Gifttierunfälle: Prävention und Therapie
Prof. Dr. Dietrich Mebs
 
Gifttiere sind in den Tropen, im Meer wie auf dem Land besonders artenreich vertreten. Obwohl ein Tourist eher selten durch Gifttiere verletzt wird und eine Vergiftung erleidet, sind die Chancen für einen solchen Unfall bei einem Langzeitaufenthalt größer. Gifttiere dosieren ihr Gift nicht, Kinder erhalten die gleiche Dosis wie ein Erwachsener und sind daher besonders gefährdet. Vergiftungen nach Biss oder Stich eines Gifttieres verlaufen stets akut, rasche ärztliche Hilfe ist vordringlich. Wenn Antidote (z.B. Antiseren) nicht vorhanden sind, ist eine symptomatische Therapie die einzige Option.

Schmerzhafte, auch folgenreiche Nesselverletzung sind oftmals Folgen einer Begegnung mit Quallen. Der Stich eines Stachelrochens kann schon wegen seiner mechanischen Verletzung tödlich enden. Zwar ist der Stich eines Steinfisches mit seinen Flossenstrahlen äußerst schmerzhaft, jedoch nicht letal. Unter den Spinnen ist der Biss der schwarzen Witwe mit lange anhaltenden Schmerzen verbunden, aber ebenfalls nicht lebensgefährlich. Vogelspinnen sind hingegen durchweg harmlos. Mitunter schwere, auch tödliche Folgen hat der Stich mancher Skorpione. Nach einem Schlangenbiss treten je nach Art der Schlange die unterschiedlichsten Symptome auf: Lähmung der Augen- und Gesichtsmuskulatur gefolgt von Atemlähmung (neurotoxische Symptome), Muskelschmerzen mit dunkelbraunem Urin (Myoglobinurie), Störungen der Blutgerinnung bis zur Ungerinnbarkeit des Blutes (Verbrauchskoagulopathie), lokales Ödem, Hämorrhagie und Nekrosen um die Bissstelle. Schlangebisse sind stets als potentiell lebensbedrohlich anzusehen, die intravenöse Anwendung eines Antiserums ist die einzige spezifische Therapie. Sie gehören jedoch in die Hand des Arztes, jede Selbstanwendung ist lebensgefährlich.