Zika-Virus-Ausbruch in Lateinamerika:
Schwangere Frauen sollten nicht in Risikogebiete reisen
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Der seit Frühling 2015 bestehende Zika-Virus-Ausbruch in Lateinamerika setzt sich weiter fort. Die Infektion wird durch Stechmücken übertragen. Im Nordosten Brasiliens, einem der Endemiegebiete, kommt es zudem seit einigen Monaten bei Neugeborenen stark gehäuft zu einer Fehlbildung des Schädels, einer Mikroenzephalie. Die brasilianischen Gesundheitsbehörden führen diesen Anstieg auf den Zika-Virus-Ausbruch zurück. Experten vermuten, dass die Fehlbildungen Folge einer Zika-Virus-Infektion der Mutter im ersten oder zweiten Trimester der Schwangerschaft sind. Die Behörden untersuchen auch einen möglichen Zusammenhang von Zika-Virus-Infektionen und Fällen von Guillain-Barré-Syndrom. Reisende nach Lateinamerika sollten derzeit besonders sorgfältig auf Mückenschutz achten. Schwangeren Frauen rät das CRM Centrum für Reisemedizin auf Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Ausbrüchen zu verzichten.

Infektionen mit dem Zika-Virus wurden Anfang 2015 erstmals in Brasilien registriert, die ersten auf dem südamerikanischen Festland insgesamt. Brasilien ist am stärksten betroffen, das Virus hat sich jedoch auch in andere Länder Lateinamerikas ausgebreitet: Kolumbien, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Puerto Rico, Paraguay, Suriname und Venezuela melden ebenfalls Fälle. Charakteristisch für eine Infektion ist das Auftreten eines knotig-fleckigen Hautausschlages, begleitet von Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie einer Bindehautentzündung. Eine Schutzimpfung gibt es nicht.

Parallel kommen in Brasilien, schwerpunktmäßig im Nordosten des Landes, seit Mitte 2015 vermehrt Kinder mit Mikroenzephalie zur Welt. Das ist eine Fehlbildung des Schädels und gekennzeichnet durch einen verminderten Kopfumfang. Die Erkrankung geht mit einer unterschiedlich stark ausgeprägten geistigen Behinderung einher. Ursache von Mikroenzephalie können genetische Defekte oder fruchtschädigende Einflüsse während der Schwangerschaft sein, etwa Alkoholmissbrauch oder Infektionen bei der Mutter. "Die brasilianischen Behörden haben einen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und den Fehlbildungen bei Neugeborenen bestätigt", sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wis-senschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. "Wie die Erkrankungen genau zusammenhängen wird derzeit untersucht und auch mögliche andere Ursachen der Fehlbildungen müssen ausgeschlossen werden." In den Jahren 2010 bis 2014 wurden in Brasilien jährlich zwischen 150 und 200 Kinder mit Mikroenzephalie geboren. Aktuell vermeldet das brasilianische Gesundheitsministerium 3530 Verdachtsfälle von Mikroenzephalie im Zusammenhang mit dem Zika-Ausbruch, der Anfang 2015 begonnen hat. Derzeit untersuchen die Behörden auch einen Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus-Ausbruch und Fällen von Guillian-Barré-Syndrom. Insgesamt ist das Zika-Virus noch wenig erforscht und in vielen Aspekten noch nicht vollständig verstanden.

"Wir empfehlen Schwangeren und Frauen mit aktuellem Kinderwunsch - also bei einer möglichen Schwangerschaft - derzeit von nicht notwendigen Reisen in Gebiete mit aktuellen Zika-Virus-Ausbrüchen abzusehen", empfiehlt Professor Jelinek. Ist eine Reise unvermeidbar, sollten sie sich unbedingt bei einem Reisemediziner zu Vorsorgemaßnahmen beraten lassen.

Reisende in die betroffenen Regionen sollten sich sorgfältig vor Mückenstichen schützen, da keine Impfung gegen das Virus existiert. Der Überträger des Zika-Virus, Stechmücken der Gattung Aedes, ist tagsüber und in der Dämmerung aktiv. Die Mücke überträgt auch Dengue- und Chikungunya-Fieber. Um Mücken fern zu halten, empfiehlt das CRM Centrum für Reisenden helle, möglichst geschlossene Kleidung zu tragen und freie Hautstellen mit Repellents zu schützen. Eine Übersicht zum richtigen Mückenschutz finden Reisende auf der Website des CRM Centrum für Reisemedizin im Flyer "Krankheitsübertragene Insekten": http://www.crm.de/aktionen/

Quellen:
  • http://portalsaude.saude.gov.br/index.php/o-ministerio/principal/secretarias/svs/noticias-svs/21016-ministerio-da-saude-confirma-relacao-entre-virus-zika-e-microcefalia
  • http://www.paho.org/hq/index.php?option=com_topics&view=article&id=427&Itemid=41484&lang=en
  • http://portalsaude.saude.gov.br/index.php/o-ministerio/principal/secretarias/svs/noticias-svs/21519-ministerio-da-saude-atualiza-casos-suspeitos-de-microcefalia
  • http://ecdc.europa.eu/en/publications/Publications/zika-virus-americas-association-with-microcephaly-rapid-risk-assessment.pdf
 
15. Januar 2016
 
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