Elternzeitreisen - Auszeit mit Augenmaß
Was aus reisemedizinischer Sicht bei Reisen mit Kindern zu beachten ist
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Reisen während der Elternzeit werden immer beliebter. In der beruflichen Auszeit, die man sich nach der Geburt eines Kindes nehmen kann, erfüllen sich viele junge Paare den Traum einer längeren Reise, die über den zeitlichen Rahmen eines normalen Jahresurlaubs hinausgeht. Seit Einführung des Elterngeldes sind solche Reisen auch finanziell leichter realisierbar. Bei aller Unternehmungslust sollten die Bedürfnisse des Säuglings oder Kleinkinds aber nicht aus den Augen verloren werden, betont Dr. med. Mathias Wagner, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Berlin. Wichtige Aspekte hierzu stellt Wagner auf einer Pressekonferenz vor, die das CRM Centrum für Reisemedizin im Vorfeld des 20. Forums Reisen und Gesundheit abhält. Die Pressekonferenz findet am 13. Februar 2019 in Berlin statt, das Forum selbst am 8. und 9. März während der Tourismus-Messe ITB.

Bis zu 36 Monate beträgt die Elternzeit, die nach der Geburt eines Kindes in Anspruch genommen werden kann. Obwohl Teile davon bis zum achten Geburtstag des Kindes "geschoben" werden können (siehe Infokasten), legen die meisten Paare ihre große Familienreise in das zweite Lebenshalbjahr des Kindes, wenn noch Elterngeld gezahlt wird. "Um Frühbucherrabatte auszunutzen, wird die Reise manchmal noch vor der Geburt des Kindes fest gebucht", so Wagners Erfahrung. Der Entwicklungsstand des Kindes, nach dem sich jede Reise eigentlich richten sollte, sei dann noch völlig unklar. Ganz praktische Folgen kann das zum Beispiel für die Flugbuchung haben: Hier entscheidet das Gewicht des Kindes darüber, ob es im Flugzeug noch ein Babybettchen belegen darf oder nicht. "Für die Reiseplanung ist es auch günstig zu wissen, ob das Kind schon krabbeln oder laufen kann und was es essen wird", sagt Wagner. Es sei daher ratsam, sich mit der Buchung Zeit zu lassen, auch wenn es etwas mehr kosten sollte.

Bei der Wahl des Reiseziels gibt es aus medizinischer Sicht nur wenige, dafür aber gravierende Einschränkungen. Gebiete mit Malaria tropica etwa sollten mit Kindern unter fünf Jahren unbedingt vermieden werden. Dieselbe Altersgrenze gilt für Übernachtungen in Höhen von über 2 500 Metern. "Kinder können hier unbemerkt eine Höhenkrankheit entwickeln oder im Schlaf Atemaussetzer erleiden", erläutert Wagner.

Im Gegensatz zu diesen "No-Gos", die für Reisen mit Kleinkindern tabu sein sollten, lassen sich andere Risiken mit einer guten Vorbereitung oder einer geeigneten Ausrüstung durchaus beherrschen. "In diesen Bereich fallen etwa der Insekten- und Sonnenschutz, Standardimpfungen, spezielle Reiseimpfungen sowie die Reiseapotheke", sagt Wagner. Auch sollte auf eine ausreichende medizinische Infrastruktur vor Ort geachtet werden. Um unangenehme Überraschungen fern der Heimat zu vermeiden, sollten junge Eltern sich nicht scheuen, eine reisemedizinische Beratung in Anspruch zu nehmen. Hier kann auch besprochen werden, wie eine altersangepasste Ernährung für das Kind im Gastland aussehen kann.

Generell rät Wagner von zu ehrgeizigen Reiseplänen ab: Wechsel zwischen Zeit- oder Klimazonen machen auch Kindern zu schaffen, daher sollten stets einige Tage für die Akklimatisierung eingeplant werden. Auch häufige Ortswechsel können kleine Kinder in Stress versetzen. Hier kann es hilfreich sein, eine feste Unterkunft zu wählen und Tagesausflüge zu unternehmen oder aber das Land mit einem Camper zu erkunden, der als vertraute Umgebung dient. Tagestouren und Reiseetappen sollten dabei nicht zu lang gewählt und auch tagsüber Pausen und Ruhezeiten eingeplant werden. "Mit Baby oder Kleinkind dauert alles länger, und selbst kleine Pannen können schnell zu großen Problemen werden", sagt Wagner. Wer sich aber auf die Entschleunigung einstellt, Puffer einbaut und weder sich noch das Kind überfordert - für den wird die große Familienreise sicherlich zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Infokasten
Reisen mit Kind

  • Reiseberatung zu Insektenschutz, Sonnenschutz, Impfungen, Reiseapotheke, Versicherungen, Papieren etc. in Anspruch nehmen
  • Reise an den Entwicklungsstand des Kindes anpassen
  • Keine häufigen Ortswechsel für Kleinkinder
  • Keine zu langen Fahrstrecken planen
  • Kinder unter fünf Jahren sollten nicht in Gebiete mit Malaria tropica reisen
  • Kinder unter fünf Jahren sollten nicht auf Höhen über 2 500 Meter übernachten
  • Zeit zum Akklimatisieren einplanen
  • Welche Hilfsmittel wie Babyschale, Buggy, Kraxe, Babybett, Moskitonetz sind notwendig? Können diese im Flugzeug mitgeführt werden?
  • Möglichkeiten der ärztlichen Versorgung vor Ort abklären
  • Reiserücktrittsversicherung und Auslandskrankenversicherung mit Option des Krankenrücktransports abschließen


Elternzeit und Elterngeld

Elternzeit bezeichnet einen Zeitraum der unbezahlten Freistellung von der Arbeit nach der Geburt eines Kindes.

  • Elternzeit kann für bis zu 36 Monate pro Elternteil beansprucht werden
  • Bis zu 24 Monate davon können in den Zeitraum zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes gelegt werden
  • Beide Eltern können ganz oder teilweise zusammen in Elternzeit gehen
  • Zum Ende der Elternzeit besteht Anspruch auf Wiederaufnahme der Arbeit
  • Elterngeld wird bis zu 14 Monate nach der Geburt eines Kindes gezahlt
  • Elterngeld plus wird für 24 Monate gezahlt, allerdings nur zur Hälfte; dies kann steuerliche Vorteile haben. Prinzipiell sollten sich Paare zu allen Varianten von Elterngeld beraten lassen.
  • Anspruch auf Elterngeld hat nur, wer sein Kind selbst betreut und in dieser Zeit nicht in Vollzeit arbeitet
  • Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem Einkommen vor der Geburt des Kindes und beträgt mindestens 300,-, höchstens 1 800,- Euro/Monat
  • Reduziert nur ein Elternteil seine Arbeitszeit, wird zwölf Monate lang Elterngeld gezahlt
  • Reduziert auch der zweite Elternteil seine Arbeitszeit für mindestens zwei Monate, werden insgesamt maximal 14 Monate Elterngeld gezahlt
  • Die Elterngeldmonate können auch gleichzeitig in Anspruch genommen werden (maximal je sieben Monate für beide Elternteile ab Geburt oder sechs Monate, falls die Elternzeit später beginnt)
  • Alleinerziehende erhalten 14 Monate lang Elterngeld
 
 
Quellen:
  • Ratgeberseiten des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend (https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/familie/familienleistungen)
  • Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin: Empfehlungen zur Malariaprophylaxe, Stand Mai 2018, www.dtg.org
  • T. Jelinek: Kursbuch Reisemedizin, Thieme Verlag 201
  • T. Löscher, G.-D. Burchard, Tropenmedizin in Klinik und Praxis, Thieme Verlag 2010
 
8. Februar 2019
 
Kontakt für Rückfragen:

Stephanie Priester
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
CRM Centrum für Reisemedizin
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