Tuberkulose - Eine alte Seuche wieder auf dem Vormarsch
Dr. med. August Stich,
Tropenmedizinische Abteilung der Missionsärztlichen Klinik Würzburg
 
Die Tuberkulose zählt zu den verheerendsten Infektionskrankheiten der Menschen. Fast jeder Dritte auf der Welt ist mit dem Erreger Mycobacterium tuberculosis infiziert. In den Ländern der Dritten Welt und Osteuropas führt die Tuberkulose zu schwerwiegenden medizinischen Problemen und erheblichen Belastungen des Gesundheitssektors. So ist die Tuberkulose weltweit gesehen die häufigste opportunistische Infektion bei der HIV-Krankheit. Fehlerhafte oder unterbrochene Einnahme von Medikamenten, ein häufiges Problem in schlecht organisierten und unzureichend ausgestatteten Gesundheitssystemen, birgt das Risiko des Entstehens resistenter Mykobakterienstämme, die sich auch in der Bevölkerung ausbreiten können. So sind inzwischen erhebliche Prozentzahlen der Erkrankungsfälle in Osteuropa resistent gegen die beiden wichtigsten Tuberkulostatika Rifampicin und Isoniazid (MDR-Tb). Besondere Besorgnis entstand 2006 durch das Auftreten extrem resistenter Formen (XDR-Tb) bei HIV-Patienten im südlichen Afrika.

Im Vergleich zur Bedeutung für die medizinische Versorgung der Bevölkerung in südlichen und östlichen Ländern ist die Tuberkulose in der Reisemedizin nur von begrenzter Bedeutung. Allein schon die lange Inkubationszeit bis zum Entstehen der postprimären Lungentuberkulose lässt es im Einzelfall oft nicht zu, einen kausalen Zusammenhang zwischen Erkrankung und Fernreise herzustellen.

Andererseits ist die pulmonale und besonders die extrapulmonale Tuberkulose eine vergleichsweise häufige und schwierige Differenzialdiagnose bei einer Fülle von Erkrankungen von Patienten mit Migrationshintergrund. Der rationale Aufbau einer zielführenden Diagnostik, bestehend aus dem Erregernachweis über Mikroskopie (säurefeste Stäbchen), PCR oder Kultur bis hin zum pathohistologischen Nachweis der typischen epitheloidzellhaltigen Granulomen mit zentraler Verkäsung ist oft sehr anspruchsvoll.

Im Prinzip ist die Tuberkulose durch eine Kombination verschiedener Antibiotika auch mit ihren resistenten Stämmen therapeutisch angehbar. Die eigentlichen Schwierigkeiten bei der Behandlung bestehen in der Unterbrechung von Infektionsketten durch Isolation und Umgebungsuntersuchungen, der Sicherstellung einer ausreichend langen Therapiedauer von mindestens sechs Monaten und dem Umgang mit den teilweise beträchtlichen Arzneimittelnebenwirkungen.