Höhentrekking von Touristen - medizinische Risikoabklärung und ärztliche Beratung vor der Reise
Dr. med. W. Schaffert, Deutsche Gesellschaft f. Berg- u. Expeditionsmedizin e.V. (BExMed)
 
Millionen von Menschen besuchen weltweit jährlich Erholungsgebiete in Höhenlagen oberhalb 2400m. Hunderttausende führen Trekkingtouren oberhalb 4000m durch in Asien, Südamerika und Afrika. Millionen leben in Großstädten oberhalb 3000m in Südamerika und Asien mit vielen Geschäftsreisenden zu diesen Zielen. Reiseveranstalter, Arbeitgeber und beratende Ärzte sind daher zunehmend konfrontiert mit Fragen der Vorbeugung und Behandlung höhenbedingter Gesundheitsstörungen und dem Einfluß der Höhe auf vorbestehende Erkrankungen.Große Höhe ist der Bereich 1500m u. 3500m. Bereits hier nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit ab und es kommt zu gesteigerter Ruheatmung. Bei zu raschem und anstrengendem Aufstieg über 2500m tritt Höhenkrankheit häufig auf. Es besteht daher für einen Aufenthalt von länger als ca. 6 Stunden Akklimatisationspflicht. Das Maximum höhenbedingter Erkrankungen liegt in der 2. Nacht auf erstmals neuer Höhenlage. Sehr große Höhe ist der Bereich zwischen 3500m u. 5500m. Hier liegen die meisten Trekkingziele. Der arterielle Sauerstoffpartialdruck fällt von 100mmHg SL auf Werte unter 60mmHg, die maximale Sauerstoffsättigung in Ruhe sinkt unter 90% mit belastungsabhängig zunehmender Entsättigung. Extreme Hypoxie kann auftreten unter zu starker körperlicher Belastung, im Schlaf und besonders bei Höhenkrankheit.

H ö h e k a n n t ö t e n !

Extreme Höhe ist die Region oberhalb 5500m. Hier liegen die meisten "Trekkinggipfel" Es kommt zu ausgeprägter Hypoxämie und Hypokapnie und eine dauerhafte Akklimatisation ist unmöglich.
Zu rascher Aufstieg in diese Höhenlagen ohne Sauerstoff ist e x t r e m gefährlich!Es besteht eine erheblich unterschiedliche individuelle Prädisposition für höhenbedingte Erkrankungen. Diese ist für noch nicht höhenerfahrene Touristen vorab nicht durch eine spezifische Untersuchung festzustellen. Der Beratungsschwerpunkt liegt daher in der Einhaltung eines möglichst ungestörten Akklimatisationsprozesses. Dazu zählt insbesondere die Kenntnis der Früh- Warn- und Alarmsymptome höhenspezifischer Erkrankungen und ihrer Behandlungsmöglichkeiten. Die zuverlässigste Prävention ist ein langsamer Höhengewinn, obwohl besonders empfängliche Individuen trotzdem erkranken können. Daher müssen Notfallbehandlungs- und Rückzugsstrategien vorgehalten werden. Das Sterben in der Höhe ist niemals schicksalshaft unvermeidlich, sondern die Summe einer fatalen Kette von Unterlassungen und Fehlentscheidungen. Beispielhaft für Höhenziele um 4000m und 5000m wird ein Minimal- und Optimal- Zeit und Routenplan gefordert, an dem sich das Risikomanagment und die Seriosität von Reiseanbietern messen lassen muß.
Vorbestehende Erkrankungen können durch Höhenexposition ein Risiko darstellen entweder durch Verschlimmerung oder Beeinträchtigung der Akklimatisationsfähigkeit und damit erhöhter Anfälligkeit für Höhenkrankheiten. Hier ist eine Risikobewertung vor der Reise in Gruppen weitgehend ohne Risiko, in Gruppen mit erhöhter Vorsicht und in Gruppen mit Kontraindikationen gut möglich. Der beratende Arzt übernimmt eine große Verantwortung und sollte über qualifizierte höhenmedizinische Kenntnisse verfügen. Diese werden durch national durch die Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin- BExMed vermittelt.