Langzeitaufenthalte im Ausland - Reisearten und Risiken
PD Dr. med. Tomas Jelinek
 
Langzeitaufenthalte im Ausland sind keine seltene Aktivität. Hierbei unterscheiden sich Verhalten und Gesundheitsrisiken erheblich. Neben der traditionellen Gruppe der beruflichen Auslandsaufenthalte finden sich ausgedehnte Besuche von Verwandten und Freunden, Weltreisen, Praktika in sozialen Projekten, Einsätze in der humanitären Hilfe und andere Aktivitäten. Jede dieser Reisearten führt zu völlig unterschiedlichen Risikoprofilen. Mehr noch als bei kurzen Auslandsreisen ist die individuelle Beratung essentiell. Bei Langzeitaufenthalten in den Tropen bilden sich andere Verhaltensmuster aus als bei kürzeren Reisen. Meist löst der stationäre Aufenthalt den schnellen Ortswechsel des Kurzzeittouristen ab. Dies hat den Vorteil, dass die Umgebung zuverlässiger auf Krankheitsfaktoren (z.B. Mücken) kontrolliert werden kann. Die Vertrautheit mit dem Land schafft ebenfalls Sicherheit. Häufig entsteht aber auch eine gewisse Nonchalance im Umgang mit Gesundheitsrisiken, die zu zusätzlichen Infektionsquellen führen kann. Die medizinische Beratung vor der Reise und die empfohlenen Prophylaxemaßnahmen sollten Art und Dauer des Aufenthaltes im Ausland angepasst sein.

Spezifische Prophylaxemaßnahmen
Besondere Relevanz erhalten Maßnahmen zum Mückenschutz. Beim längerem Aufenthalt in Malariagebieten ist es in zunehmendem Maße wichtig, sich vor dem Stich der Anophelesmücke zu schützen. Die Mücke sticht weit überwiegend nach Anbruch der Dämmerung bis zum Morgengrauen bzw. in dunklen Räumen. Häufig wird das Risiko einer Malaria am Vorkommen von Moskitos abgeschätzt. Dieses wiederum beurteilen viele Reisende nach dem hörbaren Summen von Mücken und der Menge an spürbaren Stichen. Im Gegensatz zu anderen Mücken fliegen Vektoren der Malaria (Anopheles-Moskitos) kaum hörbar. Darüber hinaus ruft ihr Stich keine oder nur eine minimale Reaktion hervor. Somit wird die Gefahr der Übertragung häufig unterschätzt. Weiterhin haben Studien aus Westafrika gezeigt, dass die Intensität der Malariaübertragung nicht notwendigerweise an die Menge der vorhandenen Anopheliden gekoppelt ist. Dort lag zum Teil sogar ein umgekehrt proportionales Verhältnis vor. Gegen Gelbfieber und Denguefieber bietet ein Moskitonetz in der Nacht keinen ausreichenden Schutz! Der Vektor, Aedes aregypti, sticht zwar bevorzugt in den frühen Morgenstunden und am Ende des Tages, aber auch während der restlichen Tages- und Nachtzeit. Hier ist das Mückenmittel besonders wichtig. In gewissem Grad gilt dies auch für die Japanische Enzephalitis, welche durch die Mückenart Culex übertragen wird, die im Freien von der Dämmerung bis zum Sonnenaufgang sticht.

Impfungen
Vor einem Langzeitaufenthalt ist der Impfschutz möglichst umfassend zu komplettieren. Hierzu gehören auch seltene Risiken, die bei Kurzzeitreisenden weniger Relevanz haben mögen.
Grundimpfungen:
  • Tetanus
  • Diphtherie
  • Pertussis
  • Poliomyelitis
  • Masern
Bei Langzeitaufenthalt immer sinnvolle Reiseimpfungen:
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Typhus
  • Influenza
Je nach Reiseziel und -art:
  • Gelbfieber
  • Meningokokken-Meningitis
  • Japanische Enzephalitis
  • Tollwut
  • Pneumokokken
  • FSME
Gegebenenfalls sind auch Impfungen gegen Varizellen, Herpes zoster und HPV zu empfehlen.

Malariaprophylaxe
Die Beachtung von Gesundheitsschutzmaßnahmen, insbesondere von Mückenschutz und Malariavorbeugung mit Medikamenten, sind bei Langzeitaufenthalt oft unzureichend. Diese Reisenden benötigen vor ihren Einsätzen eine individuelle ärztliche Beratung, bei der das zu erwartende Risiko nach Tätigkeit, Region, Jahreszeit, Resistenz der Erreger und Verträglichkeit der Medikamente beurteilt und eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen wird.

Auch bei längerfristigen Aufenthalten und bei mehrfach wechselnden Aufenthalten in Malariagebieten sollte grundsätzlich eine Vorbeugung mit Medikamenten (Chemoprophylaxe) durchgeführt werden. Bei hohem Malariarisiko ist eine Chemoprophylaxe insbesondere während der Regenzeit oder bei Reisen mit eingeschränktem Moskitoschutz wichtig. Bei dieser Empfehlung ist die zu erwartende Schutzwirkung gegenüber den möglichen unerwünschten Nebenwirkungen des Medikamentes noch genauer abzuwägen als bei touristischen Kurzreisen. Es kommen daher nur Präparate in Frage, deren Anwendung über längere Zeit oder mehrfach im Jahr keine wesentlichen Nebenwirkungen hervorruft und zugleich eine angemessene Schutzwirkung erwarten lässt.