Seeleutegesundheit auf Kreuzfahrtschiffen
Dr. med. Clara Schlaich
 
Der Arbeitsplatz „Schiff“ ist besonders und kaum vergleichbar mit einer Tätigkeit an Land. Charakteristisch ist die oft monatelange Verbindung von Freizeit- und Arbeitsort bei gleichzeitiger Trennung von Heimat und Familie.

Die arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken von Seeleuten sind für die weltweite Frachtschifffahrt gut beschrieben (Oldenburg J OCCUP HEALTH 2010). Dagegen gibt es kaum systematische Untersuchungen über die Gesundheit von Seeleuten auf Kreuzfahrtschiffen.

Es lässt sich aber annehmen, dass gewisse typische Gefährdung in der Schifffahrt auch Seeleute auf Kreuzfahrtschiffen betreffen: Unfälle z.B. durch rutschige Oberflächen auf wankendem Grund, physikalische Belastungen wie Lärm im Maschinenraum, Kohlenmonoxidbelastungen durch Dieselmotoren, Schiffsunglücke mit Todesfolgen oder schweren Verletzungen durch heftige Stürme, Kollisionen, Brände oder menschliches Versagen. Der Schichtdienst, die langen Arbeitszeiten und die hohe Verantwortung beim nautischen Personal können zu psychischer Erschöpfung führen.

Hinzu kommen die vielfältigen Tätigkeitsbereiche auf einem Kreuzfahrtschiff: Die Großküchen, Housekeeping, Kindergärten, Wellness,- und Medizinbereich, Abfallbeseitigung, wie auch die typischen nautischen Tätigkeitend im Maschinenraum und an Deck. Zwar haben die Seeleute auf Kreuzfahrtschiffen durch den Schiffsarzt jederzeit Zugang zur ärztlichen Notfall- und Hausärztlicher Versorgung an Bord, fast ausnahmslos fehlt jedoch auf den Schiffen eine betriebsärztliche Betreuung sowohl im Hinblick auf die tätigkeitsbezogenen Vorsorgeunter-suchungen, Gefährdungsanalysen oder auch Präventionsprogramme.

Multinationale Besatzungen sind in der Seeschifffahrt inzwischen die Normalität, die damit verbunden Probleme in der Kommunikation auf Frachtschiffen sind gut beschrieben (Jensen 2009, Psychologie der Schifffahrt). Diese werden an Bord von Kreuzfahrtschiffen noch verschärft durch das ausdifferenzierte soziale Gefüge mit unterschiedlichen Vertragsbedingungen und Gehältern und Zugang zu Freizeitaktivitäten. Auch die Situation von Frauen, deren Anteil auf Kreuzfahrtschiffen viel höher ist als auf Frachtschiffen (darunter auch Mütter von Kleinkindern), stellt besondere Herausforderungen an die Führungskompetenzen.

Alle Seeleute, dazu gehören z.B. auch die Beschäftigten im Entertainment, müssen sich vor dem Anheuern einer flaggenstaatlich geregelten gesundheitlichen Eignungsuntersuchung durch besonders ermächtigte Ärzte unterziehen. Diese unterscheidet nicht zwischen Schiffstypen. Viele Kreuzfahrtreedereien fordern deshalb von ihren Bewerbern noch vor Vertragsschluss einen erweiterten Katalog, insbesondere auch an Laboruntersuchungen ab. Meist müssen diese von den Bewerbern selbst bezahlt werden. Hierbei geht es nicht nur um die gesundheitliche Eignung zum Schutz der Betroffenen, sondern auch um eine mögliche Gefährdung von Passagieren und versicherungsrechtliche Aspekte. In einer Befragung von Kreuzfahrtreederein (Dahl Int Marit Health 2011) zur HIV Testung zeigte sich, dass von 24 Reedereien (155 Schiffe) 13 einen HIV Test als Voraussetzung zur Einstellung fordern. Bei 5 Reedereien würde ein positives Testergebnis dazu führen, dass das Vertragsangebot zurückgezogen wird.