Virenalarm an Bord?
Überwachung der Schiffshygiene und der medizinischen Versorgung an Bord durch den Hafenärztlichen Dienst
Henning Leu
 
Ansteckende Erkrankungen an Bord von Kreuzfahrtschiffen sind gefürchtet. Sie können den Schiffsbetrieb empfindlich beeinträchtigen, kratzen am Image des unbeschwerten Reisens der Branche und können im ungünstigsten Fall zu Klagen unzufriedener Passagiere führen. Ob es nun die häufig auftretenden Durchfallerkrankungen, Grippeepidemien, Masern, Tuberkulose oder auch Windpocken sind, Infektionskrankheiten finden an Bord von Kreuzfahrtschiffen „ideale“ Bedingungen für eine Übertragung vor: Die große Zahl an Menschen auf engem Raum, das Zusammenkommen von Menschen aus vielen Länder, die Landgänge, aber auch die Essens- und Trinkwasserzubereitung an Bord stellen Risikofaktoren für die Übertragung von Krankheiten an Bord dar (Mouchtouri 2010 International Maritime Health).

Die Kreuzfahrtindustrie hat darauf mit strengen Hygieneauflagen, Notfallplänen, Aufklärung von Passagieren und Crew, und rigorosen Qualitätssicherungsprogrammen im Bereich der Hygiene reagiert. Zusätzlich überwachen die staatlichen Stellen, in Deutschland sind dies die Hafenärztlichen Dienste, regelmäßig die Einhaltung der Hygiene an Bord und in den Häfen. Für die Hafenärztlichen Dienste in Deutschland steht dabei der Schutz der Passagiere und Crew an Bord der Kreuzfahrtschiffe im Fokus: Trinkwasser, Badegewässer,- Küchen- oder Hospitalhygiene werden nach nationalen und internationalen Standards überwacht. Darüber hinaus werden Schwerpunkte in der Überwachung gesetzt, in Hamburg wird zum Beispiel in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf die Sicherheit der Medizingeräte, also zum Beispiel das Beatmungsgerät oder das Ultraschallgerät, gelegt.

Wer aber legt fest, welche Regeln der Hygiene an Bord beachtet werden sollen und wer überprüft diese? Weltweit verbindlich sind die Internationalen Gesundheitsvorschriften der Welt Gesundheits Organisation (WHO). Diese legen fest, dass alle Schiffe im internationalen Verkehr eine amtliche Schiffshygienebescheinigung mit sich führen und diese alle sechs Monate erneuern müssen. Auch Kreuzfahrtschiffe im internationalen Reiseverkehr unterliegen uneingeschränkt den oben beschriebenen Bestimmungen der WHO, zusätzlich sind in den letzten Jahren spezielle, auf die Bedarfe der Kreuzfahrtindustrie zugeschnittene Programme entstanden.

Die beiden einflussreichsten Programme sind das U.S. amerikanische „ Vessel Sanitation Program“ und das EU Projekt „ShipSan TrainNet“.

Doch auch bei bestem technischen und organisatorischen Hygienestandard sind größere und kleinere Epidemien von Infektionskrankheiten an Bord unvermeidbar, da der Faktor „Mensch“ und insbesondere die Abwehrkräfte und das Verhalten der Gäste nicht kontrollierbar sind.