Auslandseinsätze bei der Bundeswehr:
Richtlinien und Erfahrungen
Dr. med. H.-U. Holtherm
 
Die Bundeswehr befindet sich seit nunmehr Jahrzehnten mit wechselnden Einsatzkontingenten in den unterschiedlichsten Auslandseinsätzen. Dabei können sich die Einsatzprofile signifikant unterscheiden. Zum Beispiel stellt ein langfristiger Stabilisierungseinsatz auf dem Balkan ganz andere Anforderungen an die medizinische Vorbereitung und Versorgung der Soldaten als ein kurzfristiger humanitärer Einsatz zur Hilfe von Tsunamiopfern in Indonesien. Die Einsatzdauer kann von wenigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren, ja Jahrzehnten liegen.
Die Richtlinien für die medizinische Versorgung der Bundeswehreinsatzkräfte beruhen auf der Maxime des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, die garantieren soll, dass die medizinische Versorgung der Einsatzkräfte der Bundeswehr im Einsatz im Ergebnis dem einer Versorgung in Deutschland entsprechen muss.

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr kommt im Rahmen der Einsatzvorbereitung, - während der Einsätze und in der Einsatznachbereitung seinem Auftrag zur umfassenden sanitätsdienstlichen Versorgung der Soldaten nach.

Vor dem Einsatz durchläuft jeder Soldat eine Verwendungsfähigkeitsbegutachtung, die sich vom Umfang her an den zivilen Vorgaben der berufsgenossenschaftlichen Grundsätze orientiert (G-Untersuchungen). Spezialkräfte wie zum Beispiel Fallschirmjäger, Taucher und Kommandosoldaten durchlaufen noch spezielle Begutachtungsverfahren.
Der Verhinderung von Infektionskrankheiten kommt wegen ihres unmittelbaren Einflusses auf die Einsatzbereitschaft ganzer Kontingente eine herausragende Bedeutung zu. Impf - und sonstige Prophylaxemaßnahmen haben deshalb für militärische Kontingente eine besondere Bedeutung. Die Bundeswehr hat eine Weisung zu "Einsatzbezogenen Impf und Prophylaxemaßnamen" erlassen. In dieser Weisung sind, adaptiert an die unterschiedlichen Einsatzprofile, die Impf- und Prophylaxemaßnahmen für alle Einsatzkontingente zusammengefasst. Die angewiesenen Impfungen sind für die Einsatzsoldaten duldungspflichtig.

Im Einsatz stehen den Soldaten modulare Santiätseinrichtungen je nach Einsatzprofil zur Verfügung. Das Spektrum reicht von der mit einem Truppenarzt besetzten Rettungsstation bis hin zu Einsatzlazaretten mit unterschiedlichsten Facharztspektren. Die sogenannte Rettungskette im Einsatz stellt sicher, dass die Soldaten im Fall von Verletzungen oder Verwundungen schnell ebenengerecht transportiert und versorgt werden können. Für Repatriierungen nach Deutschland stehen MedEvac Flugzeuge zur Verfügung, in denen teilweise mehrere intensivpflichtige und beatmete Patienten fachärztlich versorgt und transportiert werden können.

Nach dem Einsatz finden Rückkehrerbegutachtungen statt, um bis dahin unerkannte Gesundheitsschädigungen entdecken und behandeln zu können. Besondere Aufmerksamkeit haben Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) erlangt, für deren Betreuung speziell ausgebildete Psychiater, Psychologen sowie die Militärseelsorge zur Verfügung stehen.