Verletzungen durch Schlangen, Skorpione und andere Gifttiere - was tun?
Prof. Dr. Dietrich Mebs
Zentrum der Rechtsmedizin, Klinikum der Universität, Kennedyallee 104, 60596 Frankfurt/Main.
 
Gifttiere sind gerade in den Tropen artenreich vertreten. Doch ist es eher die Ausnahme, dass ein Tourist durch sie verletzt wird und eine Vergiftung erleidet. Vergiftungen nach dem Biss oder Stich eines Gifttieres verlaufen stets akut. Zur ersten Hilfe bei Gifttierunfällen ist ein rascher Transport zum nächsten Arzt oder Klinik vordringlich, Manipulationen an der Bissstelle (Einschneiden, Abbinden etc.) sind unbedingt zu vermeiden. Eine symptomatische Therapie ist in den meisten Fällen angezeigt, da Antidote (z.B. Antiseren) oft nicht vorhanden sind. Die Anwendung von Antiseren sollte nur dem Arzt vorbehalten bleiben, der auf alle Komplikationen wie einen anaphylaktischen Schock vorbereitet sein sollte. Sie sind stets intravenös anzuwenden, etwa in Form eines schnell-laufenden Tropfs, der bei Auftreten von Komplikationen gestoppt werden kann.

Quallen kommen in allen Weltmeeren vor. Bei Berührung mit ihren Tentakeln kommt es zu schmerzhaften, auch folgenreichen Nesselverletzung. Auf der Haut klebenden Tentakeln sind umgehend zu entfernen. In schweren Fällen ist umgehend ärztliche Hilfe aufzusuchen. Der Stich eines Stachelrochens hat schwere Verletzungen zur Folge. Skorpione sind weltweit verbreitet. Ihr Stich ist oft schmerzhaft, hat aber auch mitunter schwere Vergiftungen zur Folge mit Komplikationen eines Lungenödems. Antiserum-Therapie, wenn verfügbar. Nur wenige Spinnen können mit ihrem Biss die menschliche Haut durchdringen. Der Biss der schwarzen Witwe ist mit lange anhaltenden Schmerzen verbunden. Vogelspinnen sind durchweg harmlos.

Schlangenbisse lösen eine unterschiedliche Vergiftungssymptomatik aus: neurotoxische Symptome wie Lähmung der Augen- und Gesichtsmuskulatur sowie Atemlähmung; Muskelschmerzen mit dunkelbraunem Urin (Myoglobin); Störung der Blutgerinnung mit Ungerinnbarkeit des Blutes; lokales Ödem, Hämorrhagie, Nekrose um die Bissstelle. Intravenöse Applikation von Antiserum ist die einzige spezifische Therapie einer Vergiftung nach Schlangenbiss. Antiseren gehören in die Hand des Arztes, jede Selbstanwendung ist lebensgefährlich (Anaphylaxie).