Satellitensymposium
Apotheken-Special: Reisen mit Risiko
Kinder, Schwangere und Senioren - Beratungsbeispiele in der Apotheke
Bettina Flörchinger
 
Die Deutschen gelten seit Jahren als eines der reiselustigsten Völker weltweit. Der Deutsche Reiseverband DRV meldete im November 2012, dass im vorangegangenen Jahr bei deutschen Reiseveranstaltern 40 Mio. Reisen gebucht worden seien, ein neuer Rekord!

Mehr als zwei Drittel der Reisen über 5 Tage Dauer führen ins Ausland. Die beliebtesten Reiseziele sind dabei die Länder rund ums Mittelmeer, der Anteil der Fernreisen macht ca. 7% aus. Auslandsreisen, insbesondere in tropische Länder, können für Menschen in bestimmten Altersgruppen oder Lebenssituationen zu einem erhöhten Gesundheitsrisiko führen. Hierzu gehören unter anderem Kinder, Schwangere und ältere Reisende.

Reisen mit Kindern
Bei der Reiseplanung sollte die Frage, welche Vorteile das Kind von der Reise hat, im Vordergrund stehen. So stellen beispielsweise mehrstündige Flugreisen oder Abenteuerreisen mit häufigem Ortswechsel für Kleinkinder eine Belastung dar. Durch Infektionen, Unfälle sowie klimatische Bedingungen sind Kinder in erhöhtem Maße gefährdet. Bei der Auswahl des Reiseziels sollte daher auf die medizinische Versorgung vor Ort geachtet werden.

Eine bevorstehende Urlaubsreise ist immer eine gute Gelegenheit, den Standard-Impfschutz bei Kindern (und Erwachsenen) zu überprüfen und bei Bedarf aufzufrischen. Für viele Destinationen sind zusätzliche Impfungen (z.B. gegen Hepatitis A) zu empfehlen. Besonders beachtet werden muss bei Kindern das Mindestalter, in welchem bestimmte Impfstoffe frühestens verabreicht werden dürfen.

Auf Reisen in Malariagebiete sollte mit Säuglingen und Kleinkindern möglichst verzichtet werden. Eine Malaria tropica bei kleinen Kindern kann zu fulminanten Krankheitsverläufen mit schweren Komplikationen führen. Eine wichtige Rolle spielt der Schutz vor Mückenstichen, da Kinder nicht nur durch eine Malaria, sondern auch durch andere mückenübertragene Krankheiten wie das Dengue-Fieber verstärkt gefährdet sind. Eine medikamentöse Malariaprophylaxe wird bei Kindern in gewichtsentsprechender Dosierung unter Beachtung von Alters- und Gewichtsuntergrenzen für die einzelnen Mittel durchgeführt.

Weitere wichtige Themen bei der reisemedizinischen Beratung von Familien mit (Klein-)Kindern sind die Nahrungs- und Trinkwasserhygiene sowie der Sonnenschutz.

Reisen in der Schwangerschaft
Eine unkomplizierte Schwangerschaft spricht prinzipiell nicht gegen eine Urlaubsreise. Die günstigste Reisezeit ist das mittlere Schwangerschaftsdrittel, da sich dann der mütterliche Organismus auf die veränderten Hormon- und Kreislaufverhältnisse eingestellt hat und das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen am geringsten ist.

Von Reisen in Malariagebiete ist wegen des hohen Gesundheitsrisikos für Mutter und Kind abzuraten. Für die Mehrzahl der Malariamittel bestehen Einschränkungen oder Kontraindikationen bei Schwangeren.

Da für die meisten Impfstoffe keine ausreichenden Erfahrungen über die Anwendung während der Schwangerschaft vorliegen, sollte eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Lebendimpfungen (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Eine Ausnahme bildet Gelbfieber-Impfung, die bei unvermeidbarem, hohem Infektionsrisiko verabreicht werden kann, wenn möglich nach dem 3. Schwangerschaftsmonat.

Das Fliegen stellt an sich keine Gefahr für Mutter und Kind dar. Frauen mit einem erhöhten Fehlgeburtsrisiko sollten aber sicherheitshalber auf Flugreisen innerhalb der ersten drei Schwangerschaftsmonate verzichten. Die meisten Fluggesellschaften befördern Einlings-Schwangere bis zur 36. Schwangerschaftswoche. Oft wird ab der 28. Woche beim Check-in ein Unbedenklichkeitszeugnis des Gynäkologen verlangt.

Wegen des erhöhten Thromboserisikos sollten Schwangere auf Langstreckenflügen Kompressionskniestrümpfe tragen. Bei zusätzlichen Risikofaktoren kann die Verordnung gerinnungshemmender Medikamente durch den Arzt sinnvoll sein.

Reisen im Alter
Für Senioren, die in die Ferne reisen möchten, ist eine frühzeitige medizinische Beratung und bei Bedarf eine ärztliche Untersuchung zu empfehlen. Die Anforderungen einer geplanten Reise sollten auf die körperliche und mentale Fitness des Reisenden abgestimmt sein. Bei bestehenden Vorerkrankungen gehört neben evtl. notwendigen Dauermedikamenten ein ärztlicher Bericht mit Diagnosen, aktuellen Befunden und Medikation, möglichst in Englisch oder jeweiliger Landessprache, ins Handgepäck.

Im fortgeschrittenen Alter ist die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten erhöht, der Krankheitsverlauf oft ernster als in jüngeren Jahren. Bei einer geplanten Reise sollte daher der Standard-Impfschutz zu überprüft und ggf. aufgefrischt werden. Hierzu gehört bei Menschen ab 60 Jahren auch eine Impfung gegen Influenza und Pneumokokken. Eine erstmalige Gelbfieber-Impfung kann im Alter über 60 Jahren in seltenen Fällen zu schwerwiegenden Komplikationen führen, über die der Reisende vorher aufgeklärt werden muss.

Bei der Auswahl der Malaria-Medikation sind bestehende Kontraindikationen in Bezug auf Vorerkrankungen und Wechselwirkungen mit anderen eingenommenen Medikamenten zu berücksichtigen. So sind beispielsweise für Reisende mit psychiatrischen oder Herzerkrankungen einige Mittel nicht geeignet.

Last but not least sollte vor allem bei der Beratung älterer Menschen der Hinweis auf eine Reisekrankenversicherung mit Rücktransport-Möglichkeit nicht fehlen.