Durchfallkrankheiten:
Akutmanagement und Prävention
Prof. Dr. med. H. Kollaritsch
 
Reisediarrhoe ist die mit Abstand häufigste Gesundheitsstörung Fernreisender, etwa 15 Millionen Fernreisende sind jährlich betroffen. Die RD hat praktisch ausschließlich infektiöse Ursachen und wird über die in den Zielländern häufig kontaminierte Lebensmittelkette erworben. Die Auslöser sind vor allem enterotoxinproduzierende E. coli, Salmonellen, Campylobacter und Shigellen, als Viren zählen v.a. Noro, Adeno und Rotaviren zu den Hauptverursachern. Zahlreiche epidemiologische Parameter, wie Destination, Unterbringung, Reisestil und persönliches Verhalten beeinflussen die Inzidenz der RD, es schwankt das Risiko in tropischen und subtropischen Destinationen zwischen 15 und 60 %, lokal - oft hotelbezogen - sogar noch höher.

RD ist für den Erwachsenen meist harmlos, wenngleich sehr störend. Für Kinder kann die Erkrankung vor allem bei mangelhafter medizinischer Versorgung durchaus gefährlich sein. Die multifaktorielle Genese der RD ist zugleich das größte Problem in der Therapie und Prophylaxe: das völlig heterogene Keimspektrum lässt eine gezielte antibiotische Behandlung kaum zu, die Therapieempfehlung muss sich daher weitgehend auf symptomatische Behandlung wie Peristaltikhemmer und orale Rehydrierung zurückziehen. Antibiotika sollten nur bei schweren Verläufen mit Zeichen der Invasivität (Fieber) eingesetzt werden, da die Reisediarrhoe eine ausgeprägt selbstlimitierende Erkrankung ist und nur in weniger als 10 % der Fälle länger als eine Woche dauert. Als Antibiotika haben sich in jüngster Zeit v.a. Azithromycin und Rifaximin etabliert, während die jahrelang verwendeten Gyrasehemmer aufgrund zunehmender Resistenzen an Bedeutung verlieren. Komplikationen der RD sind relativ selten, ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom jedoch durchaus möglich. Prophylaktisch sind die meisten Mittel unwirksam, insbesondere Probiotika, die gerne verwendet werden, sind sinnlos. Antibiotika sind nur in ganz speziellen Situationen ("critical missions" und gastrointestinale Grundkrankheiten) als sinnvoll zu klassifizieren. Impfstoffe gegen Reisediarrhoe, obwohl vom Konzept her bestechend, sind zwar durchaus gegen ETEC wirksam, aber insgesamt durch die Vielzahl der auslösenden Keime nur begrenzt inzidenzreduzierend.