Die Haut am Meer
Prof. Dr. med. S.W. Wassilew
 
Licht, Luft und Salzwasser in einem Urlaub am Meer sind nach wie vor für viele Menschen der Inbegriff einer Erholung. Diese Klimafaktoren verbessern nicht nur das Allgemeinbefinden sondern können auch therapeutische Effekte auf Hauterkrankungen haben, wie Psoriasis oder Neurodermitis, wenn sie richtig dosiert werden.

Dieselben Klimafaktoren, UV-Strahlung und Wasserkontakte, provozieren aber auch oder verschlimmern Hauterkrankungen. Zusätzlich können Erreger im oder am Meer Hautkrankheiten verursachen. Daraus ergeben sich für den Urlauber am Meer Konsequenzen zur Prophylaxe von Hautschäden:
  1. kontinuierlicher Schutz vor UV-Strahlung.
  2. konsequente Hautpflege.
  3. Schutz vor Erregern im oder am Meer.
Die UVB-Strahlung (Wellenlänge 290-220 nm) im Sonnenlicht ist häufig aber nicht nur für Hautschäden verantwortlich, auch wenn sie weniger als 5 % der Sonnenstrahlung ausmacht. UVA-Strahlung (Wellenlänge 320-400 nm) bewirkt Hautalterung und kann Lichtdermatosen provozieren. Beide sind an der Entstehung von Hautkrebs beteiligt. Es gibt aktuelle Hinweise, dass auch „nicht wärmende“ Infrarotstrahlung (IRA, 760-1400 nm) chronische Hautschäden (mit)verursacht.

Ein vernünftiger Umgang mit der Sonnen-Strahlung ist daher unumgänglich, insbesondere für Menschen, die aus eigener Erfahrung wissen, dass ihre Haut besonders empfindlich ist. Das ABC des UV-Schutzes ist: Ausweichen Bekleiden Cremen.

A
In der Zeit des höchsten Sonnenstands sollte UV-Exposition minimiert, besser gemieden werden. Aufenthalt im Schatten schützt weniger.
B
Der UV-Schutz von Textilien wird heute nach dem UV-Standard 801 bestimmt. Besonders Kinder können so durch gekennzeichnete Textilien geschützt werden. Einen orientierenden Hinweis für die Schutzwirkung bietet ein Halten des Kleidungsstücks gegen die Sonne. Je geringer die Durchlässigkeit für sichtbare Strahlen, desto höher ist auch der zu erwartenden UV- Schutz.
C
Die Schutzwirkung eines Lichtschutzmittels wird als Lichtschutzfaktor (LSF) angegeben. Lichtschutzfaktoren, exakter UV-Schutzfaktoren, sind standardisierte Mittelwerte. Man unterscheidet die folgenden Produktkategorien: Sehr hoher Schutz LSF 50+, mindestens jedoch 60. Hoher Schutz LSF 30-50. Mittlerer Schutz LSF 15-25. Basisschutz LSF 6-10.

Der Schutz gegen UVB-Strahlung mit einer Reduktion von Sonnenbränden und epithelialen Krebsvorstufen ist gut belegt, eine Schutzwirkung gegen UVA-Strahlung ist geringer. Die unter standardisierten Bedingungen ermittelten Schutzfaktoren sind nicht in die Wirklichkeit am Meer übertragbar! Die individuelle Schutzwirkung beträgt nur 50-60 % der angegebenen Werte. Die bisher verfügbaren Schutzmitteln schützen nicht vor IRA-Strahlung. Die Bezeichnung Licht- oder Sonnenschutzmittel ist damit letztlich irreführend, da die Hautmittel nur vor einem Teil des Sonnenlichtes schützen. Die Schutzwirkung nimmt nach dem Auftragen kontinuierlich ab. Lichtschutzmittel müssen daher mehrmals aufgetragen werden.

Eine Exazerbation von Hautkrankheiten wie Herpes simplex rezidivans, Polymorphe Lichtdermatosen, Rosazea und anderen ist mit Lichtschutzmittel nicht zu verhindern. Verhalten und richtige Kleidung sind wirksamer. In Ausnahmefällen muss von Reisen in Regionen mit starker UV-Strahlung dringend abgeraten werden.

UV-Strahlung, Infrarotstrahlung und konsekutives Schwitzen führt zu häufigen Wasserkontakten durch Baden oder Duschen und bewirkt eine starke Hautaustrocknung bis hin zu einer stark juckende Exsiccationdermatitis. Dies wird verstärkt durch meist zu großzügige Anwendung flüssiger Seifen. Nach Sonneneinwirkung und häufigem Wasserkontakt sollte daher eine Regeneration der Hautlipide mit Hautpflegemitteln erfolgen.

Der Aufenthalt im oder am Meer kann auch zu Erkrankungen führen, die von der UV- Strahlung unabhängig sind mit lokalem oder generalisierten Juckreiz, zum Beispiel eine Larven- oder Quallen-Dermatitis oder die Larva migrans cutanea. Sie können durch einfache Vorsichtsmaßnahmen verhindert werden, durch Beachtung der Badeordnung, Tragen von Badeschuhen, Meidung unbekannter Gewässer und in Ausnahmefällen das Tragen von Neoprenanzügen.

Zusammenfassung:
  • Haut am Meer muss besonders geschützt werden. Der wichtigste Hautschutz am Meer ist der richtige Umgang mit Sonnenstrahlung.
  • Verhalten und Kleidung schützen besser als Lichtschutzmittel.
  • Lichtschutz-Fraktoren (LSF) sind standardisierte Mittelwerte. Die individuelle UVBSchutzwirkung beträgt nur 50-60 % der angegebenen LSF.
  • Eine Schutzwirkung gegen UVA-Strahlung ist noch geringer. Die bisher verfügbaren Schutzmittel schützen nicht vor IRA-Strahlung (760-1400 nm). Die Bezeichnung Lichtoder Sonnenschutzmittel ist damit letztlich irreführend, da die Hautmittel nur vor einem Teil des Sonnenlichtes schützen
  • Schonende Reinigung und Pflege der Haut unterstützt die Schutzmaßnahmen.
  • Unbekannte Gewässer sollten gemieden werden.