Insight Lecture 1: Als Expeditionsarzt am Aconcagua
Dr. med. Peter Stein
 
Der Aconcagua ist nicht nur der höchste Berg Nord- und Südamerikas, sondern auch der westlichen und südlichen Hemisphäre. Mit seinen 6962m gehört er nur knapp nicht zu den 7000ern dieser Erde. Als zweit höchster Vertreter der Seven Summits stellt er ein beliebtes Reiseziel für Bergsteiger aus aller Welt dar. Dabei stehen deutsche Bergsteiger hinter den Amerikanern bereits auf Platz zwei der am häufigsten anzutreffenden Nationen. Während seine Besteigung über die Normalroute größtenteils als technisch eher einfach gilt, stellt die extreme Höhe und das raue und wechselhafte Klima höchste Anforderungen an Körper und Psyche.

Die Arbeitsgruppe für Expeditionsmedizin des Universitätsklinikums Frankfurt hat im November letzten Jahres eine wissenschaftliche Studie am Aconcagua durchgeführt. Im Focus der Untersuchungen stand der potentielle Nutzen einer intravenösen Eisengabe am Berg und der Stellenwert von non-invasiver Messung verschiedener hämodynamischer Parameter. Die Probanden dieser Studie standen unter konstanter medizinischer Beobachtung durch die Studienärzte, sowie die Ärzte im Basislager vor Ort. Bis in das zweite Höhenlager auf 5500 m hatten wir beste Bedingungen für einen Aufstieg. Dann jedoch zog ein Schneesturm auf, der uns zu einem 3-tägigen Biwak in dieser Höhe zwang. Während die Mehrzahl der Expeditionsteilnehmer irgendwann im Verlauf der Tour über ein oder mehrere Symptome der Höhenkrankheit klagten, blieben uns die gefürchteten Komplikationen (Hirn- und Lungenödem) glücklicherweise erspart, sodass alle Teilnehmer sicher wieder nach Mendoza/Argentinien, dem Ausgangsort der Expeditionen, zurückgekehrt sind.