Wanzen, Würmer und Co.:
Ungeliebten "Reisemitbringseln" wirksam vorbeugen
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Wer aus dem Urlaub mit juckenden Stichen oder Ekzemen zurückkehrt, hatte mitunter Kontakt zu Parsiten wie Wanzen, Flöhen, Milben oder Würmern. Dermatologische Beschwerden durch Parasitenkontakt sind bei Fernreisen zwar häufig - nach Durchfall und Fieber sind es die häufigsten Gesundheitsprobleme bei Reisen - , jedoch meist eher lästig als gefährlich. Mitunter können Parasiten aber auch Ursache ernsthafter Erkrankungen sein - etwa der in den Tropen und Subtropen weit verbreiteten Schistosomiasis. Die Erkrankung wird durch einen Wurm, den Pärchenegel, ausgelöst. Mit welchen Parasiten Urlauber besonders häufig in Kontakt kommen, welche Gefahren von ihnen ausgehen und wie Reisende vorbeugen können, war Thema der Pressekonferenz des CRM Centrum für Reisemedizin, die im Vorfeld des 17. Forums Reisen und Gesundheit am 3. März in Berlin stattgefunden hat.

"Ein wahrer "Shooting-Star" unter den ungeliebten Reisemitbringseln sind Bettwanzen", so Dr. rer. nat. Karolina Bauer-Dubau vom Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin. Sie lauern nicht nur in sehr einfachen Unterkünften, sondern zum Beispiel auch in Hotels mit Teppichböden. Ihre Stiche sind meist harmlos, allerdings ist ihre Bekämpfung ausgesprochen zeitaufwendig und muss von einem Fachmann durchgeführt werden; zudem sind die Tiere wahre Überlebenskünstler und können Monate ohne Blutmahlzeit in einer Ritze ausharren. Vorsorge ist deshalb angebracht. Dazu zählt die sorgfältige Überprüfung der Übernachtungsstätte. Bei Verdacht auf Bettwanzen sollten Urlauber auf einen Zimmer- oder, falls nötig, sogar Hotelwechsel bestehen. Schutz vor Stichen bietet ein Rundum-Moskitonetz, das auch unter dem Bettlaken entlangführt. Das Reisegepäck sollte nicht über einen längeren Zeitraum zu nahe am Bett abgestellt werden: "Weibliche Wanzen könnten sich dort einnisten und in die Heimat eingeschleppt werden", sagt Bauer-Dubau. Alleine in der Hauptstadt hat sich die Zahl der Bekämpfungen bei Wanzenbefall binnen sieben Jahren deutlich erhöht, von 210 im Jahr 2007 auf 1580 im Jahr 2014.

In warmen und trockenen Regionen, vor allem an Stränden, können Reisende in Kontakt mit Sandflöhen und Hakenwürmern kommen. Hakenwürmer sind verantwortlich für eine der häufigsten Hauterkrankungen bei Reisenden, der "Larva migrans cutanea", die sich durch gewundene rote Linien auf der Haut bemerkbar macht. Die Larven der Hakenwürmer werden mit dem Kot von Hunden und Katzen ausgeschieden. Meist bemerken Urlauber die Symptome dort, wo sie mit verschmutztem Strandboden in Kontakt kamen, an Füßen, Gesäß oder Rücken. "Der beste Schutz besteht darin, möglichst oft Schuhe zu tragen und vor allem auf verschmutzten Böden und Stränden, etwa wo Hunde streunen, den direkten Bodenkontakt zu meiden", empfiehlt Bauer-Dubau. Auch gegen Sandflöhe hilft geschlossenes Schuhwerk. Sandflöhe bohren sich meist unter die Haut der Fußnägel, der Zehenzwischenräume und der Fußsohlen. Dort wächst dann die nächste Flohgeneration heran. Bei den Betroffenen macht sich dies durch eine Schwellung bemerkbar, die sich jedoch meist leicht entfernen lässt.

Ein weiteres ,Reisemitbringsel' können Fliegenlarven in der Haut sein: Die Eier gelangen auf unterschiedliche Weise dorthin, über kontaminierte Wäsche zum Beispiel oder über Moskitos, die als Träger dienen können. In der Haut treten dann einzelne oder mehrere juckende Knoten auf. Sie lassen sich meist einfach entfernen, mitunter ist ein kleiner chirurgischer Eingriff nötig.

"Auch wenn Parasitenbefall psychisch und kosmetisch sehr belastend sein kann: Meist ist er nicht gefährlich und lässt sich in der Regel gut behandeln", sagt Bauer-Dubau. Mitunter fangen sich Urlauber aber auch bedrohliche Parasitenerkrankungen ein - etwa Schistosomiasis. "In den Tropen und Subtropen sollten Urlauber wegen der Schistosomiasis-Gefahr auf den Kontakt mit stehendem oder langsam fließenden Süßwasser komplett verzichten", rät Bauer-Dubau. Die Erkrankung wird durch Saugwürmer verursacht. Ihre im Süßwasser lebenden Larven dringen durch die Haut in den menschlichen Körper ein, entwickeln sich dort zu adulten Würmern weiter und können mehrere Jahre in den Blutgefäßen, meist von Darm oder Harnblase, überleben. Bei vielen Infizierten treten keine Symptome auf, Schistosomiasis kann mitunter jahrelang unbemerkt verlaufen. Symptomatische Verläufe sind gekennzeichnet durch einen juckenden Hautauschlag, der sich bereits wenige Stunden nach dem Eindringen der Larven zeigt. Wochen später tritt Fieber auf. Je nachdem, wo im Körper sich die Larven ansiedeln, können im Verlauf der Erkrankung blutige Durchfälle oder blutiger Urin auftreten. Tückisch sind vor allem asymptomatisch verlaufende und deshalb unbehandelte Erkrankungen. Unbehandelt kann Schistosomiasis zu Langzeit-Komplikationen an Darm, Blase oder Nieren führen. Im Frühstadium ist sie sehr gut behandelbar. Reiserückkehrer, die in subtropischen oder tropischen Gebieten in Süßwasser gebadet haben, sollten, auch wenn sie keine Symptome aufweisen, bei ihrem Hausarzt oder einem Tropenmediziner zur Abklärung aufsuchen.

Quellen:
  • Redemanuskript Dr. rer.nat. Karolina Bauer-Dubau, BCRT Berlin
  • M.Haditsch, Perkutan und sexuell übertragene Krankheiten. In: Kursbuch Reisemedizin, Hrsg. Tomas Jelinek, 1. Aufl. 2012 Georg Thieme Verlag KG
 
3. März 2016
 
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