Mücken- und Zeckenschutz
ORR Dr. Thomas Morwinsky
Sanitätsamt der Bundeswehr, Abt. V 1.2, München
 
Zahlreiche tropische Erkrankungen werden durch Arthropoden (u.a. Insekten und Spinnentiere) übertragen. Allein Malaria und das Dengue-Fieber verursachen jährlich ca. 275-325 Mio. Erkrankungen weltweit. Europäer müssen sich i.d.R. im Rahmen von Urlaubsreisen mit derartigen Erkrankungen auseinandersetzen. Ein fehlender Schutz kann hier neben einem verdorbenen Urlaub sehr viel gravierendere gesundheitliche Konsequenzen bis hin zum Tod haben. Neben den reinen Tropenerkrankungen wie Malaria, Schlafkrankheit oder Dengue kommen zeckenübertragene Infektionen wie FSME oder Borreliose vor, die auch in den gemäßigten Klimazonen weitverbreitet sind. Somit können auch Reiseaufenthalte - je nach Region und Reiseprofil - in gemäßigten Klimazonen ("Urlaub in Deutschland") ein Risiko darstellen.

Obwohl für einige dieser vektorübertragenen Erkrankungen (VBD) wirksame Impfungen verfügbar sind (z.B. Gelbfieber oder FSME), sind die weitaus meisten nach wie vor nicht impfpräventabel. Lediglich eine konsequente Expositionsprophylaxe schützt vor allen VBD's.

Im Gegensatz zu Impfungen ist die aktive Mitarbeit des Reisenden ein entscheidender Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg dieser Maßnahmen entscheidet. Sie erfordern, dass er/sie sich über die Notwendigkeit und die korrekte Anwendung bewusst ist. Zu diesen Schutzmaßnahmen zählen:
  • Imprägnierte Bettnetze
  • Geeignete und imprägnierte Bekleidung
  • Repellents
  • Mückenscreens vor Fenstern und Türen
  • (Klimaanlagen)
  • Angepasstes Verhalten
Moskitonetze sollten mit Insektiziden (Pyrethroiden) imprägniert sein, um einen möglichst großen Schutz zu ertielen; in nicht insektendichten Unterkünften sind sie ein unverzichtbarer Schutz für die Nacht.

In ähnlicher Weise ist die Imprägnierung der Bekleidung mit insektiziden Substanzen (ebenfalls Pyrethroiden) eines der wichtigsten Mittel. Auch hier erfolgt die Applikation meistens mittels Tauchverfahren (oder durch Aufsprühen), doch ist bei den modernsten Methoden das Mittel bereits werksseitig in die Bekleidung eingearbeitet. Auch die Wahl der Bekleidungsart und deren Trageweise kann in der Vermeidung von Arthropodenstichen (z.B. Zecken; "Holzbock") von großer Wichtigkeit sein.

Das nächste wichtige Standbein der persönlichen Expositionsprophylaxe sind Hautrepellentien für ungeschützte Hautpartien, die mittels insekten- und zeckenabweisender Mittel verhindern, dass uns derartige Tiere zu nahe kommen.

Insektenscreens vor Fenstern und Türen helfen, die Anzahl der einfliegenden Insekten niedrig zu halten oder ihnen den Zutritt ganz und gar zu verwehren. Klimaanlagen bilden für Mücken eine gewisse Barriere, da sie einen Temperaturgradienten erzeugen, gegen den Mücken weniger aggressiv anfliegen.

Eine wesentliche Komponente in der richtigen Beratung gegenüber blutsaugenden Arthropoden ist die Kenntnis mit welchen Tieren man es wahrscheinlich zu tun hat und wie man dem am besten aktiv begegnet. Aktivitätsperioden (Tag/Nacht) oder Beuteverhalten (Lauern gegenüber aktiver "Jagd") erleichtern die Sensibilisierung des Reisenden. Die individuellen Reiseumstände (Hotel- und Strandurlaub vs. Rucksackreise durch den Busch) spielen natürlich ebenso eine ganz wesentliche Rolle bei der Bewertung des Expositionsrisikos und der zu empfehlenden Maßnahmen. Ein angepasstes Verhalten ist letzten Endes notwendig, um das Risiko von vornherein niedrig zu halten. Dies ist andererseits sicher auch eine der großen Herausforderungen, da es evtl. nicht immer mit Bequemlichkeit, dem "Urlaubsbefinden" und -wunsch in Einklang zu bringen ist.

Dies verdeutlicht, dass diese Maßnahmen teilweise eine hohe Adherance erfordern, die mit einem reduzierten Komfort (z.B. Applikation von Hautrepellents, angepasste Bekleidung) einhergeht und deswegen eher vernachlässigt wird. Hier ist eine gute und kompetente Aufklärung für eine erfolgreiche Prävention von entscheidender Bedeutung. In passender Kombination und konsequent durchgeführt, reduziert die Expositionsprophylaxe das Risiko einer VBD um bis zu ca. 95%. Je nach grundsätzlichem Expositionsrisiko kann sie somit als Prävention sogar ausreichen, und weitere Maßnahmen (wie z.B. eine Malaria-Chemoprophylaxe) überflüssig machen. Unabhängig vom Erkrankungsrisiko in einer gegebenen Region macht die große Anzahl nicht impfpräventabler VBD's deutlich, dass viele vektorübertragene Erkrankungen ausschließlich auf diese Art und Weise zu verhindern sind. Die einzige Alternative - und nahezu 100%ige Garantie einer Infektionsvermeidung - stellt der Verzicht auf Reisen in derartige Länder dar. Dies ist angesichts des touristischen Reisezweckes sicher kaum praktikabel.