Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes
Dr. Enno Winkler,
Leiter des Gesundheitsdienstes Auswärtiges Amt, Berlin
 
Zwanzig Jahre Reisemedizin in Deutschland, zwanzig Jahre Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf - ein bedeutendes Jubiläum !
Als sie anfing, die Reisemedizin in Deutschland, haben wir im Auswärtigen Amt schon unser zwanzigjähriges Jubiläum gehabt, allerdings hatte der Beginns des Gesundheitsdienstes des Auswärtigen Amtes sicherlich mehr betriebsärztliche als reisemedizinische Gründe.
Von vorn herein war unser Dienst so konzipiert, dass neben einer betriebsärztlichen Untersuchungsstelle in der Zentrale in Bonn auch ärztlich besetzte "Außenstellen" geschaffen wurden, die zu einer regelmäßigen medizinischen Betreuung unserer Beschäftigten an den Deutschen Botschaften und Generalkonsulaten einen Beitrag leisten sollten. Dieses medizinische Betreuungssystem für unsere Diplomaten aber auch deren Familienangehörige und unsere lokal beschäftigen Mitarbeiter an gesundheitlich und klimatisch schwierigen Dienstposten hat sich bewährt - 1990 wurde im "Gesetz über den Auswärtigen Dienst (GAD)" folgendes festgelegt:
"Der Auswärtige Dienst unterhält zur Vorsorge gegen besondere gesundheitliche Gefährdungen seiner Beamten und ihrer Familienangehörigen einen eigenen Gesundheitsdienst".

Heute sind ca. 40% unserer Diplomaten an Posten versetzt, die wir für gesundheitsgefährdend halten. Mit deren Familienangehörigen sind das ca. 7.700 Menschen, die im Auftrag des Auswärtigen Amts für einige Jahre in Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika und in Osteuropa leben und arbeiten. Alle zwei Jahre und auch bei Versetzungen erfolgen umfangreiche medizinische Untersuchungen für diese Kolleginnen und Kollegen, die Partner und Kinder mit einschließen und sich an den berufsgenossenschaftlichen Vorschriften orientieren. Im Sinne des "One stop shopping" werden gleich auch die notwendigen Impfungen und reisemedizinischen Beratungen mit erledigt.
Die weltweit tätigen zwanzig Fachärzte und Psychologen - neun sind an unseren "Außenstellen", den Regionalarzt - Dienststellen tätig - haben ein sehr umfangreiches Aufgabengebiet zu erledigen, nicht nur die schon erwähnte "klassische" Betriebsmedizin. Dies macht unseren Dienst sicher zu einer Besonderheit in Deutschland. Weltweit beantworten wir Fragen zu gesundheitlichen Gefährdungen durch Infektionen, wir beschäftigen uns mit der aviären Influenza, die sicherlich unsere Mitarbeiter an den Deutschen Botschaften in Südostasien anders bedroht als die Bevölkerung in Deutschland, wir begleiten medizinisch Asbestsanierungen an unserem Konsulat in Moskau und unserer Botschaft in Kopenhagen, wir beantworten Fragen junger Frauen, die nach Kiew oder Minsk versetzt werden und die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl nicht vergessen haben.
Wir beantworten Bürgeranfragen, z.B. von Geschäftsreisenden, die entlegene Gebiete Chinas besuchen wollen.
Seit nunmehr dreizehn Jahren mischen wir uns auch aktiv in die reisemedizinische Weiterbildung ein - unser "Symposium - Reise- und Impfmedizin, Internationale Gesundheit" im Auswärtigen Amt zieht jährlich ca. 800 reisemedizinisch interessierte Ärztinnen und Ärzte an. Wir tun dies in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) aber auch mit dem Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf, dass seit unseren Anfängen dabei ist.

Im Rahmen des allgemeinen Engagements des Auswärtigen Amts für Deutsche im Ausland wollen wir, dass Sie sicher reisen ! Dafür sind unsere Konsulate im Ausland zuständig, besonders wenn es mal nicht so klappt, aber auch die Informationen unserer Länderreferate, die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts, die auf der Web-Site des AA für jeden ratsuchenden Bürger einsehbar sind (www.diplo.de/sicherreisen). Den medizinischen Teil dieser nützlichen Hinweise den bereiten wir vom Gesundheitsdienst auf und versuchen ihn möglichst aktuell zu halten. Dabei helfen uns unsere Regionalärzte im Ausland, sie evaluieren die medizinische Infrastruktur "Ihrer" Botschaften und Generalkonsulate, sie haben Kontakt zu Ärzten und Epidemiologen vor Ort, um über aktuelle Entwicklungen von Endemien zu berichten.
Auch "Service" ist eine wichtige Aufgabe des Gesundheitsdienstes - im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung für die Beschäftigten aber auch als Not- und Hausärzte bei den Delegationsreisen der Bundeskanzlerin und des Außenministers.

Besonders stolz bin ich auf unsere Psychosoziale Beratungsstelle, die auch in diesem Jahr zwanzig Jahre alt wird: Der häufige Wechsel der Kulturkreise, das Verlassen von Freunden und Verwandten kann für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, für deren Partner aber besonders auch für die Kinder eine Herausforderung sein, die nicht immer spurlos verkraftet wird. Die Posten im Ausland sind leider nicht immer "Inseln der Glückseligen" - kulturelle Isolierungen, ja Gefahren durch unbekannte Krankheiten, durch Kriminalität und kriegerische Auseinandersetzungen können zu psychischen Störungen und auch zu manifesten Erkrankungen führen. Sie haben viel zu tun unsere beiden Psychiater und unsere Psychologin - auch wenn sie in Notsituationen wie Entführungen und Geiselnahmen von Deutschen im Ausland die Botschaften aber auch die Angehörigen der Opfer beraten. Sie sind zur Stelle, wenn es darum geht, psychische Notlagen bei Großschadensereignissen wie dem Tsunami in Südostasien zu lindern oder den vielen deutschen Flüchtlingen aus dem Libanon zur Seite zu stehen.

Zusammenfassend ist festzuhalten:

Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes ist ein großer Betriebsärztlicher Dienst mit übergeordneten Aufgaben. Zu ihm gehört eine eigenständige Psychosoziale Beratungsstelle.

Er ist zuständig für die gesundheitlichen Belange der Beschäftigten des AA und deren Familienangehörigen.

Er ist zuständig für die Gesundheit örtlich beschäftigter Mitarbeiter an den Botschaften und Konsulaten.

Er hat übergeordnete Aufgaben bei Großschadensereignissen und Geiselnahmen im Ausland.