Tröpfcheninfektion nicht nur auf der Hadj - Meningokokken-Meningitis
OA Dr. Dr. med. Martin Haditsch
TravelMedCenter Leonding und aö. Krankenhaus der Elisabethinen Linz / Österreich
 
Meningokokken sind die häufigste Ursache einer bakteriellen Meningitis. Darüber hinaus haben diese Bakterien auch das Potential eine Sepsis, im schwersten Fall in Kombination mit einer disseminierten intravasalen Thrombenbildung (DIC) und einer daraus resultierenden Gerinnungsstörung auszulösen. Aufgrund der Möglichkeit zu einem dramatischen Verlauf gehören Meningokokken-Infektionen zu den wenigen bakteriellen Infektionskrankheiten, bei denen die ehest mögliche (Verdachts-)Diagnosestellung (Wasserglastest!) und prompte Therapie lebensrettend sein können und Antibiotika somit den Stellenwert eines Notfallmedikamentes besitzen.

Man unterscheidet unterschiedliche Typen von Meningokokken (von den zahlreichen Serogruppen sind A, B, C, W 135, Y die bedeutendsten), die ihrerseits auch wieder ein unterschiedliches globales Verteilungsmuster zeigen. Während bei uns (in Mitteleuropa) derzeit Vertreter der Serogruppe B am häufigsten sind, werden in den globalen Höchstrisikogebieten (Meningokokkengürtel in Afrika, Norden des indischen Subkontinentes) in erster Linie Keime der Serogruppe A und C nachgewiesen. Offensichtlich sind für den Krankheitsausbruch zahlreiche Faktoren notwendig, welche noch nicht alle erforscht sind. Bekannt ist, dass viele Personen der Gruppe der asymptomatischen Träger angehören, sodass das Fehlen epidemischer Signale in Risikogebieten nicht zwangsläufig ein niedriges individuelles Risiko bedeutet. Allgemein gelten Faktoren wie große Menschenansammlungen (insbesondere bei unterschiedlichster Herkunft der Betroffenen wie z.B. bei Massenpilgerveranstaltungen / nicht nur in Form des Hadj), die Ansammlung von Menschengruppen auf engem Raum (wie z.B. in Kasernen, auf Skikursen und bei Schüleraustausch, aber beispielsweise auch in Diskotheken) oder auch saisonale Unterschiede (z.B. Trockenzeit in Afrika) als (zusätzliche) Risikofaktoren. Auf dieser Basis sollten auch seriöserweise Risikosituationen eingestuft werden.

Das Gesamtrisiko wird noch durch Alter und den (geographisch unterschiedlichen) durchschnittlichen Kolonisationsgrad (die "Trägerrate") mitbestimmt. So gelten bei uns (bei einer zweigipfeligen Altersverteilung heimisch erworbener Infektionen) Kleinkinder und Jugendliche / junge Erwachsene als spezifisch gefährdet. Dazu kommen Reisende in Risikogebiete und all jene, die privat oder beruflich mit Erkrankten in engen (!) Kontakt kommen.

Der Infektion kann man in dreierlei Form entgegenwirken: da die Erreger als Tröpfcheninfektion durch die Atemluft übertragen werden sind expositionsprophylaktische Maßnahmen (persönlicher Schutz durch Tragen einer Mund-Nasen-Maske) wichtig. Diese Form der Vorsorge gilt in den entsprechenden Berufsgruppen bzw. bei riskanten Maßnahmen ("exposure prone activities") als Standard. Im Falle eines möglichen Kontaktes besteht auf Grund der Ätiologie (bakterielle Erreger) die Option der Chemoprophylaxe mittels Antibiotika. Diese Form der Vorsorge wird üblicherweise jenen Personen angeboten, die mit einem Erkrankten engen ungeschützten Kontakt hatten. Besonders wichtig ist die dritte Möglichkeit der Vorsorge - die Schutzimpfung. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Impfstoffe, die jedoch geographisch in unterschiedlichem Maß wirksam und nicht überall erhältlich sind (ein Über- und Ausblick soll beim Vortrag gegeben werden).

Aufgrund der leichten Übertragbarkeit (aerogen mit dem Potential zur epidemischen Ausbreitung) und dem Schweregrad des Krankheitsbildes gibt es in manchen Gegenden "offizielle" Gegensteuerungsmaßnahmen. Am deutlichsten tritt dies wohl in Saudi-Arabien zu Tage, wo die Einreise während des Hadj nur mit einem international gültigen Impfzertifikat gestattet ist (laut International Health Regulations ist ein tetravalenter Impfstoff vorgeschrieben!). Andere Beispiele sind ein standardisiertes Impfprogramm gegen Meningokokken Typ C in Großbritannien, die Impfung von Kindern und Jugendlichen in Neuseeland gegen Meningokokken Typ B sowie die Definition von Meningokokken-Risikogebieten und die Ausarbeitung von nationalen und internationalen Impfempfehlungen für Reisende.