Freiwilligendienste im Ausland:
Erfahrungen mit der Initiative "Weltwärts"
Dr. med. Dipl. Ing. Peter Schmitz
S. Martin; A. Stenz-Böker; R. Heller; G. Sarteh; D. Stobbe
 
Erfahrungen des Ärztlichen Dienstes (ÄD) des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) mit dem weltwärts Freiwilligen Programm

Das weltwärts Freiwilligen Programm wird entwicklungspolitisch gefördert und über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit finanziert. Über ca. 218 Entsendeorganisationen wurden seit Anfang 2008 ca. 6000 junge Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 28 Jahren in 81 Partnerländer entsandt.

Der DED beherbergt das wwF Sekretariat und entsandte 2009 insgesamt 579 weltwärts Freiwillige (wwF), (w/m=323/256), im Alter von durchschnittlich 19,5 Jahren in 23 Partnerländer. Im Jahr 2010 sollen 1000 wwF in 26 Ländern in geeigneten Projekten von Partnern des DED in der Entwicklungshilfe eingesetzt werden. Der DED arbeitet in 47 Ländern mit seinem Stammprogramm, d.h. der Entsendung von ca. 1000 Fachkräften (Durchschnittsalter ca. 35 Jahre), die z.T. mit Familie ausreisen und im Durchschnitt 3 Jahre im Land bleiben. Das wwF Programm wird zusätzlich zu dem Stammprogramm durchgeführt.In diesem Vortag sollen die Erfahrungen mit der Entsendung von wwF aus der Sicht des Ärztlichen Dienstes des DED dargestellt werden. Es geht dabei um Fragestellungen, die sich im Rahmen der Gesundheitsprüfung, bzw. Tropentauglichkeits- und Rückkehrer Untersuchung ergeben. Des weiteren wird über die Erfahrungen in Bezug auf Art und Anzahl von Erkrankungsfällen, Verletzungen und schweren Gesundheitsstörungen, die eine Rückführung nach Deutschland notwendig machten, berichtet.

  Benin 25     Laos 16     Philippinen 47  
  Bolivien 32     Mongolei 16     Ruanda 34  
  Brasilien 1     Mosambik 21     Sambia 15  
  Kamerun 26     Malawi 42     Südafrika 32  
  Ecuador 19     Namibia 32     Togo 10  
  Dominikanische Rep. 14     Nicaragua 23     Uganda 22  
  Ghana 32     Nepal 9     Vietnam 36  
  Kambodscha 22     Peru 28     TOTAL 554  
           
Tabelle: Anzahl der wwF in Partnerländern des DED, Stand Dez. 2009

Die wwF werden in Deutschland in Vorbereitungsseminaren über Gesundheitsrisiken im weitesten Sinne informiert. Dabei werden Sicherheitsrisiken, Risiken, die sich in Ländern mit hoher HIV Prävalenz ergeben (ungeschützter Geschlechtsverkehr und akzidentielle Exposition) und besondere Unfallrisiken in Ländern mit schwacher medizinischer Infrastruktur dargestellt. Aus Sicht des ÄD ist es ganz entscheidend - auch für die ärztliche, bzw. tropen- oder reisemedizinische Beratung - zu berücksichtigen, dass die wwF unter recht einfachen Bedingungen reisen und grundsätzlich anderen Risiken ausgesetzt sind als Touristen oder Geschäftsreisende. Es handelt sich bei 12 Monaten um Langzeitaufenthalte.
Die Beratung/Betreuung der wwF vor Ort wird über die Aussenstrukturen des DED sicher gestellt. Vor Ort betreuen einheimische Fachkräfte und / oder Entwicklungshelfer/innen (insgesamt 37 Personen) die wwF, stehen mit Ihnen im Notfall telefonisch in Kontakt, organisieren regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch, bei denen auch medizinische und gesundheitliche Aspekte des Aufenthaltes immer wieder angesprochen werden. Zusätzlich zu den Betreuern gibt es Mentorinnen, die in erreichbarer Nähe der Freiwilligen leben und bei alltäglichen Fragen und Probleme behilflich sind.

Die Erkrankungshäufigkeit der wwF wurde im Jahr 2009 mit denen des Stammprogrammes des DED verglichen. Nach Informationen der Gruppenversicherer haben im Jahr 2009 etwa 250 von 579 wwF medizinische Leistungen in Anspruch genommen. Damit liegt die Häufigkeit der behandelten Erkrankungen der wwF deutlich unterhalb von erwarteten Größenordnungen in einem unauffälligen Bereich. Die vorliegenden Daten erlauben keine exakte Zuordnung zu Diagnosen und durchgeführten Therapien, allerdings sind die häufigsten Diagnosen auf den eingereichten Abrechnungsbelegen Malaria und Malariaverdacht, gastrointestinale Erkrankungen, Hauterkrankungen sowie psychosomatische Probleme. Diagnostik und Behandlung von Geschlechtskrankheiten und von Malaria Fällen fielen durch zeitliche und regionale "Cluster" auf.
Zu Rückführungen, bzw. Rückholung aus dringenden gesundheitlichen Gründen kam es bei den Freiwilligen in 9 Fällen, im Stammprogramm waren es 109 Fälle (viele im Zusammenhang mit Schwangerschaft). Gründe für eine Rückführung der wwF waren: psychische Probleme, Depressionen, akute Belastungsreaktion, Symptomatischer Bandscheibenvorfall, rezidiv. Migräneanfälle, rezidiv. Durchfälle und unklares Fieber. Weitere Diagnosen: Diskushernie, psychotische Erstmanifestation nach Mefloquin, akute Belastungsreaktionen, Höhenkrankheit, Kreuzbandruptur, Katayama Fieber mit hypererger Reaktion und ausgeprägter Eosinophilie.
Der ÄD entscheidet über die Indikation und die Art der Rückholung. Dabei gibt es die Wahl zwischen Notfall Sonderflügen (Ambulanz Jet), Linienflug mit professioneller Begleitung oder Linienflug ohne Begleitung. Alle wwF konnten mit Linienflügen zurückgeholt werden, zwei brauchten eine Begleitung. Die einzelnen Fälle werden kurz vorgestellt. Aus Sicht des ÄD werden die relativ jungen wwF im Vergleich mit den älteren, z.T. mit Familie ausreisenden Entwicklungshelfer deutlich seltener krank und Rückholungen aus gesundheitlichen Gründen werden seltener notwenig. Da die wwF "nur" ein Jahr im Ausland sind, nehmen sie bei nicht akuten Gesundheitsproblemen seltener ärztliche und zahnärztliche Leistungen in Anspruch und lassen entsprechende Diagnostik und Behandlung nach Rückkehr in Deutschland durchführen.

Der Lebenswandel der Freiwilligen im Ausland ist wg. ihres Alters und der Art der Tätigkeit deutlich unterschiedlich von dem der Fachkräfte und unterscheidet sich ganz erheblich von dem von Touristen oder Dienstreisenden. Auch das sollte in der reisemedizinischen oder gesundheitlichen Beratung berücksichtig werden. Z.B. haben die Freiwilligen i.d.R. keine Fahrzeuge zur Verfügung, müssen öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Das birgt u.U. ein hohes Sicherheits- und Unfallrisiko. Wenn sie zu Fuß unterwegs sind steigt das Risiko einer Tollwut Exposition durch streunende Hunde.

Ganz entscheidenden sind wiederholte Hinweise auf das Risiko der Übertragung von HIV und anderen Geschlechtskrankheiten bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Zusammenfassend zeigen die Erfahrungen des ÄD des DED, dass die wwF trotz erhöhter Risiken nicht auffallend häufig erkranken oder schwere gesundheitliche Probleme bekommen. Eine entsprechende präventive Beratung ist unumgänglich und sollte in der Beratungspraxis auf das Alter, die Arbeits- und Lebensbedingungen abgestellt sein. Die kontinuierlich Betreuung durch die Außenstrukturen des DED als Entsendeorganisation leistet einen Beitrag zur Prävention und kann im Notfall direkt reagieren und eine Rückholung auch aus peripheren Regionen der Entwicklungsländer sicherstellen.