Satellitensymposium
Eine neue Therapieroute bei unkomplizierter Malaria tropica: eurartesim®
Epidemiologie der Malaria
Prof. Dr. med. Robert Steffen
 
Die Epidemiologie der Malaria befindet sich im Umbruch. Bis 2015 hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Ziel gesetzt im Vergleich zum Jahr 2000 die Zahl der Malariafälle um 75% zu vermindern. Dazu wurden beispielsweise 2012 USD 1.84 Milliarden an internationalen Krediten gesprochen und 625 Millionen aus nationalen Budgets ausgegeben. Dadurch hat sich im tropischen Afrika der Anteil der Haushalte mit imprägnierten Moskitonetzen von 3 auf 53% steigern lassen. Ebenfalls in Afrika südlich der Sahara nahm die Zahl der diagnostischen Schnelltests und der Artemisinin-Kombinationstherapie bis 2010 markant zu, allerdings stagniert der Fortschritt seither.

Dank dieses Programms wird zwar die Malaria aktuell noch immer in 99 Staaten übertragen, aber in deren 50 wird voraussichtlich das Ziel der Inzidenz-Reduktion erreicht. Im Jahr 2010 traten noch 219 Millionen Fälle von Malaria und 660.000 Todesfälle auf, davon je 80% in 17, beziehungsweise in 14 Ländern. Die Letalität bleibt bei einem Einkommen von unter USD 1,25 pro Tag besonders hoch.

Weiterhin wird im tropischen Afrika P. falciparum in fast 100% der Fälle gefunden. Dasselbe gilt in den Amerikas nur für Haiti und die Dominikanische Republik. In Asien schwankt dieser Anteil von unter 10% in Sri Lanka, 50% in Indien bis 80% in Bangladesh, gar über 90% in Laos. Wie schon mit früher gebräuchlichen Therapien sind Resistenzen gegen Artemisinin-Präparate vor allem in Südostasien beobachtet worden. Die WHO fordert mit Nachdruck, der Vertrieb von oralen Artemisinin Monotherapien müsse unterbunden werden, um das Risiko weiterer Resistenzbildung zu mindern.

Importierte Malaria bleibt ein gewichtiges Problem: Unter 82.825 in den Jahren 1996 bis 2011 vom Geosentinel Programm erfassten Patienten wurden 3.655 als lebensbedrohlich krank eingestuft; davon waren 76.9% Personen mit P. falciparum Infektion. Entsprechend der geschilderten sinkenden Inzidenzrate in den Zielländern ist das Risiko für Reisende nach Westafrika und Lateinamerika nachweislich abgesunken. Aber weiterhin werden jährlich in die Vereinigten Staaten 1.500, in die Europäische Union 6.000, und Deutschland 562 (2011) Fälle eingeschleppt. Reisemedizinisch bedeutsam sind aber nicht nur Destinationen mit weiterhin hohem Risiko, ebenso wichtig ist es, sich auf dem Laufenden zu halten bezüglich Reisezielen mit drastisch vermindertem Malariarisiko (z.B. Zanzibar), sowie über Länder, welche in der Phase der Prä-Elimination oder Elimination stehen, wie z.B. die Kapverden, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Paraguay, Iran, Saudi Arabien, die Türkei, Malaysia.