Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts Neue Vertretung in Mittel- und Südamerika
Dr. med. Enno Winkler
Auswärtiges Amt - Gesundheitsdienst -, Berlin
 
Schon 1990 wurde eine Regionalarzt - Dienststelle für Mittel- und Südamerika in Santo Domingo (Dominikanische Republik) gegründet, allerdings wurde sie 1998 auf Grund von Sparzwängen wieder geschlossen.
Eine umfassende Evaluierung des Gesundheitsdienstes im Jahre 2005 veranlasste Außenminister Fischer, in Mittelamerika wieder eine Regionalarzt - Dienststelle zu schaffen, im Juli 2006 wurde der Dienstsitz Mexiko - Stadt ärztlich besetzt.
Neben dem medizinischen Dienst in der Zentrale gibt es Regionalarzt - Dienststellen in Kairo, Accra, Nairobi, Neu Delhi, Jakarta, Jaunde, Moskau und in Peking.
Regionalarzt - Dienststellen dienen der regionalen medizinischen Versorgung der deutschen "Diplomaten" und deren Familien, aber auch der Betreuung unserer lokal angestellten Mitarbeiter (= Ortskräften). Die Regionalärzte sind für ca. 15 - 20 deutsche Botschaften und Generalkonsulate zuständig, sie bereisen "ihre" Auslandsvertretungen ein- bis zweimal pro Jahr, die Hälfte ihrer Zeit am Auslandsdienstort sind sie auf Reisen.
Neben der klassischen kurativen Medizin (für Ortskräfte) werden betriebsärztliche Aufgaben erfüllt; die medizinische Infrastruktur "ihrer" Auslandsvertretungen ist zu evaluieren, das bedeutet zahlreiche Besuche von Haus- und Zahnärzten und auch von Krankenhäusern aller Größen. Diese Informationen aber auch aktuelle Daten zur epidemiologischen Situation werden in Berichten festgehalten, die der Zentrale und den Auslandsmitarbeitern zugehen. Sie fliessen unmittelbar in die Reise- und Sicherheitshinweise des AA ein, hier in den "medizinischen Teil".

In Mittel- und Südamerika haben wir 26 Vertretungen - von Mexiko über unsere Posten in der Karibik bis nach Argentinien und Chile, ca. 1.500 Beschäftigte sind an diesen Vertretungen tätig.

Die Rechts- und Konsularabteilen der deutschen Auslandsvertretungen weltweit betreuen jährlich ca. 5.000.000 Deutsche, auch deutsche Touristen!

Wir haben gefragt, welche konsularischen Aufgaben und Betreuungsfelder von den 26 Auslandsvertretungen des Regionalarztes Mexiko - Stadt erledigt werden: "Was waren in den letzten fünf Jahren die typischen Ereignisse, mit denen Sie sich zur Unterstützung deutscher Reisender beschäftigen mussten?"

Folgende drei Problemfelder wurden erkannt:
  1. Unfälle, medizinische Probleme
    Verkehrsunfälle mit Schwerverletzten gehören zu den relativ häufigen und schwierigen Problem von Konsulatsmitarbeitern. Diese Unfälle sind bedingt durch schlechte Straßenverhältnisse und nicht verkehrsichere Fahrzeuge (z.B. öffentliche Verkehrsmittel), auch rücksichtsloses Fahren, unübersichtliche Verkehrsführungen, das Ignorieren von roten Ampeln oder auch von Fußgängern haben einen großen Anteil. Zu den unfallträchtigen Aktivitäten zählen sicher auch nächtliche Autofahrten oder Spaziergänge. Bade- und Tauchunfälle kommen vor, hier sind als Gefahren die tückischen Küstenströmungen zu nennen, aber auch Leichtsinn z.B. von Tauchern (Höhlentauchgänge allein) oder von alkoholisierten Schwimmern. Immer wieder werden Schwimmer von Motorbooten oder Jetskifahrern überfahren, schwere Verletzungen sind die Folge, Haiangriffe werden auch berichtet - glücklicherweise nur sehr selten. Extremsport wie Bergsteigen führt auch bei deutschen Touristen zu schweren Verletzungen oder gar zum Tode. Schussverletzungen aus Folge bewaffneter Raubüberfälle sind in einigen Ländern Süd- und Mittelamerikas leider häufig! Ein besonderes Problem für unsere Konsulatsmitarbeiter eröffnet sich dann, wenn chronisch Kranke, besonders psychisch Kranke, aber auch Diabetiker beschließen, im Urlaub auf ihre Dauermedikation verzichten zu können, oder sie habe sie einfach vergessen - die Organisation der Evakuierung eines schwer psychisch Kranken nach Deutschland kann Wochen dauern.
  2. Kriminalität:
    Mord und bewaffnete Raubüberfälle sind glücklicherweise selten, sie kommen aber vor. Schon das "Handy" kann Objekt einer Attacke mit einer Schusswaffe an der Straßenkreuzung oder bei roter Ampel sein, Schussverletzungen kommen vor. Hier sollte man tunlichst "falsche Gegenden" meiden, ein vertrauenswürdiger Stadtführer kann da helfen, nie in der Dunkelheit allein ausgehen!! Auch Vergewaltigungen, Erpressungen oder sogar Entführungen werden dem Konsulat in Einzelfällen berichtet. Häufig sind Taschendiebstähle, Hotel- und auch Autoeinbrüche, die auch zum Passverlust führen - ein klassisches Feld der Hilfe für unsere Konsulate. Manchmal ist sogar Vorsicht vor der örtlichen Polizei geboten, die Unkenntnis und das Nichtbeherrschen der Landessprache von Touristen kann zum "Abkassieren" z.B. bei vermeintlichen Verkehrsdelikten führen. Nächtliche Barbesucher, vornehmlich männliche, haben sich auch schon gelegentlich am nächsten Tage beraubt im Konsulat vorgestellt und berichten vom "Filmriss", sie können sich an nichts erinnern. Hier werden dann Medikamente oder Drogen in das Getränk gemischt, die zur Bewustlosigkeit führen. Aber auch deutsche "Junkies" machen Urlaub und das gelegentlich in lokalen Gefängnissen mit erbärmlichen, ja kriminellen Verhältnissen.
  3. Medizinische Infrastruktur:
    In vielen Metropolen der Region führen insbesondere die privatmedizinisch organisierten Strukturen für Touristen zumindest zu einer ausreichenden Grundversorgung. Die staatlichen Krankenhäuser sind häufig veraltet, schlecht ausgerüstet und medizinisch unterbesetzt, medizinisches Verbrauchsmaterial und Medikamente müssen bei der Aufnahme mitgebracht oder gekauft werden. Die hygienischen Bedingungen sind teilweise katastrophal. Die Notfallversorgung ist auch in einigen Großstädten der Region völlig unzulänglich, auf den relativ gut ausgerüsteten "privaten" Krankenwagen muss man gelegentlich sehr lange warten. Häufig wird Vorkasse verlangt, Auslandskrankenversicherungen oder sogar Kreditkarten nicht anerkannt.
Aus all diesen Unzulänglichkeiten folgt der gute Rat unserer Konsulate für Reisende in die Region:
  • Bereiten Sie sich gründlich auf Ihre Reise vor! Sehen Sie in die Reise- und Sicherheitshinweise des AA (www. auswaertiges-amt.de)!
  • Bereiten Sie sich reisemedizinisch vor (z.B. Impfungen, Malariaprophylaxe), vergessen Sie nicht Ihre Medikamente und nehmen Sie sie auch im Urlaub!
  • Vorsicht im Straßenverkehr, schnallen Sie sich an, wo immer es geht!
  • Seien Sie nicht leichtsinnig, weder am Strand noch bei Spaziergängen!
  • Vergessen Sie nicht eine Auslandskrankenversicherung und eine Flugrettungsversicherung abzuschließen!
  • Und - haben Sie trotzdem Probleme im Urlaubsland, so stehen wir, die deutschen Auslandskonsulate Ihnen zur Verfügung, rufen Sie uns rechtzeitig an!!