Brasilien ruft wegen Fällen von Mikrozephalie Gesundheitsnotstand aus
Offenbar Zusammenhang mit Zika-Virus: Mückenschutz beachten
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Wegen einer Häufung von Mikrozephalie-Fällen bei Neugeborenen hat das brasilianische Gesundheitsministerium einen nationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Bei Mikrozephalie handelt es sich um eine Fehlbildung des Schädels, bei der dieser im Vergleich zum Normalzustand zu klein ist. In diesem Jahr verzeichnete das Land bislang 399 Fälle von Mikrozephalie in sieben Bundesstaaten, ein deutlicher Anstieg gegenüber den Vorjahren. Wahrscheinlich stehen die Ereignisse in Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruch von Zika-Virus-Erkrankungen in Brasilien. Die mehreren Schwangeren, bei denen eine Ultraschalluntersuchung eine Mikrozephalie beim ungeborenen Kind ergab, konnte das Virus im Blut nachgewiesen werden. Weitere Untersuchungen zum Zusammenhang beider Erkrankungen laufen derzeit, teilte das brasilianische Gesundheitsministerium mit. Reisende, insbesondere Schwangere, sollten auf sorgfältigen Mückenschutz achten, empfiehlt das CRM Centrum für Reisemedizin.

Die aktuellen Fälle von Mikrozephalie bei Neugeborenen wurden schwerpunktmäßig im Nordosten des Landes registriert: Die meisten Erkrankungen traten im Bundesstaat Pernambuco auf, gefolgt von Sergipe, Rio Grande do Norte, Paraíba, Piauí, Ceará und Bahia. Mikrozephalie ist eine Fehlbildung des Schädels und gekennzeichnet durch einen verminderten Kopfumfang. Die Erkrankung geht mit einer unterschiedlich stark ausgeprägten geistigen Behinderung einher. Ursache können genetische Defekte oder fruchtschädigende Einflüsse während der Schwangerschaft sein, etwa Alkoholmissbrauch oder Infektionen bei der Mutter.

Parallel zum Anstieg der Fälle von Mikrozephalie ereignet sich in Brasilien seit Frühjahr 2015 ein Ausbruch von Zika-Virus-Infektionen. Infektionen mit dem Zika-Virus wurden Anfang 2015 erstmals in Brasilien registriert, es waren gleichzeitig die ersten auf dem südamerikanischen Festland. Seither hat sich das Virus in 14 brasilianische Bundesstaaten ausgebreitet. Mitte Oktober 2015 bestätigte auch Kolumbien erste Erkrankungsfälle. Der Erreger, der durch Stechmücken übertragen wird, wurde vermutlich während der Fußballweltmeisterschaft importiert.

"Charakteristisch für eine Infektion mit Zika-Viren ist das Auftreten eines knotig-fleckigen Hautausschlages, begleitet von Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie einer Bindehautentzündung", sagt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. "lebensbedrohliche Verläufe dieser Erkrankung sind bislang nicht bekannt, allerdings ist das Virus noch wenig erforscht und in vielen Aspekten noch nicht vollständig verstanden." Bis 2007 wurden nur einzelne Fälle von Zika-Virus-Infektionen in Afrika und Südostasien registriert. Seit seiner zunehmenden Ausbreitung in den letzten Jahren ist das Virus von der WHO als "Emerging Infectious Disease" klassifiziert.

Weil der Überträger des Zika-Virus, Stechmücken der Gattung Aedes, auch andere Erkrankungen wie Dengue- und Chikungunya-Fieber verbreitet, sollten Reisende auf konsequenten Mückenschutz achten - nicht nur in Südamerika, sondern in allen tropischen und subtropischen Regionen. Eine Impfung gegen Dengue-, Chikungunya oder Zika-Viren gibt es nicht. Um Mücken fern zu halten, empfiehlt das CRM Centrum für Reisenden helle, möglichst geschlossene Kleidung zu tragen und freie Hautstellen mit Repellents zu schützen. Geeignet sind Mittel mit dem Wirkstoff DEET in einer Konzentration ab 30 Prozent, Schwangere sollten Produkte mit dem Wirkstoff Icaridin verwenden.

Quellen:
http://portalsaude.saude.gov.br/index.php/o-ministerio/principal/secretarias/svs/noticias-svs/20807-saude-divulga-dados-sobre-microcefalia
http://www.paho.org/hq/index.php?option=com_topics&view=article&id=427&Itemid=41484&lang=fr
http://ecdc.europa.eu/en/healthtopics/zika_virus_infection/Pages/index.aspx
 
20. November 2015
 
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Juliane Pfeiffer
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