Reisedurchfall: Antibiotika sind meist nicht nötig PDF-Datei
 
Momentan ist Urlaubszeit. Wer in die Ferne reist, den erwartet dann mitunter auch eine lästige Erfahrung: Reisedurchfall - das mit Abstand häufigs-te Gesundheitsproblem unterwegs. Zwischen 20 und 50 Prozent der Reisenden sind betroffen, meist bei Aufenthalten in Asien, Afrika oder Mittel- und Südamerika. So unangenehm er ist - Reisedurchfall ist meist harmlos und klingt nach zwei bis vier Tagen von selbst ab. Vorbeugende Maßnahmen wie eine sorgfältige Trinkwasser- und Nahrungsmittelhygiene und regelmäßiges Händewaschen können viele Durchfallerkrankungen verhindern. Bei Einnahme von Antibiotika gegen Reisedurchfall sollten Betroffene zurückhaltend sein, empfiehlt das CRM Centrum für Reisemedizin. Eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Clinical Infectious Diseases zeigt, dass sie das Risiko einer Ansiedlung mit multiresistenten Darmbakterien deutlich erhöhen.

Die finnische Studie ergab, dass jeder fünfte Tourist, der Länder mit niedrigen Hygienestandards bereist, mit multiresistenten Darmkeimen in die Heimat zurückkehrt. Das Risiko, sich einen solchen einzufangen, war erhöht, wenn Urlauber unterwegs an Reisedurchfall erkrankten und erhöhte sich noch einmal deutlich, wenn dieser mit einem Antibiotikum bekämpft wurde. Je nach Reiseland waren bis zu 80 Prozent der Urlauber, die gegen den Durchfall Antibiotika eingenommen hatten, im Anschluss mit multiresistenten Darmkeimen besiedelt.

"Ein solcher Keim muss den Träger nicht notwendigerweise krankmachen, er kann aber zu einem großen Problem werden, wenn er auf geschwächte Personen übertragen wird, die daran erkranken und wegen der Resistenz des Bakteriums dann nicht adäquat behandelt werden können", erklärt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin.

Bei den allermeisten Reisedurchfällen sei eine Antibiotikatherapie nicht notwendig, so der Infektiologe. Wenn Durchfälle schleimig-blutig sind oder mit anhaltendem Fieber einhergehen, sei die Behandlung mit Antibiotika mitunter jedoch unvermeidlich. In solchen Fällen sollten Reisende im Urlaubsland möglichst einen Arzt aufsuchen.

"Gewöhnliche Reisedurchfälle, auch wenn sie wässrig sind, heilen in kurzer Zeit von alleine aus - wichtig ist vor allem, dass die verlorene Flüssigkeit und die Elektrolyte ersetzt werden, etwa durch ORS (Oral Rehydratation Solution) -Trinklösungen, die es als fertige Mischungen in der Apotheke zu kaufen gibt", so Jelinek. "Gerade im Urlaub möchten viele dennoch ein Medikament, das eine rasche Heilung unterstützt, griffbereit haben, um die wenigen Urlaubstage nicht im Hotelzimmer verbringen zu müssen. Hierfür eignen sich beispielsweise Mittel, die den übermäßigen Flüssigkeitseinstrom in den Darm reduzieren und die Darmtätigkeit nicht drosseln, so dass die schädlichen, den Durchfall verursachenden Bakterien weiter ausgeschieden werden können."

Durchfallerkrankungen auf Reisen werden durch verschiedene Viren, Bakterien oder Parasiten verursacht. Sie geraten über kontaminierte Lebensmittel oder durch unzureichende Handhygiene in den Organismus. "Für den Umgang mit Lebensmitteln hat sich die Regel ,Cook it, peel it, boil it or forget it' bewährt, also, Brate es, schäle es, koche es oder vergiss es'", so Jelinek. Rohe, ungeschälte Früchte, Gemüse und Salate ebenso wie offene Säfte und Eiscreme sollten demnach gemieden werden. Auch bei Rohmilchprodukten, nicht vollständig durchgegarten Fleisch- oder Fischgerichten oder Speisen aus dem Straßen- oder Strandverkauf ist Vorsicht geraten. Zudem entspricht in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern die Qualität des Leitungswassers nicht dem deutschen Standard und kann mit Erregern kontaminiert sein. Trinkwasser sollte in tropischen und subtropischen Ländern deshalb immer abgefüllt gekauft werden. Auf Eiswürfel in Getränken, die oft aus Leitungswasser hergestellt werden, sollten Reisende besser verzichten. Durch regelmäßiges und gründliches Händewaschen - vor allem vor dem Verzehr von Speisen - kann das Risiko einer Infektion mit Durchfallerregern zusätzlich verringert werden.

Quellen:
Antimicrobials Increase Travelers' Risk of Colonization by Extended-Spectrum Betalactamase-Producing Enterobacteriaceae
Kantele et al., Clinical Infectious Disease 2015, 60 (6): 837-846
http://cid.oxfordjournals.org/content/early/2015/01/07/cid.ciu957.full
 
22. Juli 2015
 
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