Reiseapotheke: Besonderheiten bei Bergreisen
Univ. Prof. Dr. med. Franz Berghold
 
Die großen und faszinierenden Hochgebirge der Erde kennzeichnet - mit Ausnahme der Alpen - eine nahezu völlig fehlende medizinische Infrastruktur. Man ist als Bergreisender bei Verletzungen oder Erkrankungen also weitestgehend auf sich selbst angewiesen. Auf eine qualifizierte Hilfe wird man in Asien, Afrika oder Südamerika im Notfall vergeblich warten. Quantität und Qualität der medizinischen Ausrüstung müssen also den jeweiligen Bedingungen und Gegebenheiten angepasst werden. Eine Bergreiseapotheke "von der Stange" gibt es jedenfalls nicht. Jede Region, jede Reisegruppenzusammensetzung erfordern individuelle Konzeptionen.

Wir beginnen mit den Alpen: Vorgestellt wird hier eine Rucksackapotheke für den bergsteigenden Arzt, der als Ersthelfer immerhin mit einer raschen und hocheffizienten Evakuierung (Notarzthubschrauber, Bergrettung) in ein nirgendwo mehr als nur wenige Flugminuten entferntes modernes Krankenhaus rechnen kann.

Ganz anders gestalten sich die Anforderungen bei Unternehmungen auf nicht-europäischen Terrain, also in den Hochgebirgen der Erde (Höhentrekking. Höhenbergsteigen): Diese besondere Herausforderung bei Hilfeleistungen ohne Notarzthubschrauber und ohne Krankenhaus bedeutet grundsätzlich weit über eine Erste-Hilfe-Leistung hinausgehende Aktionen.

Ein spezieller Abschnitt ist den Medikamenten zur Vorbeugung und Therapie der Höhenkrankheit gewidmet. Aber auch andere höhentypische Gesundheitsstörungen erfordern Beachtung: Schlafstörungen, Strahlenschäden usw. Schließlich werden noch einige praktische Problembereiche besprochen, wie sie sozusagen als Fallstricke am Rand des Höhenwegs von Ärzten lauern: Die Betreuung der einheimischen Bevölkerung durch reisende Ärzte, die Frage nach den eigenen Gipfelambitionen oder die Kostendeckung kurativer Einzelleistungen.

Der Autor schöpft aus Erfahrungen, Erinnerungen und Beobachtungen von vier Jahrzehnten als Trekking- und Expeditionsarzt. Die Quintessenz: Einmal Arzt, immer Arzt. Aber auch wenn das Goldene Zeitalter der bergsteigerischen Fernreisen vorbei zu sein scheint, ist die Kombination "Arzt & Bergsteiger" auch heute noch immer höchst faszinierend.