Gifttierunfälle an Land: Prävention und Therapie
Dr. Mauro Bodio
Freischaffender Biologe, Autor, Basel
Schweiz. Tropeninstitut
Zoo Basel
 
Wenn von Gifttier-Unfällen in Zusammenhang mit der Reisemedizin die Rede ist, so muss vor allem an Unfälle beim Baden im marinen Milieu gedacht werden. Fischstiche oder Quallennässelungen sind wohl die hauptsächlichen Gefahren denen sich Touristen ausgesetzt sehen. Im Vergleich dazu sind Unfälle mit landbewohnenden Gifttieren bei Reisenden seltener, gehören epidemiologisch gesehen aber zu den wichtigsten Vergiftungsformen in der Bevölkerung der ländlichen Tropen. Insbesondere Schlangenbisse können gebietsweise ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko darstellen.

Reisende sind den Bissen oder Stichen durch landbewohnende Gifttiere vor allen dann ausgesetzt, wenn sie sich abseits der touristisch erschlossenen Zonen oder in einfachen Unterkünften, warmer und tropischer Länder aufhalten. Die Gifttiere die hierbei in Frage kommen gehören vor allem in die drei verschiedenen Gruppen: Skorpione, Spinnen und Giftschlangen. Daneben sind auch Vergiftungen durch tropische Hundertfüßler, Schmetterlingsraupen oder Zecken möglich.

Skorpione sind ausnahmslos nachtaktive Tiere und Unfälle ereignen sich dem entsprechend meist beim nächtlichen, barfüssigen Umhergehen im Wohnbereich. In der Regel ist der Skorpionsstich mit starken Schmerzen und lokalen Symptomen verbunden, aber einige Arten können zudem neurotoxische Vergiftungen verursachen. Antivenine für gefährliche Arten sind vorhanden. Wie aber auch bei den Gegengiften für Schlangen wird den Reisenden nicht empfohlen solche mitzunehmen, dies vor allem deshalb, weil der Laie nicht beurteilen kann, wann Antivenine indiziert sind und er diese aus Gründen eventueller, schwerwiegender Nebenwirkungen auch nicht selbst verabreichen darf.

Spinnenbisse ereignen sich weltweit und sind durchaus nicht selten. Da Spinnen proteolytische Gifte zur Vorverdauung ihrer Beute besitzen, rufen Vergiftungen durch viele Arten lokale Nekrosen hervor. Einige wenige, wie die Schwarze Witwe, die südamerikanischen Kammspinnen oder die Australische "Funnelweb spider" können, ähnlich wie Skorpione auch zu systemischen Vergiftungen mit neurotoxischen Symptomen führen.

Giftschlangen stellen mit 100.000 - 150.000 tödlichen Vergiftungen pro Jahr die wichtigste Gifttiergruppe überhaupt dar. Komplexe Giftcocktails können im Menschen lokale, autopharmakologische, haemo-, neuro-, myo-, nephro- oder cardiotoxische Effekte hervorrufen. Daher steht für diese Gruppe eine reiche Palette an Antiveninen zur spezifischen Behandlung zur Verfügung. Allerdings muss in etlichen Fällen, wo die Schlange nicht gesehen wurde, über indirekte Kriterien der mögliche Verursacher eingegrenzt werden um das richtige Antivenin für die Therapie zu wählen. Strategien dazu werden angesprochen.