Malaria: Resistenzen gefährden die erfolgreiche Zurückdrängung der Tropenkrankheit PDF-Datei
 
Die Zahl der Malaria-Erkrankungen ist seit 2000 weltweit um mehr als ein Drittel gesunken. Doch Klimawandel, politische Krisen und Resistenzen gegen hochwirksame Medikamente gefährden den Erfolg der globalen Malariabekämpfung. In Südostasien etwa sind Resistenzen gegen das wichtigste Therapiemittel Artemisinin inzwischen weit verbreitet, warnen Experten. Auf der Pressekonferenz anlässlich des 17. Forums Reisen und Gesundheit am 3. März 2016 in Berlin, erläuterten Mediziner, was Reisende beachten sollten, um sich vor einer Infektion zu schützen.

"In den vergangenen Jahren ist es gelungen, Malaria in vielen Regionen der Erde stark zurückzudrängen" sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. "Einige Regionen Afrikas, wie die Insel Sansibar, aber auch viele Regionen Asiens sind inzwischen weitgehend malariafrei." Der am stärksten betroffene Teil der Erde ist heute die Sub-Sahara Region Afrikas, wo 2015 rund 90 Prozent aller Malaria-Fälle auftraten. Weltweit erkrankten nach Schätzungen der WHO im vergangenen Jahr immer noch rund 214 Millionen Menschen an Malaria, 438 000 starben.

Während zahlreiche Institutionen wie die WHO, aber auch private Initiativen erfolgreich gegen Malaria vorgehen, wirken verschiedene Entwicklungen in die entgegengesetzte Richtung: "So sorgt der Klimawandel dafür, dass Malaria zunehmend in höhere Regionen ,wandert' und inzwischen beispielsweise am Fuße des Kilimanjaro auftritt", erklärt Jelinek. Auch der internationale Reiseverkehr und Migrationsströme sorgen dafür, dass es in neuen Regionen zu Infektions-Herden kommt. In politisch instabilen Ländern gefährden Kriege und überforderte Gesundheitssysteme die Zurückdrängung der Tropenkrankheit.

"Große Sorgen bereitet außerdem die zunehmende Verbreitung von Resistenzen gegen die derzeit eingesetzten Antimalariamittel", so Jelinek. "Das betrifft auch das wichtigste Therapiemittel Artemisinin. In Südostasien, vor allem in Kambodscha und Thailand, sind Resistenzen gegen Artemisinin bereits so ausgeprägt, dass es zunehmend schwieriger wird, Malaria zu behandeln." Reisende sollten im Zuge einer sorgfältigen Beratung deshalb unbedingt abklären, welche Resistenzen lokal vorherrschen und welche Mittel eingesetzt werden können."

Auch eine sorgfältige Expositionsprophylaxe, also der Schutz vor Mückenstichen, wird aufgrund der Resistenzen immer bedeutsamer. In vielen Regionen ist die Verwendung von Moskitonetzen, Auftragen von Repellentien auf die Haut und das Tragen langer Kleidung zum Schutz vor einer Infektion inzwischen ausreichend. Ob zusätzlich eine Chemoprophylaxe, also die vorsorgliche Einnahme von Medikamenten oder die Mitnahme von Mitteln zur notfallmäßigen Selbstbehandlung notwendig sind, muss der Reisemediziner anhand einer Risikoabschätzung entscheiden. "Die auch im Internet veröffentlichten Malaria-Verbreitungskarten bieten dabei nur eine erste Orientierungshilfe", so Jelinek. Entscheidend seien viele andere Faktoren, etwa ob der Reisende an Grundkrankheiten leide und wie lange und auf welche Art und Weise jemand reist.

Gefährdeter ist beispielsweise, wer als Rucksacktourist viel herumreist oder sich abends beziehungsweise nachts oft im Freien aufhält", so der Infektiologe. "Auch lange Aufenthalte und Berufsreisen sowie Reisen in der Regenzeit gehen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher."

Jedes unklare Fieber, das bei Reisen in die Tropen und Subtropen auftritt, sollte möglichst noch vor Ort durch einen Arzt abgeklärt werden. "Malariamitteln zur Selbstbehandlung sollten nur im Notfall eingenommen werden, wenn vor Ort kein Arzt erreichbar ist", so Jelinek. Oft erkrankten Betroffene jedoch auch erst nach ihrer Rückkehr. Symptome treten ab dem sechsten Tag nach dem Mückenstich auf. "Nicht selten äußert sich eine Malaria sogar erst Wochen oder Monate nach der Rückkehr", sagt Jelinek "Viele Betroffene denken dann zunächst an einen grippalen Infekt. Wer aber einen Aufenthalt in den Tropen oder Subtropen hinter sich hat, sollte bei Fieber immer auch an die Möglichkeit einer Malaria denken und einen Arzt aufsuchen, auch wenn die Reise schon länger her ist."

In Deutschland wurden in den letzten Jahren jährlich zwischen 500 und 600 Malaria-Erkrankungen erfasst. Im Jahr 2014 waren es - vermutlich bedingt durch Erkrankungen von Asylsuchenden aus Malariaregionen - mehr als 1000 Fälle.

Quellen:
  • Abstract Prof. Martin Haditsch, Update Malariaprophylaxe, 17. Forum Reisen und Gesundheit des CRM Centrum für Reisemedizin, 2016
  • http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs094/en/
  • Malariaprophylaxe, CRM Handbuch Reisemedizin, Ausgabe 52, 2016
  • Empfehlungen zur Malariavorbeugung, Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit, Stand April 2015 (http://www.dtg.org/uploads/media/DTG-Malaria_2015.pdf)
 
3. März 2016
 
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