Hautinfektion und STD bei Langzeitaufenthalt in den Tropen
Prof. Dr. med. habil. S. W. Wassilew
 
Hautinfektionen werden in tropischen Regionen durch das Klima, persönliches Verhalten und Erregervorkommen, insbesondere bei Langzeitaufenthalten begünstigt. Ein feuchtwarmes Tropenklima kann zu Juckreiz führen, konsekutives Kratzen zu oberflächlichen Hautläsionen, die das Eindringen von Erregern fördern. Wochenlange Aufenthalte können auch dazu führen, dass vorbeugende Maßnahmen zunehmend vernachlässigt werden. Hinzu kommt, dass in einigen tropischen Regionen Erreger vorkommen, die es in Mitteleuropa nicht gibt, oder die seltener vorkommen.

Bakterielle Erkrankungen, verursacht durch Streptokokken und Staphylokokken, können oberflächliche Pyodermien oder Abszesse verursachen. Die medikamentöse antibiotische Behandlung, die sich am Resistogramm orientieren sollte, ist oft mit chirurgischen Maßnahmen zu kombinieren. Leicht zu verwechseln mit Abszessen sind intrakutane Fliegenlarven Nester.

Oberflächliche Infektionen mit pathogenen Pilzen sind in Regionen mit warmem Klima häufiger, als in solchen mit gemäßigtem Klima. Da häufig behaarte Hautareale, insbesondere auch das Capillitium, betroffen sind, empfiehlt sich die Kombination lokaler Maßnahmen mit der oralen Gabe von antimyzetischen Therapeutika.

Die Skabies ist bei Kindern und Erwachsenen die häufigste Infektion durch Parasiten hervorgerufene Erkrankung. Es erkranken vor allem Personen, die berufliche- oder sonstige enge Kontakte zur Landbevölkerung haben. Therapiert wird lokal mit 2,5 % (Kindern) oder 5 % (Erwachsenen) Permethrin-haltigen Cremes. Eleganter ist die Kombinations- oder Monotherapie mit Ivermectin (siehe unten), welches in Deutschland allerdings nicht zur Behandlung der Skabies zugelassen ist.

Von den Hauterkrankungen durch Larven und Würmer spielt der "Hautmaulwurf" für den Dermatologen eine herausragende Rolle. Zur Behandlung eignen sich Thiabendazol 10-15 % in Salbe oder Albendazol, oral 400 mg 1-3 Tage, besser noch Ivermectin oral, 200 µg/kg Körpergewicht als Einmaldosis. Einige Haut- und auch Geschlechtskrankheiten lassen sich durch richtiges Verhalten verhindern. So lassen sich für die Haut des Mitteleuropäers ungewohnte Klimaeinflüsse weit gehend durch entsprechende Kleidung kompensieren. Auch besondere Hautreinigungs- und Pflegemaßnahmen sind notwendig, so sollten beispielsweise Tenside nur sehr sparsam benutzt werden. Die vorbeugende Applikation von antiseptischen Lösungen auf oberflächliche Verletzungen oder, insbesondere bei Kindern, auf sichtbare, juckende Insektenstiche, kann Superinfektionen minimieren.

Gegen Parasiten kann man sich durch Kontaktmeidung schützen, zum Beispiel die Nutzung eines Badehandtuches als Unterlage beim Sitzen oder Liegen und das Tragen von schützenden Schuhen.

Ein Arzt, der tropenmedizinischen Untersuchungen durchgeführt, sollte auch an die Möglichkeit denken, dass die während oder nach der Reise aufgetretene Hauterkrankung Hinweis auf eine sexuell übertragene Infektion sein könnte. Dies gilt insbesondere aber nicht nur, wenn Hautveränderungen im Anogenitalbereich auftreten.

Sexuell übertragbare Krankheiten sind in vielen tropischen Regionen weit verbreitet. Das Wissen um diese Verbreitung sollte zu einem Verhalten führen, welches diese Erkrankungen verhindert oder zumindest minimiert. Die häufigsten dermatologisch bedeutsamen sexuell übertragenen Erkrankungen sind Urethritis und Lues, seltener das Lymphogranuloma inguinale und das Granuloma venereum. Eine gewisse Vereinsamung bei Langzeitaufenthalten ist manchmal nicht zu verhindern, was verführerische Situationen fördern kann. Falls eine andere Kontaktmeidung nicht möglich ist, sollen unbedingt Kondome benutzt werden. Eine prophylaktische Antibiotikaeinnahme ist strikt abzulehnen und bei den meisten sexuell übertragbaren Erkrankungen auch nicht wirksam. Die Therapie richtet sich nach der regionalen Resistenzlage, soweit diese bekannt ist, ansonsten nach den nationalen oder internationalen Leitlinien.