Dengue-Fieber - Vorkommen und Bedeutung in Mittel- und Südamerika
Dr. med. Ole Wichmann, Robert Koch-Institut Berlin
 
Das Dengue-Fieber ist die am häufigsten durch Mücken übertragende Virus-Erkrankung weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass jährlich 50 bis 100 Millionen Dengue-Infektionen stattfinden, von denen mehrere hunderttausend zu der schweren Manifestation, dem Dengue Hämorrhagischen Fieber (DHF) oder dem Dengue-Schocksyndrom, führen. Die Gesamt-Inzidenz von Dengue-Infektionen weltweit ist über die letzten 50 Jahre mehr als 30-fach gestiegen. Die Ursachen für die dramatische geographische Ausbreitung und die Zunahme von Dengue-Infektionen sind vielfältig und komplex.

In Mittel- und Südamerika führte das erfolgreiche Programm zur Eradikation der Gelbfiebermücke (die neben Gelbfieber auch das Dengue-Virus überträgt) dazu, dass neben dem urbanen Gelbfieber auch das Dengue-Fieber aus diesem Kontinent nahezu verschwand. Nachdem das Programm jedoch unter Ächtung des DDTs Anfang der 70er Jahre aufgegeben wurde, kam es bald zu einer deutlichen Wiederausbreitung der Überträgermücke und damit des Dengue-Fiebers in einem Ausmaß, das heute sogar das von 1930 übertrifft. Als Folge treten seither in vielen Ländern Mittel- und Südamerikas regelmäßig große Dengue-Epidemien auf. Aus Asien importierte Genotypen (die sowohl mit einem erhöhten Risiko, ein DHF zu entwickeln, als auch mit einem erhöhten epidemischen Potential assoziiert sind) werden ebenfalls dafür verantwortlich gemacht, dass sich epidemisches DHF auf dem amerikanischen Kontinent ähnlich dramatisch ausbreitet wie in Südost-Asien 25 Jahre zuvor.

Die zunehmende Aktivität von Dengue in den Tropen und die stetig steigende Zahl an internationalen Flugreisen führen dazu, dass Dengue-Virus-Infektionen vermehrt auch bei europäischen Reisenden diagnostiziert werden. In reisemedizinischen Ambulanzen zählt Dengue nach der Malaria zu einem der häufigsten Gründe für reiseassoziiertes Fieber. Bei Fieber nach Tropenaufenthalt sollte daher, nachdem eine Malaria-Infektion ausgeschlossen wurde, insbesondere bei bestehender Leuko- und Thrombozytopenie an das Vorliegen eines Dengue-Fiebers gedacht werden. Schwere hämorrhagische Verläufe sind bei europäischen Reisenden selten (1-2%) und sind gekennzeichnet durch meist petechiale Hautblutungen und Zeichen erhöhter vaskulärer Permeabilität. Erste Berichte von tödlichen Verläufen einer reiseassoziierten Dengue-Infektion wurden jedoch kürzlich publiziert. Eine Impfprophylaxe ist derzeit nicht verfügbar. Daher ist die Expositionsprophaxe zum Schutz vor Stichen der vornehmlich tagaktiven Überträgermücke von entscheidender Bedeutung.