Reisen rund ums Meer – Reisearten und Risiken
PD Dr. med. Tomas Jelinek
 
Urlaub am und auf dem Meer bleibt das mit Abstand größte Segment der Urlaubsreisen. Keine Sparte der Reiseindustrie verzeichnet so große Zuwächse wie die Kreuzfahrten. Häufig werden gesundheitliche Vorsorgemaßnahmen bei Urlaubsreisen ans Meer ignoriert, insbesondere bei Hotel-/Cluburlauben oder Kreuzfahrten.

Zu den gefürchteten Gesundheitsproblemen bei Kreuzfahrten gehören vor allem Durchfallund Grippeausbrüche. So machten in den vergangenen Jahren immer wieder Norovirusinfektionen auf Kreuzfahrtschiffen Schlagzeilen – mitunter waren über 80 Prozent der Passagiere betroffen. Wegen des erhöhten Ansteckungsrisikos auf Kreuzfahrtschiffen sollten Reisende vor Antritt einer Reise immer ihren Impfstatus prüfen und Impfungen auffrischen oder nachholen lassen – beispielsweise den Immunschutz gegen Masern oder Hepatitis A. Insbesondere für chronisch Kranke und ältere Reisende können Infektionserkrankungen sehr gefährlich werden. Auf kleinen, einfacher ausgestatteten Kreuzfahrtschiffen – etwa bei Nilkreuzfahrten – haben Passagiere hingegen eher mit dem „klassischen“, durch keimbelastete Speisen und Getränke verursachten Reisedurchfall zu kämpfen.

Beim Urlaub am Meer spielen Wassersportarten häufig eine Rolle, hierzu gehört auch das Tauchen. Kein seriöser Veranstalter wird einen Tauchkurs ohne vorherige Tauchtauglichkeitsuntersuchung des Reisenden durchführen. Das Wissen um Gesundheitsrisiken unter Wasser ist der zentrale Ansatz zur erfolgreichen Prävention.

Spezifische Prophylaxemaßnahme Auch vor einem Urlaub am Meer sollte der Impfschutz komplettiert werden. Grundimpfungen:
  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Pertussis
  • Poliomyelitis
  • Masern
Bei Auslandsaufenthalt meist sinnvolle Reiseimpfungen:
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Typhus
  • Influenza
Je nach Reiseziel und -art:
  • Gelbfieber
  • Meningokokken-Meningitis
  • Japanische Enzephalitis
  • Tollwut
  • Pneumokokken
  • FSME
Gegebenenfalls sind auch Impfungen gegen Varizellen, Herpes zoster und HPV zu empfehlen.

Malariaprophylaxe
Die Beachtung von Gesundheitsschutzmaßnahmen, insbesondere von Mückenschutz und Malariavorbeugung mit Medikamenten, sind bei Reisen ans Meer oft unzureichend. Reisende benötigen vor ihren Einsätzen eine individuelle ärztliche Beratung, bei der das zu erwartende Risiko beurteilt und eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen wird. Auch bei kurzfristigen Aufenthalten in Malariagebieten, z.B. in Clubhotels an den Küsten Afrikas, sollten grundsätzlich Schutzmassnahmen gegen Malaria getroffen werden. Bei hohem Malariarisiko ist eine Chemoprophylaxe insbesondere während der Regenzeit oder bei Reisen mit eingeschränktem Moskitoschutz wichtig. Bei dieser Empfehlung ist die zu erwartende Schutzwirkung gegenüber den möglichen unerwünschten Nebenwirkungen des Medikamentes abzuwägen.