Reisemedizinische Länderinformationen des CRM Centrum für Reisemedizin
Stand: 31.08.2010


Indien

Indien
In diesem Dokument

Die nachstehenden Informationen geben Ihnen einen Überblick über notwendige und sinnvolle Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge bei einer Reise in dieses Land.


 Klima 

Tropisches Monsunklima mit ausgeprägter jahreszeitlicher Niederschlagsverteilung; kühle Jahreszeit von Januar bis März; heiße Jahreszeit April-Mai; im Mai/Juni im Südwesten beginnende Regenzeit schiebt sich in den folgenden Monaten allmählich über den gesamten indischen Subkontinent; durch Unregelmäßigkeiten beim Vordringen der Monsunwellen häufige Ablösung oder gleichzeitiges Auftreten von Trockenheit und Überschwemmungskatastrophen; niederschlagreichste Regionen sind die Westabdachung der Westghats (Westküste), das Grenzgebiet von Indien und Myanmar sowie Bengalen, am niederschlagsärmsten ist der Nordwesten; in der Übergangszeit (Oktober bis Dezember) im Süden noch einmal reichliche Niederschläge (2. Regenzeit).


 Einreise-Impfvorschriften 

Bei Direktflug aus Europa: keine Impfungen vorgeschrieben

Bei einem vorherigen Zwischenaufenthalt (innerhalb der letzten 6 Tage vor Einreise) in einem der aufgeführten Länder (Gelbfieber-Endemiegebiete) wird bei Einreise eine gültige Gelbfieber-Impfbescheinigung verlangt (ausgenommen Kinder unter 6 Monaten).

Gelbfieber-Impfung kann gelegentlich auch bei Einreise aus südafrikanischen Ländern (z.B. aus Simbabwe) verlangt werden.

TravelMED
Qualifizierte Beratungsstellen

Gelbfieber-Impfbescheinigung erforderlich bei Einreise aus:
Angola · Äquatorialguinea · Argentinein · Äthiopien · Benin · Bolivien · Brasilien · Burkina Faso · Burundi · Ecuador · Elfenbeinküste · Franz. Guayana · Gabun · Gambia · Ghana · Guinea · Guinea-Bissau · Guyana · Kamerun · Kenia · Kolumbien · Kongo, Rep. · Kongo, Dem. Rep. · Liberia · Mali · Mauretanien · Niger · Nigeria · Panama · Paraguay · Peru · Ruanda · Sao Tomé & Principe · Senegal · Sierra Leone · Somalia · Sudan · Suriname · Tanzania · Togo · Trinidad & Tobago · Tschad · Uganda · Venezuela · Zentralafr. Republik


 Empfohlener Impfschutz 

Generell: Standardimpfungen nach dem deutschen Impfkalender, spez. Tetanus, Diphtherie, außerdem Hepatitis A, Polio, Typhus

Je nach Reisestil und Aufenthaltsbedingungen im Lande außerdem zu erwägen

TravelMED
Qualifizierte Beratungsstellen
Impfschutz Reisebedingung 1 Reisebedingung 2 Reisebedingung 3
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(g) bei Langzeitaufenthalten u. engerem Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung
(h) bei vorhersehbarem Umgang mit Tieren
(i) bei besonderen Aufenthaltsbedingungen in bestimmten ländlichen Gebieten.

Reisebedingung 1:
Reise durch das Landesinnere unter einfachen Bedingungen (Rucksack- /Trecking- /Individualreise) mit einfachen Quartieren/Hotels; Camping-Reisen, Langzeitaufenthalte, praktische Tätigkeit im Gesundheits- o. Sozialwesen, enger Kontakt zur einheimischen Bevölkerung wahrscheinlich

Reisebedingung 2:
Aufenthalt in Städten oder touristischen Zentren mit (organisierten) Ausflügen ins Landesinnere (Pauschalreise, Unterkunft und Verpflegung in Hotels bzw. Restaurants mittleren bis gehobenen Standards)

Reisebedingung 3:
Aufenthalt ausschließlich in Großstädten oder Touristikzentren (Unterkunft und Verpflegung in Hotels bzw. Restaurants gehobenen bzw. europäischen Standards)


Wichtiger Hinweis:

Welche Impfungen letztendlich vorzunehmen sind, ist abhängig vom aktuellen Infektionsrisiko vor Ort, von der Art und Dauer der geplanten Reise, vom Gesundheitszustand, sowie dem eventuell noch vorhandenen Impfschutz des Reisenden.

Informationen zur Kostenübernahme von Impfungen für private Auslandsaufenthalte durch Ihre Krankenversicherung finden Sie in unserer Rubrik „Kostenerstattung“ (www.crm.de/krankenkassen).

Da im Einzelfall unterschiedlichste Aspekte zu berücksichtigen sind, empfiehlt es sich immer, rechtzeitig (etwa 4 bis 6 Wochen) vor der Reise eine persönliche Reise-Gesundheits-Beratung bei einem reisemedizinisch erfahrenen Arzt oder Apotheker in Anspruch zu nehmen (siehe Anschriften qualifizierter Beratungsstellen nach Postleitzahlgebieten sortiert: www.crm.de/beratungsstellen).


 Malaria 

Risiko:

ganzjährig mit saisonalen Schwankungen.

Übertragungsrisiko abhängig von Ökologie und Klima, speziell betroffen sind ländliche Regionen während und kurz nach Regenperioden. Der Monsunregen zieht zwischen Mai und November von SW nach NO über das Land und dauert jeweils 3-4 Monate; im S gibt es meist eine 2. Regenzeit zwischen Okt und Dez.
  • mittleres Risiko (höher in der Regenzeit, geringer in der Trockenzeit) in den zentralen Landesteile, im N im Regenwaldgürtel entlang der nepalesischen Grenze (Terai), sowie auf den Andamanen und Nikobaren; relativ am höchsten mit hohem Anteil von P.falciparum ist das Risiko im Hügelland von Orissa und in den tiefer gelegenen Gebieten der Bundesstaaten im NO (nördlich und östlich von Bangladesh);
  • geringes Risiko (höher in der Regenzeit, geringer in der Trockenzeit) im N entlang des Ganges (Teile von Uttar Pradesh, Bihar und östliches West-Bengal), im NW (Rajasthan), an der Westküste einschließlich Goa, im S südlich der Linie Madras-Goa (gesamtes Kerala, Tamil Nadu, der W von Karnataka, der SO von Andhra Pradesh);
  • in den Stadtgebieten ist mit einem geringen Risiko in der Regenzeit zu rechnen;
  • malariafrei sind die Höhenlagen oberhalb 2.000 m von Jammu und Kashmir, Himachal Pradesh, Sikkim, Arunchal Pradesh sowie die Lakkadiven
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Mückenschutz
Vorbeugung:

Ein konsequenter Mückenschutz in den Abend- und Nachtstunden verringert das Malariarisiko erheblich (Expositionsprophylaxe).

Die wichtigsten Maßnahmen sind:

  • In der Dämmerung und nachts Aufenthalt in mückengeschützten Räumen (Räume mit aircondition, Mücken fliegen nicht vom Warmen ins Kalte)
  • Beim Aufenthalt im Freien in Malariagebieten abends und nachts weitgehend körperbedeckende Kleidung (lange Ärmel, lange Hosen).
  • Anwendung von insektenabwehrenden Mitteln an unbedeckten Hautstellen (Wade, Handgelenke, Nacken). Wirkungsdauer ca. 2-4 Std.
  • Im Wohnbereich Anwendung von insektenabtötenden Mitteln in Form von Aerosolen, Verdampfern, Kerzen, Räucherspiralen.
  • Schlafen unter dem Moskitonetz (vor allem in Hochrisikogebieten)

Ergänzend ist die Mitnahme von Anti-Malaria-Medikamenten zur notfallmäßigen Selbstbehandlung (Stand-by-Behandlung) zu empfehlen. Zu Art und Dauer der Behandlung fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker bzw. informieren Sie sich in einer qualifizierten reisemedizinischen Beratungsstelle (s.unten). Malariamittel sind verschreibungspflichtig.



 Ratschläge zur Reiseapotheke 

Denken Sie daran, eine Reiseapotheke mitzunehmen, damit sie für leichtere Erkrankungen und kleinere Notfälle gerüstet sind.

Folgendes sollten Sie auf Reisen immer dabei haben: Medikamente gegen Durchfall, Reisekrankheit, Fieber, Schmerzen sowie Wunddesinfektionsmittel, Insekten- und Sonnenschutzmittel, Salbe bei Insektenstichen oder anderen Hautreizungen, Fieberthermometer und Verbandmaterial.

Je nach Reiseland und Reiseziel können weitere Medikamente (z.B. zur Malariavorsorge) oder Hilfsmittel (z.B. Spritzen) sinnvoll sein.

Nicht vergessen: Medikamente, die Sie ständig einnehmen müssen!

Wenn Sie spezielle Fragen zur Reiseapotheke haben, wenden Sie sich am besten an eine Apotheke mit reisemedizinisch qualifizierten Mitarbeitern.


 Aktuelle Meldungen 

Überschwemmungen:  Nach starken Regenfällen kam es in in der Himalaja-Region Ladakh (Jammu und Kaschmir) zu Überschwemmungen und Erdrutschen. In und um die Stadt Leh kamen etwa 90 Menschen ums Leben, es gab zahlreiche Verletzte. Die Bergregion ist bei Trekking-Touristen sehr beliebt.

DarminfektionenRisiko für Durchfallerkrankungen landesweit. Mit Cholera ist regional oder örtlich zu rechnen. Hepatitis A, E, Typhus, Paratyphus, Milzbrand, die auf gleichem Wege übertragen werden können, sind in Indien weit verbreitet. Trotz wiederholter Impfkampagnen sind die Fallzahlen für Polio seit vorigem Jahr wieder angestiegen, die meisten stammen aus Uttar Pradesh und Bihar (N). Hygiene und Impfschutz beachten.

MalariaMumbai gilt mit ca.12.400 Erkrankungen mittlerweile als die Malaria-Hochburg des Bundesstaates Maharashtra (22.159 bestätigte Fälle). 47 % der gemeldeten Fälle kamen aus der 14-Millionen-Stadt an der Westküste. Alleine in den ersten beiden Juliwochen traten fast 9.000 Fälle auf. Bis Mitte August wird ein Anstieg von 55% gegenüber dem Vorjahr gemeldet. Bisher gab es offiziell 31 Tote. Betroffen sind hauptsächlich die Bewohner der Slum-Gebiete und Bauarbeiter auf den über 100 Baustellen in der Innenstadt. Auch aus fünf Distrikten in Karnataka werden vermehrte Malaria-Fälle gemeldet. Die hohen Zahlen sind für diese Gegend relativ untypisch. Im südindischen Bundesstaat Kerala, wo Malaria noch vor einigen Jahren als eradiziert galt, wurden in der ersten Jahreshälfte 2010 bisher 82 Erkrankungen (im Vergleich zu 154 im gesamten Jahr 2009) gemeldet. Die meisten der Fälle kamen bei Wanderarbeitern aus den nördlichen Bundesstaaten (Orissa, Bihar, West Bengal) vor. Dringend Mückenschutz beachten, ggf. Chemoprophylaxe bzw. standby-Therapie.

Japanische Enzephalitis (JE)Die Übertragungssaison für JE beginnt im Mai, endet im Oktober und hat ihren Gipfel erfahrungsgemäß im August-September. Bereits vor Einsetzen des Monsuns wurden zahlreiche Fälle gemeldet, darunter auch viele Kinder. Diese Viruserkrankung wird durch nachtaktive Stechmücken übertragen und kann zu Hirnentzündungen führen. Risikoreisende sollten geimpft werden.

InfluenzaMit Beginn der Regenzeit werden in mehreren Bundesstaaten vermehrt Fälle pandemischer Influenza gemeldet. Insbesondere die südlichen Staaten Kerala und Karnataka sowie Maharashtra und Sikkim sind betroffen. Aus Mumbai (Bombay) werden für Juli knapp 500 und bis 15. August 99 laborbestätigte Fälle gemeldet. Impfschutz beachten - Influenza wird in den Tropen ganzjährig übertragen.

PoliomyelitisTrotz flächendeckender Impfkampagnen gehört Indien noch immer zu den vier Ländern mit endemischer Polio und steht mit den Fallzahlen inzwischen weltweit vor Nigeria an der Spitze. Seit Januar diesen Jahres traten 30 Fälle von Poliomyelitis auf. Im Jahr 2009 wurden 741 Erkrankungen registriert. 2008 wurden 559 Erkrankungen gemeldet. Hygiene und Impfschutz beachten.

TollwutIndien gehört weltweit zu den Ländern mit den höchsten Fallzahlen bei Tieren und Menschen. Hauptüberträger ist der (streunende) Hund. Betroffen sind auch die Großstädte. Bei verdächtigen Tierkontakten sofort Arzt aufsuchen und auf Verwendung moderner Gewebekultur-Impfstoffe achten. Eine vorbeugende Impfung ist für alle Reisenden empfehlenswert.

Chikungunya (CHIC), Dengue(DEN)Beide grippeähnlichen Erkrankungen kommen in Indien regelmäßig vor. Mit einem stärkeren Übertragungsrisiko und höheren Fallzahlen ist vor allem während und nach den Regenzeiten zu rechnen. Während es DEN in Indien schon immer gab, führte CHIC in den letzten drei Jahren zu größeren regionalen Ausbrüchen, im vergangenen Jahr insbesondere im Südwesten des Landes. Schutz vor tagaktiven Überträgermücken (Aedes-Arten) beachten.


 Allgemeine Hinweise 

HIV-Test: Für Langzeitaufenthalte wird ein HIV-Test in englischer Sprache verlangt.

TrinkwasserDurch mineralische Arsenvorkommen im Boden liegt die Belastung des aus Grundwasser (Brunnen) gewonnenen Trinkwassers mit Arsenikalien wie im benachbartem Bangladesh (siehe dort) auch in Teilen des Bundesstaates Bihar z.T. erheblich über der nach WHO zulässigen Höchstgrenze von 0,01 µg/l. das Problem ist nicht flächendeckend; nach Angaben des "Bihar's Public Health and Engineering Department" sind folgende Distrikte betroffen: Darbhanga, Bhojpur, Vaishali, Bhagalpur, Munger, Samastipur, Buxar, Khangaria, Begusarai, Katihar und Chapra sowie die Landeshauptstadt Patna. Durch Abkochen werden die auf Dauer toxischen Verbindungen nicht eliminiert. Für Kurzzeitreisende ist die temporäre Exposition tolerabel. Bei Langzeitaufenthalten in dieser Region sollte nach entsprechenden Informationen vor Ort eine spezielle Beratung durch einen Toxikologen oder Wasserhygieniker erfolgen.


 Botschaften 

Für Deutschland zuständige Vertretung:

Deutsche Vertretung:

(Quelle: Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland)


 Nicht vergessen: Auslandskrankenversicherung 

Für die private Auslandsreise empfehlen wir Ihnen, grundsätzlich eine Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen. Auch in Ländern mit Sozialversicherungsabkommen sind für bestimmte Leistungen zum Teil erhebliche Eigenanteile zu zahlen.

Hinzu kommt, dass die Kosten für einen krankheits- oder unfallbedingten Rücktransport nach Deutschland nur durch eine private Auslandsreise-Krankenversicherung abgedeckt werden. Von der gesetzlichen Krankenversicherung werden Rückführungskosten nicht erstattet.

Die Auslandskrankenversicherung sollte nach Möglichkeit Beistandsleistungen beinhalten. Dies bedeutet, dass Sie im Krankheitsfall über eine Notrufnummer administrative und bei Bedarf auch ärztliche Unterstützung durch die Krankenversicherung erhalten.


 Gesundheitsakten auf Reisen 

Trotz optimaler Vorbereitung und Beratung im Vorfeld einer Reise durch erfahrene Reisemediziner kann unterwegs sowohl im Inland als auch im Ausland jederzeit ein plötzliches Gesundheitsproblem in Form einer Krankheit oder eines Unfalls auftreten.

Der schnelle Abruf bzw. das Vorliegen verlässlicher Informationen über Ihren Gesundheitszustand können in solchen Fällen lebensrettend sein. Gesundheits- oder auch Patientenakten ermöglichen Ärzten im Notfall Ihre persönlichen, medizinischen Daten einzusehen.

Ihre persönliche Gesundheitsakte enthält wichtige Informationen über vorliegende Krankheiten, Allergien, eingenommene Medikamente und Kontaktdaten Ihrer behandelnden Ärzte.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt und Apotheker im Rahmen einer reisemedizinischen Beratung zur Gesundheitsakte informieren.


 Beratungsstellen 

Wir empfehlen grundsätzlich, sich vor einer Reise aktuell, kompetent und individuell zu Gesundheitsfragen beraten zu lassen:

Apotheken mit qualifizierter Reise-Gesundheits-Beratung (nach Postleitzahlgebieten)

Impfstellen und Ärzte mit Spezialsprechstunde Reisemedizin (nach Postleitzahlgebieten)

Reisebüros, die Ihnen Ärzte und Apotheken in Ihrer Umgebung empfehlen können.



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