Mückenübertragene Viren und ihre medizinische Bedeutung:
Dengue-Fieber, Chikungunya-Fieber, Gelbfieber, Japan-Enzephalitis, West Nil-Fieber
OFA Dr. med. Gerhard Dobler
Abt. für Virologie & Rickettsiologie
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, München
 
Stechmücken besitzen neben ihrer Eigenschaft als blutsaugende Lästlinge (Ektoparasiten) auch die Fähigkeit Viren zu übertragen. Diese Viren werden zur ökologisch definierten Gruppe der Arboviren (Arthropod-Borne Viren) gerechnet. Es gibt insgesamt mehr als 250 Viren, die durch Stechmücken übertragen werden. Darunter finden sich einige der wichtigsten viralen Tropenerkrankungen.

Die zahlenmäßig medizinisch bedeutendste durch Stechmücken übertragene Virusinfektion ist das Dengue-Fieber. Es treten etwa 50-80 Millionen Dengue-Infektionen jährlich auf. Die Infektion äußert sich symptomatisch als klassisches Dengue-Fieber mit Fieber und starken Knochen- und Muskelschmerzen oder als Dengue Hämorrhagisches Fieber. Schätzungsweise 1% der Infektionen verlaufen als hämorrhagisches Fieber oder als Schock-Symptomatik. Dengue-Fieber wird auch bei Tropenrückkehrern häufig diagnostiziert und möglicherweise mehr als 1.000 Erkrankungsfälle jährlich werden nach Deutschland eingeschleppt.

Seit dem Beginn der Chigungunya-Virus-Pandemie 2006 in Afrika hat sich diese Virusinfektion über die Inseln des Indischen Ozeans und Indien bis nach Südostasien ausgebreitet, wo es aktuell epidemisch auftritt. Die Infektion manifestiert sich als fieberhafte, äußerst schmerzhafte Arthritis, die in einem Teil der Patienten mehrere Monate anhalten und zu einer langen Arbeitsunfähigkeit führen kann. Seit Ende 2007 hat die Häufigkeit der Erkrankungsfälle in München allerdings stark abgenommen.

Gelbfieber hat im Jahr 2008 eine Renaissance in Südamerika erlebt und ist dort in Teilen Brasiliens, Argentiniens und Paraguays aufgetreten, in denen seit Jahrzehnten kein Gelbfieber mehr oder noch niemals aufgetreten war. In den letzten Jahren wurde immer wieder über schwere Impfkomplikationen nach Gelbfieber-Impfung, insbesondere bei Erstimpfung älterer Reisender berichtet. Gelbfieber tritt bei Reisenden sporadisch auf.

Die Japanische Enzephalitis ist die häufigste Form einer durch Arthropoden übertragenen Enzephalitis. Schätzungsweise 30.000-40.000 Infektionen treten jährlich in den endemischen Regionen des Indischen Subkontinents und Südost- und Ostasiens auf. Etwa jede dritte Infektion verläuft tödlich, rund die Hälfte der überlebenden Patienten weisen lebenslang neurologische Restschäden auf. Eine Therapie ist nicht möglich. Die intensive Suche nach Erkrankungsfällen bei Reisenden zeigt, dass die Infektion bei Reiserückkehrern häufiger zu sein scheint, als bisher angenommen. Aktuell ist ein neuer Impfstoff in der Zulassung, so dass bald ein zugelassener Impfstoff für Reisende zur Verfügung stehen wird.

Die Infektion mit West Nil-Virus führte nach seiner Einschleppung und Ausbreitung in Nordamerika immer wieder zu Unruhe in der Öffentlichkeit. Allerdings kommt diese Virusinfektion seit mindestens 50 Jahren in Teilen Süd- und Südosteuropas vor. Eine Ausbreitung innerhalb Europas, insbesondere nach Norden und Mitteleuropa ist bisher nicht erkennbar. West Nil-Virus wird vereinzelt von Reisenden aus Europa und aus Nordamerika importiert und sollte auch bei Reisenden mit fieberhaften Infektionen oder Infektionen des ZNS diagnostiziert bzw. ausgeschlossen werden.