Geschäftsreisende und Last-Minute-Reisen
Dr. med. Christian Feldhaus
"RWE Poer AG/RWE AG Leitender Werksarzt PHA Arbeitsmedizin", Essen
 
Der Vortrag beschreibt die betriebliche/unternehmerische Notwendigkeit der arbeitsmedizinischen Versorgung von Mitarbeitern vor Dienstreisen und vor längeren Auslandseinsätzen. In Deutschland finden pro Jahr 1,5 bis 1,8 Mio. arbeitsbedingte Fernreisen statt. Die arbeitsmedizinischen Dienste des RWE-Konzerns, welche in ihrer Struktur und Aufgabe kurz vorgestellt werden, führen im Jahr ca. 8.000 Impfungen durch. Viele dieser Impfungen finden im Rahmen der über 1.000 reisemedizinischen Beratungen statt.

Diese reisemedizinischen Beratungen, welche ausnahmslos von in der Reisemedizin erfahrenen Fachärzten durchgeführt werden, haben einerseits einen rechtlichen Hintergrund. Zusätzlich gibt es betriebliche Vereinbarungen, die diese Untersuchungssystematik notwendig machen. Der rechtliche Hintergrund spiegelt sich vor dem dualen System des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in Deutschland wieder. Die öffentlich-rechtliche Seite vertreten die Berufsgenossenschaften als Träger der gesetzlichen Unfallversicherungen. Aktuelle arbeitsrechtliche Grundlage für die arbeitsmedizinische Vorsorge ist die gleichnamige Unfallverhütungsvorschrift (UVV) mit der Abkürzung BGVA4. Seit dem 01.01.2011 gilt die DGUV V2. Für diese Regelwerke sind die seit Jahrzehnten im Einsatz befindlichen und ständig aktualisierten berufsgenossenschaftlichen Grundsätze für arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen nach wie vor Grundlage. Bezüglich Auslandsaufenthalten ist der Grundsatz 35, Arbeitsaufenthalt im Ausland unter besonderen klimatischen und gesundheitlichen Belastungen (G 35), relevant. Auswahlkriterien für durchzuführende Untersuchungen finden sich in der aktuellen BGI 504-35. Die staatliche Seite des dualen Systems vertritt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Die aktuelle Rechtslage stellt die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) vom 18.12.2008 dar. In ihr sind Angebotsuntersuchungen und Pflichtuntersuchungen zur arbeitsmedizinischen Vorsorge beschrieben. Im dortigen Anhang Teil IV finden sich als Pflichtuntersuchungen auch "Tätigkeiten in Tropen, Subtropen und sonstige Auslandsaufenthalte mit besonderen klimatischen Belastungen und Infektionsgefährdungen".

Neben der rechtlichen Seite der reisemedizinischen Untersuchungen gibt es im RWE-Konzern auch eine unternehmerische Grundlage. In einer "Rahmenrichtlinie für Auslandseinsätze im RWE-Konzern" sind HR-Themen für Auslandseinsätze beschrieben. Die medizinische Vorsorge findet hier ebenfalls in einem eigenen Kapitel Berücksichtigung.

Die medizinische Grundlage für diese Untersuchung stellt nach wie vor der o. g. aktuelle G 35 dar. In ihm werden Anwendungsbereiche und Erst- als auch Nachuntersuchungen ausführlich beschrieben. Allgemeine und spezielle Untersuchungsinhalte werden empfohlen. Arbeitsmedizinische Kriterien einschließlich gesundheitlicher Bedenken verschiedener Art werden ausführlich dargestellt. In ergänzenden Hinweisen findet der untersuchende Arzt zahlreiche Hinweise für eine zielgerichtete Beratung. Darüber hinaus bedienen sich die Ärzte in Zusammenarbeit mit verschiedenen reisemedizinischen Zentren der einschlägigen reisemedizinischen Literatur. Vierzehntägige Updates zu internationalen reisemedizinischen Empfehlungen finden hier Berücksichtigung. Zu den Untersuchungsinhalten zählen neben dem Ausschluss von Kontraindikationen und Beratungen über am Einsatzort bestehende spezielle Risiken auch Unterrichtungen zum Vermeidungsverhalten (Expositionskontrolle). Großen Stellenwert hat natürlich die Kontrolle des Impfstatus mit ggf. notwendigen Grundimmunisierungen bzw. entsprechenden Impfauffrischungen. Hier finden nicht nur die allgemeinen STIKO-Empfehlungen Berücksichtigung, sondern auch die dem Reiseland entsprechenden reisemedizinischen Impfindikationen. Im Vordergrund stehen Hepatitis A und B, Typhus, Cholera, Tollwut, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis als auch die FSME.

Die intensive ärztliche Betreuung und Begleitung von Auslandseinsätzen stellt nicht nur eine moralische und rechtliche Verpflichtung des Arbeitgebers dar, sondern sichert auch die Einsatzfähigkeit von Mitarbeitern im Ausland und damit verbunden den ökonomischen Erfolg von internationalen Projekten.