Reisen in die Berge - Reisearten und Risiken
Prof. Dr. med. Robert Steffen
 
Gesundheitsprobleme, speziell Unfälle, können schon in Ausflugsbergen in unseren deutschsprachigen Ländern auftreten, entsprechend empfehlen die zuständigen Experten prophylaktische Maßnahmen. Aufenthalte in mittleren Höhen (1500 bis 2500 m) können selten zu Symptomen der akuten Bergkrankheit (ABK) führen, vor allem zu Schlafstörungen und Kopfschmerzen. In sehr großen Höhen (3500 bis 5800 m), wie sie beim Trekking in Nepal oder auch in den Anden oft vorkommen, resultiert eine deutliche Verminderung des Sauerstoffgehalts im Blut, die ABK ist in all ihren Formen häufig. In extremen Höhen (über 5800 m) ist die Sauerstoffversorgung schwer beeinträchtigt, ein längeres Überleben ist auch bei optimaler Akklimatisation nicht möglich, schwere ABK tritt häufig auf, dies mit hoher Letalität. Unter den 15.000 Touristen, die jährlich den Kilimandscharo besteigen wollen, erreichen nur 40% den Uhuru Peak (5895 m), und etwa 10 bezahlen den Versuch mit dem Leben. Im Frühjahr 2012 versuchten 325 Ausländer, begleitet von 358 Sherpas den Everest zu erklimmen, davon waren 55, respektive 62% erfolgreich, aber es waren auch 10 Todesfälle zu beklagen.

Reisemediziner werden fast ausschließlich konsultiert, wenn es um respektable Höhen an exotischen Destinationen geht. Idealerweise sollte man die Schlafhöhe über 2500 m nicht um mehr als 300 bis 500 m täglich steigern und alle 4 Tage einen Rasttag einschalten. Meistens fehlt dazu die Zeit. Dann kann eine medikamentöse Prophylaxe erwogen werden, erste Wahl ist dabei weiterhin das Sulfonamid Azetazolamid in einer Dosierung von 125 mg alle 12 Stunden. In höheren Dosen muss man vor allem mit einer höheren Rate von Nebenwirkungen rechnen. Speziell bei Unverträglichkeit kann stattdessen Dexamethason 4 mg alle 12 Stunden empfohlen werden. Gingko hingegen hat sich als unwirksam zur Prophylaxe der ABK erwiesen. Wesentlich ist die Erkenntnis, dass die Höhentoleranz individuell sehr unterschiedlich ist, und dass diese durch sportliches Training nicht optimiert werden kann. Für Personen, die besonders zu ABK neigen (z.B. einzelne Bergführer) kann präventiv auch Nifedipin, 20 mg alle 8 Stunden, in Betracht gezogen werden. Falls milde ABK auftritt, verringern Aspirin oder auch Azetazolamid die Beschwerden; in schweren Fällen empfiehlt sich möglichst ein Rasttag oder temporärer Abstieg, bei Anzeichen von Komplikationen, wie Lungen- oder Hirnödem (Bewusstseinsstörungen) ist ein Abstieg unumgänglich. Sauerstoff, Dexamethason, Nifedipin, eventuell auch Sildenafil wirken ebenfalls günstig, dies allenfalls in Kombination. Nur selten wird ein Überdrucksack verfügbar sein.

Abgesehen von der ABK müssen aber Reisemediziner auch das Klima und das Risiko von Infektionen bedenken, speziell der Reisediarrhöe oder von respiratorischen Infekten, zumal in großen Höhen eine leichte Immunsuppression beschrieben wird. Auch die Malariarisiken vor dem Aufstieg sind nicht zu vernachlässigen. Allenfalls gelten für Personen mit vorbestehenden Krankheiten ganz spezielle Empfehlungen.