Die Andenstaaten - spezielle Infektionsrisiken
Dr. med. Jörg Sasse
Auswärtiges Amt - Gesundheitsdienst, Berlin
 
Machu Picchu - das dürfte zu recht der erste Gedanke im Zusammenhang mit den Anden sein, der uns in den Sinn kommt.

Aus infektiologischer Sicht gibt es daneben eine Fülle von spezifischen Krankheitsbildern, die mit den Andenstaaten verknüpft sind, da sie vorwiegend oder sogar nur dort zu finden sind. Sowohl die zunehmende Beliebtheit als Reiseziel als auch Migration aus den Andenstaaten rückt diese vermeintlich exotischen Infektionen somit auch in die Nähe relevanter Differentialdiagnosen bei entsprechender Reiseanamnese in Deutschland. Das Spektrum relevanter Bakterien, Viren, Pilze oder Protozoen mit jeweils unterschiedlichen Vektoren ist dabei durchaus beträchtlich.

Als spezifischer Erreger galt lange Zeit das Bakterium Bartonella bacilliformis, da es ausschließlich an den Westhängen der Anden und nur zwischen 600 und 3000 m Höhe zu finden war, für das heute jedoch ein weitaus größeres Verbreitungsgebiet anzunehmen ist.

In Peru und Bolivien tritt z.B. das durch Stechmücken oder Milben übertragbare virale Mayaro-Fieber auf, im Norden Argentiniens führt über kontaminierte Ausscheidungen von Nagetieren das Junin-Virus zum Argentinischen Hämorrhagischen Fieber, das im Nachbarland und ebenfalls zu den Arenaviren zählende Machupo-Virus zum Bolivianischen Hämorrhagischen Fieber. Durch Inhalation oder Wundinokulation tritt als Pilzerkrankung die Südamerikanische Blastomykose (Parakokzidiomykose) u.a. in Argentinien, Bolivien und Peru in Erscheinung.

Als Vertreter von speziellen Protozoeninfektionen wird die Chagas-Erkrankung einen Schwerpunkt im Vortrag bilden, daneben wird auch die mukokutane Leishmaniose insbesondere in den Waldgebieten im Osten der Anden durch L. braziliensis Erwähnung finden.

Eine seltene durch Mücken übertragbare und mit Gelenkschmerzen sowie Juckreiz einhergehende Filiariose, deren Verbreitungsgebiet von Mexiko bis insbesondere Nordargentinien reicht, wird durch Mansonella ozzardi hervorgerufen.

Ektoparasitosen, die in Form einer durch Sandflöhe und vielmehr deren in die menschliche Haut abgelegten Larven hervorgerufene Tungiasis, haben jeweils nicht nur lokale Eigennamen erhalten, z.B. "Kuti pique" in Bolivien oder "Nigua" in Argentinien, sondern auch schon dezidiert in einschlägigen Reiseführen ihren Eingang gefunden.

Die anderen "üblichen Verdächtigen", wie Dengue-Fieber oder Malaria, sollen zumindest in diesem Vortrag von eher untergeordneter Rolle sein, um mögliche Doppelspurigkeiten zu anderen Beiträgen zu vermeiden.