Satellitensymposium
Welchen Impfschutz geben Sie Ihren Patienten mit auf die Insel?
Meeresfrüchte – Genuss pur, Hepatitisschutz?
Prof. Dr. med. Ralf Bialek
 
Seit Anfang der 1990iger Jahre stehen Totimpfstoffe zur aktiven Immunisierung gegen die Hepatitis A zur Verfügung. Diese fäkal-oral übertragene Picornavirusinfektion wird erworben auf Reisen in Gebiete mit geringerem Hygienestandard und/oder weniger reglementierten Umgang mit Abwasser als in Deutschland üblich. So können Muscheln, die auch Abwässer zur Nährstoffgewinnung filtern „müssen“, Hepatitis A Viren anreichern. Während die akute Virushepatitis A bei Kindern unter sechs Jahren weitgehend asymptomatisch verläuft, weisen Erkrankte jenseits des 40. Lebensjahres eine Letalität von 2 % auf. Impfstoffe beinhalten formalininaktivierte, in Zellkulturen gewachsene Hepatitis A-Viren, die entweder an Aluminiumhydroxid oder Virosomen (HAVpur®) gekoppelt sind, um eine wirksame Immunogenität zu erzielen. Für HAVpur® konnte gezeigt werden, dass bei fast allen erstmalig Geimpften innerhalb von 14 Tagen ein Schutz vor der Erkrankung erreicht wird. Bei einer Inkubationszeit von 15 bis 50 Tagen, kann der Reisende selbst bei Impfung am Tag der Abreise noch gegen eine Hepatitis A geschützt werden – entsprechend sind Immunglobulingaben auch für gesunde Lastminute- reisende als obsolet anzusehen. Durch eine zweite Impfung entsprechend den von den Herstellern empfohlenen Impfschemata kann ein über lange Zeit andauernder, möglicherweise sogar lebenslanger Schutz, mit allen ab dem 2. Lebensjahr zugelassenen Impfstoffen erwartet werden. Laut Studiendaten ist eine Boosterung auch dann möglich, wenn der Impfstoff gewechselt wird. Aufgrund der guten Verträglichkeit, einem sicheren Schutz vor Erkrankung von > 95% und fehlender kausaler Therapie der Erkrankung ist die aktive Immunisierung gegen Hepatitis A die Reiseimpfung schlechthin, nicht zuletzt um auch Meeresfrüchte genießen zu können.