Update Malariaprophylaxe
DDr. Martin Haditsch
 
Nicht nur hinsichtlich der nach Deutschland importierten Malariafälle, sondern auch weltweit ist die Malaria im Sinken begriffen. Die genauen Ursachen dafür sind nicht klar, wohl aber dürfte neben dem spekulativen Einfluss der Klimaänderung („global climate change“) auch eine Verbesserung der Situation in Hochendemiegebieten daran ursächlich beteiligt sein: neben der zunehmenden Verwendung von Moskitonetzen (geringere Neuinfektionsrate) scheint sich vor allem auch eine ehestmögliche hochwertige Behandlung von Malariapatienten, somit eine Elimination infizierter Menschen als Infektionsquellen für Moskitos, also eine frühzeitige Unterbrechung des Infektionszyklus positiv auszuwirken.

Nicht geändert hat sich allerdings die Empfehlung, in Hochrisikogebieten (das sind derzeit vereinbarungsgemäß Regionen mit einer Inzidenz von >1:100 / Monat Aufenthalt) neben der stets sinnvollen Methode der Expositionsprophylaxe (= Mückenschutz) eine wirksame Chemoprophylaxe (= regelmäßige Einnahme von Malaria-Medikamenten) durchzuführen.

In Regionen mit mittlerem bis niedrigem Risiko hängt das Vorgehen von verschiedensten Faktoren ab. Hier sollten Aspekte wie Umsetzbarkeit allgemeiner Empfehlungen, Reiseroute und -region, Unterkunft, Dauer, Zugang zu adäquater medizinischer Versorgung wie auch Saison und zugrunde liegende (und eventuell Komplikationen fördernde) Krankheiten mitberücksichtigt werden.

Dank unterschiedlicher Initiativen scheint die Terminologie nunmehr etwas sauberer zu werden. Besonders hervorzuheben sind hier folgende Aspekte:
  1. Die derzeit als Malariaprophylaxe bezeichnete Vorgehensweise stellt auf Grund der verwendeten Präparate eigentlich eine Pl. falciparum-Prophylaxe dar (die Präparate verhindern zwar den Krankheitsausbruch, nicht aber die Absiedelung sog. Hypnozoiten = Schlaf- Formen der Malaria tertiana in den Leberzellen).
  2. In Zusammenhang mit Malariaprophylaxe bekommen Maßnahmen der Expositionsprophylaxe einen zunehmend höheren Stellenwert und das unabhängig von der Tageszeit (auch wenn Anopheles nur in der Dämmerung und der Nacht beißt) – man wird sich der Verantwortung auch hinsichtlich anderer Vektor-übertragbarer Erkrankungen (wie vor allem des Dengue-Fiebers) zunehmend bewusst.
  3. Die Dynamik der Malaria-Entwicklung schlägt sich auf Grund moderner Kommunikationstechnik und der Notwendigkeit zeitnaher Updates auch in nationalen Empfehlungen nieder. So wird zunehmend korrekterweise zwischen der Inzidenzrate (mit Einfluss auf die Frage „Chemoprophylaxe JA/NEIN“) und dem Resistenzverhalten (mit Einfluss auf die Präparatewahl) unterschieden.
  4. Erfreulicherweise wird der undifferenzierte und verharmlosende Begriff „stand-by“ zunehmend durch Begriffe wie „Notfall-Selbsttherapie“ oder „Notfall-Selbstmedikation (NSM)“ verdrängt. Dies führt nicht nur zu einer anderen Wahrnehmung und besseren Bewusstseinsbildung beim Reisenden, sondern weist auch nachdrücklich auf den erhöhten Beratungsaufwand durch den betreuenden Arzt hin.
Während sich im Spektrum der Prophylaxemedikamente nichts Wesentliches getan hat (Primaquin ist in dieser Indikation nach wie vor nicht erhältlich; Einzelheiten wie Fragen der Gewichtsadaptierung oder neue Erkenntnisse zu manchen Präparaten werden im Vortrag abgehandelt) zeichnet sich im Bereich der Therapie eine erfreuliche neue Entwicklung ab: im Einklang mit der Therapieempfehlung der WHO, Artemisinin-Kombinationsprodukte zur Behandlung der Malaria (tropica) zu verwenden wird in nächster Zukunft mit eurartesim (Dihydroartemisin/Piperaquin) ein weiteres, gut verträgliches, hochwirksames und einfach handzuhabendes Mittel in Deutschland zur Verfügung stehen. Dies stellt nicht nur für die Behandlung von Malaria-Patienten in Deutschland, sondern auch als Alternative für die NSM eine wertvolle Option dar.