialwesen, enger Kontakt zur einheimischen Bevölkerung wahrscheinlich

Reisebedingung 2:
Aufenthalt in Städten oder touristischen Zentren mit (organisierten) Ausflügen ins Landesinnere (Pauschalreise, Unterkunft und Verpflegung in Hotels bzw. Restaurants mittleren bis gehobenen Standards)

Reisebedingung 3:
Aufenthalt ausschließlich in Großstädten oder Touristikzentren (Unterkunft und Verpflegung in Hotels bzw. Restaurants gehobenen bzw. europäischen Standards)


Wichtiger Hinweis:

Welche Impfungen letztendlich vorzunehmen sind, ist abhängig vom aktuellen Infektionsrisiko vor Ort, von der Art und Dauer der geplanten Reise, vom Gesundheitszustand, sowie dem eventuell noch vorhandenen Impfschutz des Reisenden.

Informationen zur Kostenübernahme von Impfungen für private Auslandsaufenthalte durch Ihre Krankenversicherung finden Sie in unserer Rubrik "Kostenerstattung" (www.crm.de/krankenkassen).

Da im Einzelfall unterschiedlichste Aspekte zu berücksichtigen sind, empfiehlt es sich immer, rechtzeitig (etwa 4 bis 6 Wochen) vor der Reise eine persönliche Reise-Gesundheits-Beratung bei einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt oder Apotheker in Anspruch zu nehmen (siehe Anschriften qualifizierter Beratungsstellen nach Postleitzahlgebieten sortiert: www.crm.de/beratungsstellen).


 Malaria 

Risiko:

ganzjährig

Die Malaria ist in Brasilien weitgehend auf die Amazonasregion beschränkt. Das Übertragungsrisiko ist regional unterschiedlich, am höchsten ist es in den dortigen Flusstälern, im Regenwald sowie in den Bergbau-, Holzabbau- und neueren Siedlungsgebieten unterhalb 900 m während und nach der Regenzeit.
  • hohes Risiko (jährliche Inzidenzen durchschnittlich > 50 auf 1000) im N von Roraima und Amapá sowie in entlegenen Gebieten im N und W von Amazonas (nicht Manaus);
  • mittleres Risiko (jährliche Inzidenzen durchschnittlich 10 – 49 in den nordwestlichen Teilen von Amazonas;
  • geringes (jährliche Inzidenzen durchschnittlich < 10 auf 1000) nach S und SO anschließend mit den Bundesstaaten Acre und Rondonia sowie Teilen von Roramaia, Amapá, Amazonas;
  • die Städte der Amazonasregion (z.B. Boa Vista, Cruzeiro do Sul, Macapá, Manaus, Maraba, Porto Velho, Rio Branco, Santarem) sind malariafrei, in den Aussenbezirken kann es gelegentlich zu Fällen kommen

Mückenschutz
Vorbeugung:

Ein konsequenter Mückenschutz in den Abend- und Nachtstunden verringert das Malariarisiko erheblich (Expositionsprophylaxe).

Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • In der Dämmerung und nachts Aufenthalt in mückengeschützten Räumen (Räume mit aircondition, Mücken fliegen nicht vom Warmen ins Kalte)
  • Beim Aufenthalt im Freien in Malariagebieten abends und nachts weitgehend körperbedeckende Kleidung (lange Ärmel, lange Hosen).
  • Anwendung von insektenabwehrenden Mitteln an unbedeckten Hautstellen (Wade, Handgelenke, Nacken). Wirkungsdauer ca. 2-4 Std.
  • Im Wohnbereich Anwendung von insektenabtötenden Mitteln in Form von Aerosolen, Verdampfern, Kerzen, Räucherspiralen.
  • Schlafen unter dem Moskitonetz (vor allem in Hochrisikogebieten)

Ergänzend ist die Einnahme von Anti-Malaria-Medikamenten (Chemoprophylaxe) zu empfehlen. Zu Art und Dauer der Chemoprophylaxe fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker bzw. informieren Sie sich in einer qualifizierten reisemedizinischen Beratungsstelle (s.unten). Malariamittel sind verschreibungspflichtig.



 Ratschläge zur Reiseapotheke 

Denken Sie daran, eine Reiseapotheke mitzunehmen, damit sie für leichtere Erkrankungen und kleinere Notfälle gerüstet sind.

Folgendes sollten Sie auf Reisen immer dabei haben: Medikamente gegen Durchfall, Reisekrankheit, Fieber, Schmerzen sowie Wunddesinfektionsmittel, Insekten- und Sonnenschutzmittel, Salbe bei Insektenstichen oder anderen Hautreizungen, Fieberthermometer und Verbandmaterial.

Je nach Reiseland und Reiseziel können weitere Medikamente (z.B. zur Malariavorsorge) oder Hilfsmittel (z.B. Spritzen) sinnvoll sein.

Nicht vergessen: Medikamente, die Sie ständig einnehmen müssen!

Wenn Sie spezielle Fragen zur Reiseapotheke haben, wenden Sie sich am besten an eine Apotheke mit reisemedizinisch qualifizierten Mitarbeitern.


 Aktuelle Meldungen 

Gelbfieber: Seit Dezember letzten Jahres sind die Fallzahlen erneut stark gestiegen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind im Februar und März 3 Deutsche nach ihrem Aufenthalt auf der bei Touristen beliebten Insel Ilha Grande erkrankt, einer von ihnen ist verstorben. Auch mindestens 15 weitere internationale Touristen (u.a. aus den Niederlanden, Chile, Argentinien, Frankreich, Großbritannien, Rumänien, der Schweiz und der Tschechischen Republik) sind erkrankt, keiner von ihnen war geimpft. Im aktuellen Erfassungszeitraum seit Juli letzten Jahres wurden in folgenden Bundesstaaten offiziell 1.266 Infektionen inklusive 415 Todesfällen bestätigt: Sao Paulo, Minas Gerais, Rio de Janeiro, Espirito Santo und im Federal District. Die meisten Fälle wurden im Januar und Februar registriert. Die Behörden haben die Bevölkerung zur Impfung aufgefordert. Zuvor waren in der Region zahlreiche Affen an der Infektion verendet. Zwischen Dezember 2016 und August 2017 wurde der größte Gelbfieberausbruch der letzten 30 Jahre verzeichnet. Am stärksten betroffen war der Südosten des Landes. Derzeit wird für alle Reisenden eine Impfung empfohlen.

Dengue: Im gesamten Land besteht ein hohes Risiko für Dengue. In diesem Jahr wurden bisher ca. 161.155 Erkrankungen und 62 Todesfälle gemeldet. Am stärksten betroffen sind die Bundesstaaten Minas Gerais, Goias und Sao Paulo. Im vergangenen Jahr wurden ca. 251.710 Erkrankungen und 88 Todesfälle gemeldet. 2016 wurden ca. 1.496.300 Infektionen und 630 Todesfälle registriert. Am stärksten betroffen waren die Bundesstaaten Minas Gerais und Sao Paulo. Schutz vor überwiegend tagaktiven Stechmücken beachten.

Chikungunya: Seit Beginn des Jahres wurden im Bundesstaat Rio de Janeiro bereits 8.963 Infektionen gemeldet, das sind etwa doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr. In der Stadt Rio de Janeiro sind in diesem Jahr 854 Menschen erkrankt. Im ganzen Land wurden 19.371 Fälle registriert. Mitte 2014 haben die Gesundheitsbehörden die ersten lokalen Infektionen gemeldet. Seitdem hat sich die Infektion landesweit ausgebreitet. Mückenschutz beachten.

Zika-Virus: Ende April 2015 wurden im Bundesstaat Bahia (O) erstmals Infektionen mit dem Zika-Virus bestätigt, es waren gleichzeitig die ersten auf dem südamerikanischen Festland. Seitdem sind etwa eine Million Menschen erkrankt, 11 Todesfälle wurden bestätigt. Im letzten Jahr wurden ca. 17.600 Erkrankungen gemeldet. Seit Beginn dieses Jahres wurden ca. 3.270 Verdachtsfälle verzeichnet. Untersuchungen haben inzwischen gezeigt, dass das Virus bereits zwischen Mai und Ende Dezember 2013 nach Südamerika eingeschleppt wurde. Besonders im Nordosten des Landes werden seit 2015 vermehrt Kinder mit Fehlbildungen des Gehirns (sog. Mikrozephalie) geboren. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Virusinfektion bei Neugeborenen infizierter Mütter diese Fehlbildungen verursachen kann. Reisende sollten auf sorgfältigen Mückenschutz achten. Schwangere sollten derzeit von nicht notwendigen Reisen in die betroffenen Gebiete absehen..

Masern: Seit Anfang des Jahres wurden in den nördlichen Bundesstaaten Amazonas und Roraima insgesamt mehr als 1.500 Verdachtsfälle und 2 Todesfälle gemeldet. Erstmals seit 18 Jahren wurden Anfang Juli auch im Bundesstaat Rio de Janeiro 2 Infektionen gemeldet. Der Ausbruch geht vermutlich auf aus Venezuela importierte Fälle zurück. Impfschutz beachten.


 Allgemeine Hinweise 

Gesundheitszeugnis / HIV-Test: Für Arbeitsaufenthalte wird ein Gesundheitszeugnis ("Health Certificate") sowie ein HIV-Test in deutscher und portugiesischer Sprache verlangt (Formular auf Anfrage über die Botschaft).


 Botschaften 

Für Deutschland zuständige Vertretung:

Deutsche Vertretung:
  • Botschaft der Bundesrepublik Deutschland
    SES Avenida das Nações, Quadra 807, Lote 25, 70415-900 Brasilia DF
    Tel.: 0055 61 - 34 42 70 00
    Fax: 0055 61 - 4 43 75 08
    E-Mail: info@brasilia.diplo.de
    URL: http://www.brasilia.diplo.de
    (Vertretung in: Brasilien)
  • Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland
    Rua Salvador 441, Loja 5, Adrianópolis, 69057-040 Manaus/AM
    Tel.: 0055 92 41 01 10 10
    Fax: 0055 92 36 11 15 20
    E-Mail: manaus@hk-diplo.de

(Quelle: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland)


 Nicht vergessen: Auslandskrankenversicherung 

Für die private Auslandsreise empfehlen wir Ihnen, grundsätzlich eine Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen. Auch in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen sind für bestimmte Leistungen zum Teil erhebliche Eigenanteile zu zahlen.

Hinzu kommt, dass die Kosten für einen krankheits- oder unfallbedingten Rücktransport nach Deutschland nur durch eine private Auslandsreise-Krankenversicherung abgedeckt werden. Von der gesetzlichen Krankenversicherung werden Rückführungskosten nicht erstattet.

Die Auslandskrankenversicherung sollte nach Möglichkeit Beistandsleistungen beinhalten. Dies bedeutet, dass Sie im Krankheitsfall über eine Notrufnummer administrative und bei Bedarf auch ärztliche Unterstützung durch die Krankenversicherung erhalten.

Den reisemedizinischen Ratgeber zum Thema "Krankenversicherung für Auslandsreisen" können Sie hier herunterladen (PDF).



 Beratungsstellen 

Wir empfehlen grundsätzlich, sich vor einer Reise aktuell, kompetent und individuell zu Gesundheitsfragen beraten zu lassen:

Apotheken mit qualifizierter Reise-Gesundheits-Beratung (nach Postleitzahlgebieten)

Impfstellen und Ärzte mit Spezialsprechstunde Reisemedizin (nach Postleitzahlgebieten)

Reisebüros, die Ihnen Ärzte und Apotheken in Ihrer Umgebung empfehlen können.



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