Malariaprophylaxe bei Abenteuerreisen
Dr. med. Klaus-J.Volkmer
Buchholz i.d.Nordheide
 
Der Trend zu sogenannten "Abenteuerreisen" wächst. Waren es bis vor kurzem Einzelgänger oder kleinere Gruppen, die vom bequemen Weg des konfektionierten Tourismus abwichen, werden derartige Erlebnisse heute in zunehmendem Maße von professionellen Veranstaltern vermarktet. Amerikanische Statistiken registrierten im Verlauf der letzten 20 Jahre eine jährliche Steigerung um 10%.

Der Begriff "Abenteuerreise" ist nicht definiert. So spannt sich der Erlebnisbogen von der Heidewanderung über Tiefseesport, Extrembergsteigen, Urwaldtrekking, Überlebenstraining, Sextourismus bis zum Weltraumflug. Demgegenüber ist die Datenlage zu gesundheitlichen Risiken auf solchen Reisen spärlich. In einer retrospektiven Studie an 2.915 weltweit agierenden jugendlichen Teilnehmern organisierter Expeditionsreisen gaben 64% medizinische Probleme an, 6% wurden als ernsthaft eingestuft, darunter ein Todesfall am Berg. Am häufigsten wurden gastro-intestinale und respiratorische Infekte sowie Unfälle genannt.

Eines der beliebtesten Eldorados für Erlebnisreisende ist und bleibt der tropische Urwald. Hier liegen die Schnittpunkte mit der Malaria. Die og. Studie weist in 28 der 34 bereisten Länder endemische Malariagebiete aus. Bei einer Reisedauer von 4 Wochen wurden insgesamt 12 verdächtige und 6 bestätigte Erkrankungen registriert, letztere ausschließlich aus Afrika.

Prinzipiell unterscheidet sich die Malaria bei Abenteuerreisen nicht von der anderer Provenienz, es gibt keine "Wilderness Malaria". So wird sich die reisemedizinische Beratung zunächst an den üblichen Parametern orientieren: Gibt es im Reisegebiet Malaria, wenn ja wie viel (Prävalenzen), saisonal oder ganzjährig, Parasitenart und Resistenzen - Daten, die aus jedem besseren Informationssystem abrufbar sind. Hinzu kommen mitgebrachte persönliche Risikofaktoren wie Gesundheitszustand und Alter. Notwendig ist auch eine gesunde Compliance, die potentielle Gefahr richtig einzuschätzen. Hier muss man bei Abenteurern, die nicht selten "cool" mit "immun" verwechseln, besonders aufmerksam sein.

Die wichtigsten Risikofaktoren bei Erlebnisreisen liegen im Reisestil. Aufenthalte in hochendemischen Malariagebieten mit nächtlichen Aktivitäten im Freien oder mückenoffenen Schlafplätzen, allein der Besuch touristisch nicht erschlossener Gebiete, können die Infektionsgefahr erheblich erhöhen.

Eine optimale Malariavorbeugung besteht immer in einem sinnvollen Verhältnis zwischen Risikofaktoren und Schutzmaßnahmen. Bei einem höheren Risiko wird es oft notwendig sein, die vorhandenen Vorbeugungsmöglichkeiten voll auszuschöpfen. Das beginnt mit einem sorgfältigen Schutz vor Stechmücken in den Abend- und Nachtstunden. Bei den Repellents ist darauf hinzuweisen, dass Mittel auf pflanzlicher Basis durchweg weniger wirksam sind als chemische Substanzen, vor allem das DEET in ausreichender Konzentration (50%). Nicht selten ist dem "Trekker" eine medikamentöse Vorbeugung anzuraten, auch wenn sie der Hoteltourist in der gleichen Region nicht braucht. Hier sollte der Berater keine Hemmungen haben, von den diesbezüglichen Standardempfehlungen etwa der DTG abzuweichen.

Wenn eine Chemoprophylaxe indiziert ist, stehen die bekannten Medikamente zur Verfügung, wobei auf Kontraindikationen und Wechselwirkungen zu achten ist. Bei der Wahl des Mittels werden das Chloroquin wegen verbreiteter Resistenzen und das Mefloquin wegen ungewisser Verträglichkeit kaum zur Anwendung kommen. Bei den beiden anderen ergibt sich ein deutlicher Feldvorteil für das Doxycyclin. Sein breites Wirkungsspektrums deckt zahlreiche Erreger ab, die für Abenteuerreisende von größerer Bedeutung sind als für "normale" Touristen, wie z.B. die Leptospirose. Es gibt zahlreiche Hinweise für eine prophylaktische Wirksamkeit des Mittels auch gegen andere Erkrankungen, wobei die Standard-Dosierung für die Malariavorbeugung von 100 mg pro Tag in jedem Fall ausreichend ist. Anders als bei der Malaria gibt es hierfür jedoch kaum valide Daten aus wissenschaftlichen Studien. Über Risiken und Nebenwirkungen ist selbstverständlich aufzuklären.

Die "Buschtrommel" hat uns erreicht. Trotz aller Begeisterung für verlockende Angebote mit dem besonderen Kick im Dschungel der Werbung sollte der Arzt bei einem unvertretbar hohen Risiko auch mal von einer derartigen Reise abraten. Meist lässt sich ein gleichwertiges Abenteuer auch in einem malariafreien Gebiet finden.