Zecken: wie vermeiden, wie entfernen, wann zum Arzt?
In der Zeckensaison vor Borreliose und FSME schützen
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Seit Beginn der warmen Jahreszeit lauern Zecken in Gräsern und Sträuchern wieder auf ihre menschlichen und tierischen Wirte. Die Parasiten können durch ihre Stiche ernste Erkrankungen wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Nicht nur in Deutschland ist der Schutz vor Zeckenstichen wichtig, sondern auch bei Outdoor-Urlauben in Europa, teilt das CRM Centrum für Reisemedizin mit. Nordost- und Osteuropa etwa gehören zu den Regionen mit dem höchsten Übertragungsrisiko von FSME.

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis handelt es sich um eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. Das Virus wird nur in bestimmten Regionen übertragen, neben verschiedenen deutschen Bundesländern sind Teile Österreichs, der Schweiz, Nordost und Osteuropas sowie einzelne Regionen Asiens betroffen. Die Länder mit dem höchsten FSME-Übertragungsrisiko in Europa sind die baltischen Staaten, Slowenien und die Tschechische Republik. Jedes Jahr registrieren diese Länder jeweils mehrere hundert Fälle.

Sehr viel häufiger als FSME -Viren übertragen Zecken Borrelien-Bakterien. In den gemäßigten Klimazonen ist das Bakterium der am häufigsten durch Zecken übertragene Erreger. Eine einheitliche Meldepflicht für Borreliose existiert nicht. Nach Schätzungen des Nationalen Referenzzentrums Borrelien (NRZ) in München erkranken allein in Deutschland jährlich zwischen 60 000 und 100 000 Menschen neu an Lyme-Borreliose. "Die Erkrankung kann sehr unterschiedliche Symptome verursachen und wird deshalb oft lange Zeit nicht entdeckt", sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Lyme-Borreliose greift unter anderem die Haut, das Nervensystem und die Gelenke an.

Schnelles Entfernen mindert Borreliose-Risiko, Impfung schützt vor FSME
Gegen Borreliose existiert kein Impfstoff. Deshalb ist sorgfältiger Schutz vor Zecken wichtig: Bei Ausflügen ins Grüne sollten bestenfalls langen Hosen und geschlossenen Schuhen getragen werden. Denn Zecken halten sich vor allem in Gräsern und Büschen auf. Freie Hautstellen können mit Zecken-Repellents eingerieben werden. Am wichtigsten ist die Kontrolle nach dem Ausflug. "Dabei sollten vor allem die von Zecken bevorzugten Körperregionen wie Kniekehlen, Achseln, Schambereich, Bauchnabel, Bauchfalten und den Bereich hinter den Ohren gründlich abgesucht werden", so Jelinek. Je schneller die Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borreliose.

Vor FSME schützt eine Impfung. Sie ist allen Menschen empfohlen, die sich in FSME-Verbreitungsgebieten regelmäßig im Freien aufhalten. Sie ist auch deshalb so wichtig, weil FSME-Viren meist unmittelbar mit dem Stich ins Blut gelangen. Das Virus kann also auch dann übertragen werden, wenn die Zecke rasch entfernt wurde. Eine festgesaugte Zecke sollte vorsichtig mit einer feinen Pinzette entfernt werden. Die beste Methode: die Pinzette so dicht wie möglich über der Haut ansetzen und die Zecke am Kopf herausziehen. Der Körper des Tieres sollte nicht gequetscht werden, sonst besteht die Gefahr, dass erregerhaltiges Sekret aus dem Zeckenleib in Stichstelle gedrückt wird. Nach dem Entfernen sollte die Einstichstelle desinfiziert werden.

Wann ist ein Arztbesuch nötig?
Es ist nicht notwendig, nach jedem Zeckenstich einen Arzt aufzusuchen. Wichtig ist vor allem, dass Betroffene die Einstichstelle in den Tagen und Wochen nach dem Stich sorgsam beobachten. Wenn dort eine Rötung auftritt oder sich allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit zeigen, ist der Arztbesuch unumgänglich.



Quellen:
  • European Center of Disease Prevention and Control, Tick-borne encephalitis country profiles (abgerufen am 15.06.2016)
    http://ecdc.europa.eu/en/healthtopics/emerging_and_vectorborne_diseases/tick_borne_diseases/tick_borne_encephalitis/countryprofiles/Pages/country-profiles.aspx
  • http://www.paho.org/hq/index.php?option=com_topics&view=article&id=427&Itemid=41484&lang=en
  • Dr. Volker Fingerle, die Lyme-Borreliose, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (abgerufen am 15.06.2016)
    https://www.lgl.bayern.de/gesundheit/infektionsschutz/infektionskrankheiten_a_z/borreliose/lyme.htm
  • T. Jelinek, Mücken- und Zeckenschutz, Kursbuch Reisemedizin, Hg. Tomas Jelinek, 1. Aufl. 2012 Georg Thieme Verlag KG
 
15. Juni 2016
 
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