Durch Zecken übertragenes FSME-Virus:
Erster Fall in den Niederlanden
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Erstmals hat sich in den Niederlanden eine Person mit dem FSME-Virus infiziert. Kurz zuvor hatten niederländische Behörden bereits bestätigt, dass das Virus in Zecken gefunden worden war. Die Länder Nordost- und Osteuropas gehören zu den Regionen mit dem höchsten Übertragungsrisiko für FSME. Bei Outdoor-Urlauben in Europa sollten Reisende sich grundsätzlich vor Zeckenstichen schützen. Die Parasiten können durch ihre Stiche nicht nur Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME), sondern auch Borreliose übertragen. Das CRM Centrum für Reisemedizin rät zur Expositionsprophylaxe durch geeignete Kleidung und das Verwenden von zeckenabweisenden Repellents, und empfiehlt, nach Aufenthalten in der Natur, den Körper nach Zecken abzusuchen. In FSME-Verbreitungsgebieten ist eine Impfung empfohlen.

"Da es sich um einen Einzelfall handelt, ist das derzeitige Risiko, sich in den Niederlanden mit FSME zu infizieren, weiterhin als sehr gering einzuschätzen", erklärt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. Reisende sollten dennoch auf sorgfältigen Zeckenschutz achten, da die Parasiten landesweit auch Borreliose übertragen.

Das FSME-Virus wird nur in bestimmten Regionen übertragen, neben verschiedenen deutschen Bundesländern sind Teile Österreichs, der Schweiz, Nordost- und Osteuropas sowie einzelne Regionen Asiens betroffen. Die Länder mit dem höchsten FSME-Übertragungsrisiko in Europa sind die baltischen Staaten, Slowenien und die Tschechische Republik. In Deutschland sind in diesem Jahr bis Anfang September 241 Menschen durch einen Zeckenstich an FSME erkrankt, von einem weiteren Anstieg der Meldezahlen ist auszugehen. Im gesamten Jahr 2015 traten in Deutschland 229 Fälle auf. Das FSME-Virus kann die sogenannte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auslösen, eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute. In sehr seltenen Fällen wird das Virus nicht durch einen Zeckenstich, sondern durch den Verzehr von Rohmilchprodukten übertragen.

Sehr viel häufiger als FSME-Viren übertragen Zecken Borrelien-Bakterien. Nach Schätzungen des Nationalen Referenzzentrums Borrelien (NRZ) erkranken allein in Deutschland jährlich zwischen 60.000 und 100.000 Menschen neu an Lyme-Borreliose. "Die Erkrankung kann sehr unterschiedliche Symptome verursachen und wird deshalb oft lange Zeit nicht entdeckt", so Jelinek. Lyme-Borreliose greift unter anderem die Haut, das Nervensystem und die Gelenke an. Gegen Borreliose existiert kein Impfstoff. Deshalb ist sorgfältiger Schutz vor Zecken wichtig: Bei Ausflügen ins Grüne sollten idealerweise lange Hosen und geschlossenen Schuhe getragen werden. Denn Zecken halten sich vor allem in Gräsern und Büschen auf. Freie Hautstellen können mit Zecken-Repellents eingerieben werden. Am wichtigsten ist die Kontrolle nach dem Ausflug. "Dabei sollten vor allem die von Zecken bevorzugten Körperregionen wie Kniekehlen, Achseln, Schambereich, Bauchnabel, Bauchfalten und den Bereich hinter den Ohren gründlich abgesucht werden", so Jelinek. Je schneller die Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mit Borreliose, denn die Borrelien befinden sich im Darm der Zecke. Die Zecke muss eine längere Zeit saugen, bevor der Erreger übertragen wird.

Vor FSME schützt eine Impfung. Sie ist allen Menschen empfohlen, die sich in FSME-Verbreitungsgebieten regelmäßig im Freien aufhalten. Sie ist auch deshalb so wichtig, weil FSME-Viren meist unmittelbar mit dem Stich ins Blut gelangen. Das Virus kann also auch dann übertragen werden, wenn die Zecke rasch entfernt wurde.

Die Einstichstelle sollte in den Tagen und Wochen nach dem Stich sorgsam beobachtet werden. Wenn dort eine Rötung auftritt oder sich allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Abgeschlagenheit zeigen, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Quellen:
  • http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=22558
  • http://ecdc.europa.eu/en/healthtopics/emerging_and_vectorborne_diseases/tick_borne_diseases/tick_borne_encephalitis/pages/index.aspx
  • www.rki.de/
 
6. September 2016
 
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Juliane Pfeiffer
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