Dengue: aktuelle Situation
Prof. Dr. Matthias Niedrig
 
Nach Schätzung der WHO beträgt die Zahl der Neuerkrankungen verursacht durch Dengue- Infektionen weltweit jährlich ungefähr 50 Millionen. Mittlerweile kommt es in allen tropischen und subtropischen Gebieten zu mehr oder weniger regelmäßigen Ausbrüchen, wobei ein Schwerpunkt nach wie vor im südostasiatischen Raum liegt. Allerdings werden auch zunehmend Ausbrüche in der Karibik, Mittelamerika und Afrika beobachtet, wodurch weitere touristisch frequentierte Gebiete betroffen sind.

Diese weltweite Zunahme von Dengue-Ausbrüchen spiegelt sich nicht in den gemeldeten Fallzahlen der durch Reiserückkehrer nach Deutschland importierten Dengue-Fälle wieder. Abgesehen von 2010 mit 595 gemeldeten Dengue-Fällen beliefen sich die Zahlen zwischen 2007 und 2011 meist unterhalb von 300 Fällen (2007:264; 2008:267; 2009: 298; 2010:595; 2011: 285), was auf eine nicht unerhebliche Dunkelziffer schließen lässt. Im Vergleich dazu haben sich die Zahlen der durch Reiserückkehrer importierten Malaria-Fälle im Zeitraum 2001 bis 2011 von jährlich 335 auf unter 200 Fälle verringert.

Auch wenn es nach wie vor keine spezifische Behandlungsmethode für die schwereren Verlaufformen der Dengue-Infektion, das Dengue hämorragische Fieber und das selten auftretende Dengue Schock Syndrom gibt, hat sich Situation bzgl. der diagnostischen Teste mit dem Nachweis von spezifischen Dengue NS-1 Protein und dem Nachweis des Erregergenoms mittels PCR deutlich verbessert. Dies ist umso wichtiger, da die häufig verwendeten Schnellteste leider nicht die erforderliche Sensitivität und Spezifität zeigen. Gerade auch für die differenzialdiagnostische Abgrenzung zu anderen Tropenerkrankungen ist eine gesicherte Diagnose von großer Bedeutung.

Die derzeit laufenden klinischen Studien für einen neuen chimären Dengue-Impfstoff, basierend auf dem attenuierten Gelbfieberimpfstamm, werden in einigen Jahren klare Aussagen über einen möglichen effizienten Impfschutz vor einer Dengue-Erkrankung zeigen. Diese Studien stellen derzeit den aussichtsreichsten Ansatz für eine erfolgversprechende Eindämmung der weltweiten Bedrohung durch Dengue dar.