Dengue und Chikungunya:
aktuelle Epidemiologie und Prävention
Prof. Dr. Matthias Niedrig
 
Durch Dengue und Chikungunya Viren verursachte Infektionskrankheiten haben in den vergangen Jahren neben SARS und Grippe auch einige Aufmerksamkeit erzeugt. Beide Infektionen kommen in tropischen und subtropischen Gebieten vor und werden dort durch Aedes Mücken auf den Menschen übertragen. Während das Dengue Virus mit seinen vier Seroytypen in allen tropischen und subtropischen Gebieten zu regelmäßigen Ausbrüchen in der einheimischen Bevölkerung führt, kommt das Chikungunya Fieber nur in Afrika und einigen asiatischen Ländern (Inseln des indischen Ozeans, Indien, Malysia, Singpure, Thailand, Sri Lanka) vor. Mit geschätzten 100 Millionen Fällen mit einer Dengue Infektion und 250.000 Fällen eines Dengue Hämorragischen Fiebers (mit ca. 2,5 % Todesfällen) zählt diese Erkrankungen zu den weltweit bedeuteten Gesundheitsbedrohungen auch aus Sicht der WHO. Neben der fieberhaften Erkrankung stellen die hämorrhagischen Ereignisse und das Dengue Schock Syndrom ernste lebensbedrohende Krankheitsverläufe dar, die nur durch schnelle symptomatische Behandlung gemildert werden können. Gerade bei endemischen Ausbrüchen in unterentwickelten Gebieten kann eine solche Behandlung nicht in ausreichendem Maße angeboten werden, so dass häufig auch Kinder zu den Opfern dieser Erkrankung zählen. Auch für Reisende in diese Gebiete stellen Dengue Infektionen eine nicht zu vernachlässigende Erkrankung dar, was sich in einer steigenden Zahl gemeldeter Fälle bei Reiserückkehrern niederschlägt. So wurden 2009 ca. 291 importierte Dengue-Fälle verzeichnet wobei von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden darf.

Der afrikanische Name Chikungunya bedeutet "Gebeugter Mann" und beschreibt damit bereits die, neben dem plötzlichen Fieber auftretenden, starken Muskel und Gelenkbeschwerden. Das Chikungunya Fieber ist durch den Ausbruch auf der Ferieninsel La Reunion im Jahre 2006 erneut in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Auch wenn diese Krankheit im Allgemeinen keinen tödlichen Ausgang nimmt so können die rheumatischen Beschwerden doch über viele Monate zu einer erheblichen Beeinträchtigung führen. Von La Reunion breitete sich die Krankheit mit zahlreichen Erkrankungsfällen über Indien (2007), Singapur (2008) nach Thailand und Malysia (2009) aus. Dies führte im Jahre 2009 nicht nur zu ca. 29 nach Deutschland importierten Chickungunya Fällen sondern auch zu der ersten gut dokumentierten Einschleppung dieses Infektionserregers nach Europa im Jahre 2007. Hintergrund dieses Ausbruch war die Einreise eines mit Chikungunya Virus infizierten Inders der seine Verwandtschaft im Hinterland der Emilia Roma in Italien besuchte. Eine hohe Belastung dieser Region mit empfänglichen Aedes albopictus Mücken führte zu einer Übertragung auf ca. 292 andere Personen mit 125 diagnostisch bestätigten Chikungunya Fällen und einem Todesfall in einer ältern Person mit bestehenden Vorerkrankungen. Auch wenn eine weitere Ausbreitung dieser Erkrankung auch in den folgenden Jahren nicht festgestellt werden konnte, so wurde doch sehr deutlich wie schnell exotische Infektionskrankheiten nach Europa importiert werden können und sich unter geeigneten Bedingungen hier ausbreiten können.

Auch wenn erste klinische Studien für Dengue und erste Pilotversuche für Chikungunya einen Impfschutz erzeugt haben, so stehen dennoch bisher keine wirksamen Impfstoffe zur Verfügung. Daher stellte eine konsequente Mückenprophylaxe zurzeit den einzigen Schutz vor einer Infektion mit diesen Erkrankungen dar.