Satellitensymposium
Grenzenlos Reisen - neue Studien, neue Impfstoffe
Moderne Impfstoffentwicklung am Beispiel von Optaflu®
Dr. med. Petra Sandow
 
Bislang verfügbare, inaktivierte Influenzaimpfstoffe werden auf Hühnereiern hergestellt und entweder als Spalt- oder als gereinigte Subunit-Impfstoffe, mit den immunologisch aktiven Oberflächenantigenen Hämagglutinin und Neuraminidase, angeboten.

Moderne Zellkulturbasierte Herstellungsverfahren, wie beispielsweise für Optaflu® entwickelt, führen zu einer bemerkenswerten Erweiterung des Angebots an saisonalen Grippeimpfstoffen. Durch die neue Möglichkeit, die von der WHO empfohlenen Impfviren auf Zellkulturen innerhalb eines geschlossenen Systems zu züchten, kann fortan vollständig auf den Zusatz von Antibiotika in der Herstellung verzichtet werden. Zudem wird in der fertigen Formulierung des Subunit-Impfstoffs Optaflu® auch auf den Zusatz von Stabilisatoren und Konservierungsmittel verzichtet. Der Impfstoff enthält die relevanten Antigene Hämagglutinin und Neuraminidase in hoch aufgereinigter Form.
Impfstoffe hergestellt in Zellkulturen sind grundsätzlich nichts Neues und kommen seit vielen Jahren in anderen Indikationsgebieten zur Anwendung, beispielsweise bei Impfstoffen gegen Polio, Masern, Röteln, Tollwut oder auch gegen Japanische Enzephalitis. Für Optaflu® wurde dieser innovative Weg der Impfstoffproduktion jedoch erstmalig auch für Influenzaimpfstoffe beschritten. Andere auf Zellkulturen basierende Impfstoffe gegen Influenza werden folgen, da mit diesem Verfahren entscheidende Vorteile verbunden sein können, die zusätzlich neben ethischen Argumenten bestehen. Für Optaflu® werden von Novartis speziell weiterentwickelte Zellkulturen einer ursprünglich aus einer gesunden Hundeniere isolierten Zelllinie (MDCK) verwendet. Dadurch ist eine Impfstoffproduktion ohne Zusätze von Serumproteinen im Kulturmedium möglich. Für die Isolation neuer, saisonaler Influenzaviren verwendet die WHO verwandte MDCK-Zellkulturen.

Wesentlich bei den Zellkultur-basierten Grippeimpfstoffen wie Optaflu® ist der Verzicht auf embryonierte Hühnereier in der Viruspropagation, womit diese Impfstoffe fortan uneingeschränkt auch bei Ovalbumin-Allergiker angewendet werden können. Das Zell-basierte Verfahren ist durch eine größere Flexibilität gekennzeichnet. Es können damit kurzfristig größere Mengen an benötigtem Impfstoff, unabhängig von so genannten SPF-Eiern, bereitgestellt werden. Dieser Aspekt wäre auch insbesondere in einer Pandemie von elementarer Bedeutung.

Vor der Zulassung in Phase III und nach der Zulassung in 2007 im Rahmen von Phase IV Studien wurden mittlerweile umfangreiche Daten für Optaflu® generiert. Insgesamt wurden Daten aus sieben randomisiert und kontrolliert durchgeführten Studien gewonnen, bei denen mehr als 7000 Probanden rekrutiert werden konnten. Ferner wurden während der letzten Pandemie mehrere Millionen Personen mit Celtura® geimpft, einer monovalenten MF59® adjuvierten A/H1N1 Vakzine. Die Impfviren für Celtura® wurden nach dem gleichen Produktionsverfahren hergestellt wie es auch bei Optaflu® angewendet wird. Darüber hinaus liegen weitreichende Pharmakovigilanz-Daten aus der Routineanwendung MDCK-basierter Zellkulturimpfstoffe vor.

Im November 2012 wurde in den USA von der FDA der verwandte Impfstoff Flucelvax®, momentan noch wie Optaflu®, ab 18 Jahren zugelassen. Klinische Studien mit dem Ziel der Indikationserweiterung von Optaflu® bzw. Flucelvax® für die Anwendung bei Kindern werden aktuell durchgeführt.

In allen klinischen Studien zeigte Optaflu® eine gute Verträglichkeit vergleichbar zu den bisherigen Ei-basierten Subunit-Impfstoffen. Immunologisch konnte Optaflu® ebenfalls überzeugen. In bislang durchgeführten Wirksamkeitsstudien wurde für Optaflu® verglichen mit Placebo eine Effektivität von 83,8% in der Verhinderung laborbestätigter Erkrankungen gezeigt. Somit liegen für Optaflu® im Gegensatz zu vielen anderen Influenzaimpfstoffen auch überzeugende Wirksamkeitsdaten vor. Die durch Optaflu® hervorgerufenen Immunantworten liegen 6 Monate nach der Impfung noch über den geforderten Seroprotektionsraten, womit ein bestehender Schutz über die gesamte Dauer einer Influenzasaison angenommen werden darf.

Optaflu® induziert robuste und dauerhafte Immunantworten gegen saisonale Influenzaviren und zeigt sich in der Verträglichkeit vergleichbar gut zu den bislang verfügbaren, Ei-basierten Impfstoffen.