Neue Impfstoffe: Blick in die Pipeline
PD Dr. med. Tomas Jelinek
CRM Centrum für Reisemedizin GmbH, Düsseldorf
 
Der erfreuliche Trend zur Entwicklung neuer Impfstoffe setzt sich fort. Eine beachtliche Zahl von Impfstoffen befindet sich derzeit in Entwicklung bzw. bereits in klinischer Prüfung, jedoch sind die Aussichten auf Marktreife sehr unterschiedlich zu beurteilen. Zahlreiche neu eingeführte oder vor der Einführung stehende Impfstoffe, die primär nicht für die Reisemedizin entwickelt worden sind, sind auch im Rahmen der Beratung vor Auslandsreisen interessant. Diesen wird in den nächsten Jahren das Hauptinteresse in der reisemedizinischen Impfberatung gelten, zum Teil muss hier auch der Konsens für die Indikation zur Impfung neu gefunden werden.

Impfstoffe gegen Reisedurchfall haben ein großes Potential. Hier ist insbesondere der Toxinproduzent ETEC im Fokus. Seit 2009 in klinischer Prüfung befindet sich ein Pflasterimpfstoffe gegen ETEC-Enteritis. Mit Hilfe dieser neuen Technologie scheint eine unkomplizierte und effektive Impfung gegen Reisedurchfall möglich zu sein. Jedoch sind die Studiendaten nicht ausreichend Erfolg versprechend, so dass die weitere Impfstoffentwicklung eingestellt wurde.

Seit 2010 ist in Deutschland die erste konjugierte, tetravalente Vakzine gegen Meningokokken- Meningitis verfügbar. Erwartungsgemäß zeigt diese sehr gute Daten zur Immunogenität und zum Langzeitschutz. Vermutlich 2012 wird in weiteres Produkt folgen. Die ebenfalls in absehbarer Zeit verfügbare Impfung gegen Meningokokken Typ B ist reisemedizinisch weniger relevant, hat jedoch einen erheblichen potentiellen Stellenwert bei der Immunisierung von Kindern und Adoleszenten.

Sehr intensiv wird an einem Impfstoff gegen Dengue-Viren gearbeitet. Eine chimärische Vakzine ist in Phase III. Hiermit scheint ein effektiver Schutz gegen alle 4 Serotypen absehbar. Parallel hierzu arbeiten weitere Arbeitsgruppen an einem Impfstoff.

Insgesamt sind in den nächsten Jahren zahlreiche Neuentwicklungen und Zulassungen von Impfstoffen zu erwarten, die auch in der reisemedizinischen Beratung relevant sein werden.