Südostasien - spezielle Infektionsrisiken
Dr. med. Gunther von Laer
Auswärtiges Amt – Gesundheitsdienst New Delhi
 
Wie gern pflegt man das reisemedizinische Vorurteil, das besagt: in S/O-Asien ist ja nichts besonderes los! Wenig Malaria; und die Tropenkrankheiten erreichen dort den Touristen kaum. Und eigene, nur dort vorkommende Erkrankungen: ist da irgendetwas relevant?

Das Vorurteil ist so bequem wie eingängig und plausibel, aber eben auch falsch. S/O-Asien ist reisemedizinisch eine eigene Region mit besonderen Charakteristika, die zunehmend wichtig werden, auch weil sich die Touristen- und Businessströme vermehrt in diese Länder orientieren. Zwar tritt etwa die Malaria als Risiko für Reisende deutlich zurück gegenüber vielen anderen Gegenden der Welt. Andere Felder aber sehen wir Reisemediziner schon als besonders wichtig an, wie etwa die Tollwut, das Dengue, der gemeine Durchfall, die (iv-) Drogen und darüber dann die iv-Infektionen (HIV etc.), der Risikosport an entlegenen Stellen mit entsprechenden Wundinfektionen, und die Geschlechtskrankheiten durch sex workers: sie alle spielen zunehmend eine Rolle. Diese Reiserisiken schlagen (noch) nicht als hohe Todesraten in der Statistik durch, aber das ist nur eine Frage der Betrachtung und der Zeit: Designerdrogen probiert man in Asien immer noch lieber als zu Hause, obwohl vor Ort zusätzlich zum Infektionsrisiko darauf die Todesstrafe steht, und gel. auch an Touristen vollzogen wird.

Dazu kommt die große Zahl der Touristen und Geschäftsreisenden. Letztere entgehen ja in der Regel unserer reisemedizinischen Beratung ganz, wenn sie nicht an einem eigenen betrieblichen arbeitsmedizinischen Dienst angebunden sind. Niemand ist mit einer Beratung flächendeckend für ganz Indonesien oder Australien gut bedient. Denn diese Länder sind quasi ganze Kontinente, in denen sich häufig Nullrisiko und Extremrisiko auf kürzestem Raum benachbart finden. Ein bisschen differenzierter sollte es also schon sein, wobei die Qualität der Informationquellen sehr unterschiedlich ist.

Allerdings gibt es in S/O-Asien auch einzelne, exklusive Infektions-Risiken. Aber Infektionen mit Angyostrongylus cantonensis oder Brugia malayi sind sehr selten in der Reisemedizin ("Kolibris"). Vielmehr kümmern sich die Tropeninstitute und gel. auch einmal eine infektiolo-gische Abteilung um diese Exoten. Denn deren Vermeidung ist mit den allgemeinen Hygiene- und Trinkwasserempfehlungen abgedeckt: irgendwann ist der Reisende dann auch "selber schuld", wenn er nun unbedingt rohen Fisch essen oder in Urwaldsümpfen waten muss.

Es ist vielmehr die Gewichtung mancher pandemisch oder transkontinental vorkommender Erkrankung, die die großen Unterschiede von S/O-Asien zu anderen Weltregionen ausmacht. Wenn wir an Dengue oder - noch wichtiger - an die Tollwut denken, sind das die Schwerpunkte, die es in jedem Gespräch gilt zu thematisieren, soweit möglich zu impfen und/oder zu vermeiden. Im Vortrag werden die Infektions-Risiken in S/O-Asien herausgearbeitet, aber auch die "Kolibris" angesprochen.