Abenteuerreisen im Alter - Entwicklung und medizinische Besonderheiten
Dr. med. Ulrich Klinsing,
stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin, Arzt für Allgemeinmedizin, Frankfurt
 
Die Zahl älterer Menschen, die Reisen unternehmen, nimmt ständig zu. Zu beobachten ist insbesondere auch ein Zuwachs an Flugreisen in außereuropäische Länder und die Teilnahme von Senioren an "abenteuerlichen" Reiseunternehmungen. Anhand von einigen Fallbeispielen wird dieser Trend verdeutlicht. Bei den "älteren Reisenden" haben wir es allerdings mit einer sehr heterogenen Gruppe mit unterschiedlichen biologischen und gesundheitlichen Voraussetzungen zu tun. Wichtig für die medizinische Beurteilung eines solchen Vorhabens ist die ebenfalls sehr unterschiedliche Motivation, die ältere Menschen dazu bringt, sich auf solche Unternehmungen einzulassen. Dies reicht von der Verwirklichung eines Jugendtraumes bis zur Überwindung von Einsamkeit nach Partnerverlust.

Auf der einen Seite handelt es sich um Reisen, die in unterschiedlicher Ausprägung häufig in abgelegene, klimatisch belastende Gegenden führen, häufig körperlich und geistig außergewöhnlich "anstrengend" sind und nicht bis ins letzte Detail planbar sind, also durchaus auch medizinisch relevante Unwägbarkeiten enthalten. Durch mangelnde Information ist den älteren Menschen teilweise auch nicht recht bewusst, auf welche Wagnisse sie sich tatsächlich einlassen. Auf der anderen Seite erreichen zwar erfreulicher Weise immer mehr Menschen bei relativ guter körperlicher und psychischer Verfassung ein hohes Alter. Dennoch ist mit gesundheitlichen Einschränkungen und "normalen" physischen Abbauprozessen zu rechnen, die bei der Teilnahme an solchen Abenteuern berücksichtigt werden müssen. Es ist bei steigendem Alter mit einer erhöhten Häufigkeit von auch unerkannten Erkrankungen zu rechnen, zudem haben chronische Erkrankungen im Alter häufig besondere Verläufe und es kommt zu einer alterstypischen Polymorbidität. Die hinzukommenden physiologischen Alterungsprozesse betreffen die Organe in unterschiedlicher Ausprägung, sind aber insbesondere bei den zu erwartenden Grenzbelastungen von großer reisemedizinischer Bedeutung.

Eine wesentliche Aufgabe des bei der Reisevorbereitung konsultierten Arztes ist es daher, besondere Gefährdungskonstellationen zu erkennen und im Bereich seiner Möglichkeiten bei der Reiseplanung einerseits und bei der gesundheitlichen Vorbereitung des Patienten andererseits Einfluss zu nehmen. Anhand von typischen Fragen von Patienten bei der Vorbereitung von außergewöhnlichen Reisen werden speziellen Beratungsinhalte herausgestellt. Eine im Ablauf zeitlich gestaffelte Vorbereitungsstrategie, die besonders bei anspruchsvollen Reisen von Senioren zum Tragen kommt, wird vorgestellt.

Abschließend ist festzustellen, dass die Teilnahme von Senioren auch an abenteuerlichen Unternehmungen - allerdings im medizinisch vertretbaren Rahmen - unter verschiedensten Gesichtspunkten durchaus sehr begrüßenswert ist.