Malaria: Neue Parasiten, neue Medikamente
Michael Knappik
 
Plasmodium knowlesi
Abgesehen von den bisher bekannten 4 humanpathogenen Malaria Spezies (Plasmodium falciparum, Plasmodium vivax, Plasmodium ovale und Plasmodium malariae) sind eine Vielzahl von tierpathogenen Malariaformen beschrieben. Diese Malariaerreger sind in der Regel sehr wirtsspezifisch (Säugetiere, Vögel und sogar Reptilien). Obwohl mehr als 20 Spezies von Plasmodien auch Primaten infizieren können, wurden bisher vorkommende menschliche Infektionen mit "Affen-Malaria", die auf natürlichem Wege erfolgt waren, als seltene Einzelfälle betrachtet. So tritt Plasmodium knowlesi insbesondere bei zwei südostasiatischen Affenarten der Gattung Makaken, den Javaneraffen und den Schweinsaffen auf. Seit vielen Jahrzehnten ist bekannt, dass eine Infektion beim Menschen unter Laborbedingungen möglich ist. Bisher ist man aber davon ausgegangen, dass menschliche Wildinfektionen durch Plasmodium knowlesi keine Rolle spielen.

In letzter Zeit wurde jedoch bekannt, dass bis zu 70 % aller Malaria Infektionen in regionalen Krankenhäusern auf der Insel Borneo durch Plasmodium knowlesi verursacht wurden. Auch aus Thailand, Myanmar, Singapur, Vietnam und den Philippinen wurden Infektionen dieser an sich affenspezifischen Malariaspezies gemeldet. Erste Fälle von Plasmodium knowlesi bei heimkehrenden Touristen wurden beschrieben. Lichtmikroskopisch sehen sich die frühen Stadien von Plasmodium malariae und Plasmodium knowlesi zum verwechseln ähnlich. Doch während es bei der benignen Malaria quartana zu einer Replikation und den klassischen Malariaschüben nach 72 Stunden kommt, vermehrt sich Plasmodium knowlesi bereits nach 24 Stunden. So können sich bei Plasmodium knowlesi Infektionen in kurzer Zeit potentiell tödliche Parasitämien entwickeln, mehrere Todesfälle wurden bereits dokumentiert. Eine Speziesunterscheidung ist zuverlässig nur mittels PCR möglich. Der Erreger ist sensibel gegenüber allen üblicherweise eingesetzten Malariamedikamenten.
Auch wenn das Infektionsrisiko für Reisende gering ist, sollte bei einer vermeintlichen Malaria quartana mit Hyperparasitämie bei Rückkehrern aus Südostasien differentialdiagnostisch eine Infektion mit Plasmodium knowlesi in Betracht gezogen werden und ein intensives Management, vergleichbar wie bei einer Malaria tropica-Erkrankung, eingeleitet werden. Da mehrere Studien zeigten, dass Plasmodium knowlesi in Südostasien bei Menschen weit verbreitet ist, wird er inzwischen als "fünfter humanpathogener Malaria-Parasit" bezeichnet.

Dihydroartemisinin/Piperaquine (Eurartesim®)
Artemisinin-Derivate, Produkte der chinesischen Heilpflanze Artemisia annua oder "Qinghao", werden seit einigen Jahren erfolgreich zur Therapie der Malaria tropica eingesetzt. Artemisinin-Derivate sind zwar äußerst effektiv in der Behandlung von Malaria, besitzen aber nur eine sehr kurze Halbwertszeit. Artemisinin Präparate sind im Moment die wichtigste Waffe im weltweiten Kampf gegen die Malaria, insbesondere in Afrika. Sollte sich Resistenz gegen Artemisinin ausbreiten, so steht aktuell kein weiteres Reservemedikament zur Verfügung. Um Resistenzen zu verhindern, empfiehlt die WHO seit 2001 das Artemisinin-Präparate nur in fixen Kombination mit Präparaten eingesetzt werden, die eine lange Halbwertszeit besitzen (ACT: Artemisinin-basierte Kombinationstherapie). In endemischen Malariaregionen werden u.a. Artemether/Lumefantrin, Artesunate/Amodiaquin und Artemether/Mefloquin als fixe ACT eingesetzt.
In Kürze wird das Medikamenten-Arsenal um die fixe Kombination Dihydroartemisinin/Piperaquine erweitert. Phase III Studien in Afrika und Südostasien an insgesamt mehr als 2.700 Probanden zeigten ein sehr gutes Sicherheitsprofil und gute Verträglichkeit. Ergebnisse aus beiden Studien zeigen, dass Malaria mithilfe von Dihydroartemisinin/Piperaquine genauso schnell und effektiv wie mit anderen ACTs behandelt werden kann. Von Vorteil ist ein vergleichsweise simples Dosierungsschema mit nur 3 Verabreichungen (0, 24, 48h) und eine von Nahrungsmittel unabhängige Resorption. Auf Grund der langen Halbwertszeit von Piperaquine bietet Dihydroartemisinin/Piperaquine - im Vergleich zu anderen ACTs einen umfassenderen Schutz gegen Neuinfektionen für einen Zeitraum von mindestens 2 Monaten nach der Behandlung.
Bei dieser neuen ACT handelt es sich um das erste Produkt, das aus der Kooperation von Sigma-Tau mit Medicines for Malaria Venture hervorgeht. Medicines for Malaria Venture (MMV) wurde 1999 als eine gemeinnützige Organisation für die Entdeckung, Entwicklung und Bereitstellung verträglicher, wirksamer und günstiger Malariamedikamente durch aktive Partnerschaft im öffentlichen und privaten Bereich (Public Private Partnerships) gegründet.