Einsatz in den Tropen - Präventionsstrategien für militärische Kontingente
Dr. med. H.-U. Holtherm
Sanitätskommando I, Präventivmedizin, Kiel
 
Militärische Einsätze lassen sich sicherlich nicht unter dem reisemedizinischen Thema: "Abenteuerreisen" subsumieren. Dennoch werden auch in der Vorbereitung militärischer Einsätze, besonders in den Tropen, umfangreiche medizinische Präventionsstrategien angewandt, um die Gesundheit der Soldaten unter schwierigen Bedingungen schützen zu können. Der Verhinderung von Infektions- und Tropenkrankheiten wie z.B. der Malaria oder infektiöser Enteritiden in tropischen /subtropischen Klimazonen kommt wegen ihres unmittelbaren Einflusses auf die Einsatzbereitschaft ganzer Kontingente eine herausragende Bedeutung zu.Wegen der Länge der Einsatzzeiten, meist über mehrere Monate, und der, z.B. bei Stabilisierungsoperationen, zum Teil über Jahre stationären Einsatzorte, sind besondere- und teilweise von zivilen Präventionsstrategien abweichende Maßnahmen erforderlich.

Als Grundlage dieser Präventionsmaßnahmen wurden neben der Anwendung der klassischen, auch im zivilen Bereich bewährten reisemedizinischen Instrumente, die sogenannten "tropenmedizinisch-entomologischen Risikoevaluierungen" in der Einsatzvorbereitung und während der Einsätze entwickelt.

Diese Risikoevaluierungen bestehen aus verschiedenen Elementen:
  1. Entomologische Vektordruckbestimmungen, bei denen vor Ort an geeigneten Stellen der Stationierungsorte die Dichte der Krankheitsvektoren, z.B. Aedes oder Anopheles Mücken bestimmt wird, um eine reelle Einschätzung des Infektionsdruckes zu erhalten.
  2. Überprüfung der Prophylaxemaßnahmen vor Ort (z.B. Vektorbekämpfungsmaßnahmen, Expositionsprophylaxe, Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene, Chemoprophylaxe).
  3. Risikokommunikation gegenüber den Einsatzkräften zur Erhöhung der Compliance bei der Einhaltung der angewiesenen Prophylaxemaßnahmen, z.B. bei der Malariachemoprophylaxe.
  4. Überprüfung der diagnostischen und therapeutischen Bereitschaft des Sanitätsdienstes vor Ort in Bezug auf Tropenkrankheiten.
  5. Kommunikation und Informationsaustausch mit lokalen Gesundheitsbehörden, Nichtregierungsorganisationen und Internationalen Organisationen vor Ort zur Spezifizierung der vorhanden medizinischen Informationen über das Einsatzgebiet.
Zur fachgerechten Durchführung der Risikoevaluierungen sind interdisziplinäre sanitätsdienstliche Fähigkeiten, wie z.B. Tropenmedizin, Arbeitsmedizin, Hygiene- und Umweltmedizin, Veterinärmedizin und medizinische Entomologie notwendig. Die durchführenden Teams werden lage- und situationsabhängig in Bezug auf die jeweils benötigte Expertise zusammengestellt.

Die geschilderten umfangreichen Anstrengungen der Bundeswehr zur Gesundheitsprophylaxe in der Einsatzvorbereitung und Einsatzdurchführung haben dazu beigetragen, dass die Erkrankungshäufigkeit deutscher Soldaten in tropischen Regionen im internationalen Vergleich sehr niedrig ist.