Last-Minute-Reisen in der Schwangerschaft und mit Kindern
Bettina Flörchinger
CRM - Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf
 
Die Motive für Last-minute-Reisen speziell während der Schwangerschaft können vielgestaltig sein: so wünschen sich viele Paare, die ihr erstes Kind bekommen, noch einmal eine Urlaubsreise zu zweit, den sogenannten "Babymoon".

Oft werden Reisen in der Gravidität kurzfristig gebucht, damit eventuell auftretende Schwangerschaftsprobleme nicht einen Strich durch die lange im Voraus geplante Reise machen. Geschäfts- und beruflich bedingte Reisen werden nicht selten mit geringem Zeitvorlauf angesetzt und können natürlich auch Frauen während der Schwangerschaft betreffen.

Ein weiterer Grund für Last-minute-Reisen Schwangerer oder von Familien mit Kindern sind Besuche von Migranten in ihren Heimatländern, also "Visiting Friends and Relatives" (VFR)-Situationen. Gerade diese können in erhöhtem Maße mit gesundheitlichen Risiken belastet sein, da die Aufenthaltsbedingungen am Zielort oft eher denen der einheimischen Bevölkerung als denen touristisch Reisender entsprechen. Zudem werden medizinische Risiken sowohl von Seiten der Reisenden selbst als auch von Seiten der Berater häufig unterschätzt, da geglaubt wird, dass der Reisende sich ja der in seinem Heimatland auftretenden Gefahren bewusst ist und mit diesen adäquat umgehen kann.

Während der Schwangerschaft und bei Kleinkindern besteht an sich schon ein erhöhtes Gesundheitsrisiko auf Reisen, beispielsweise durch die Gefahr von Infektionen und schweren Krankheitsverläufen, unsichere medizinische Versorgung auf der Reise und anderes mehr. Kommen nun noch bei Last-minute-Reisen, bedingt durch Zeitmangel, eingeschränkte Prophylaxemaßnahmen hinzu, führt dies zu einem weiteren Risikoanstieg.

In der Schwangerschaft und bei Kleinkindern kann eine Malaria tropica zu schweren Krankheitsverläufen mit erhöhter Mortalität führen, so dass die Vermeidung einer Malaria-Infektion in diesen Fällen besonders wichtig ist. Unglücklicherweise gelten aber für die meisten Malaria-Medikamente Einschränkungen oder Kontraindikationen während der Gravidität und bei Säuglingen bzw. Kleinkindern. Eine Ausnahme stellt Chloroquin dar. Dieses wird aber wegen der weit verbreiteten Resistenzen zur Malariaprophylaxe im allgemeinen nicht mehr von der DTG empfohlen. Hinzu kommt, dass einige Malariamittel schon ein bis drei Wochen vor Einreise ins Malariagebiet eingenommen werden müssen, so dass ihr Einsatz bei Last-minute-Reisen schwierig sein kann.

Aus den genannten Gründen sollten Reisen in Malariagebiete, die nicht unbedingt notwendig sind, während der Schwangerschaft und mit Kleinkindern vermieden werden. Bei zwingend notwendigen Reisen muss eine besonders sorgfältige Expositionsprophylaxe durchgeführt werden. Ein Malariaverdacht auf der Reise sollte schnellstmöglich ärztlich abgeklärt und ggf. eine notwendige Behandlung eingeleitet werden.

Eine weitere Problematik ergibt sich daraus, dass viele Impfungen einerseits aus Zeitmangel bei Last-minute-Reisen andererseits wegen relativer oder absoluter Kontraindikationen in der Schwangerschaft bzw. erforderlichen Mindestalters bei Kindern nicht durchgeführt werden können.

Alles in allem sind Last-minute-Reisen in der Schwangerschaft und mit kleinen Kindern zu medizinisch riskanten Destinationen kritisch zu bewerten, da bei diesen Konstellationen mehrere Reiserisikofaktoren kumulieren. Nichtsdestotrotz ist ein kurzfristiger Reiseantritt kein Argument gegen ein Mindestmaß an Vorsorge. So können Impfungen gegen Hepatitis A, Grippe oder Auffrischungsimpfungen auch noch kurz vor Reiseantritt durchgeführt werden. Weiterhin sollten bei der reisemedizinischen Beratung Schutzmaßnahmen gegen Malaria, Reisediarrhoe und der Sonnenschutz besonders bei Kindern besprochen werden.