Haut- und Geschlechtskrankheiten bei Reisen nach Mittel- und Südamerika
Prof. Dr. med. habil. Sawko W. Wassilew, Dermatologische Klinik, Klinikum Krefeld
 
Persistierende Insektenstichreaktionen im Sinne stark juckender Papeln gehören zu den häufigsten Hautkrankheiten, die auch in einer kurzfristig besuchten Region warmer Länder, so auch Mittel- und Südamerika, erworben werden können. Ganz im Vordergrund steht bei diesen Patienten der quälende Juckreiz. Zur Therapie reicht die Applikation von kortikoidhaltigen Externe in der Regel nicht aus. Die besten Therapieerfolge hat man mit der intrafokalen Injektion von Kortikosteroiden oder einer kurzfristigen oralen Kortikoidbehandlung mit 0,5 - 1,0 mg/kg Prednison täglich für fünf bis zehn Tage. Gleiches gilt für papulöse Dermatitiden (seabathers eruption), wie sie besonders in den Badegebieten Mittelamerikas erworben werden können.

Bakterielle Erkrankungen wie oberflächliche Pyodermien oder multiple Abszesse werden auch in tropischen Regionen durch die hier vorkommenden Erreger verursacht. Die medikamentöse Behandlung ist oft mit chirurgischen Maßnahmen zu kombinieren. Leicht zu verwechseln mit bakteriellen Abszessen sind Fliegenlarven in der Haut (Myiasis).

Ähnlich häufig wie bakterielle Infektionen treten oberflächliche Infektionen durch Pilze besonders in Ländern mit warmem Klima auf. Da häufig behaarte Hautareale betroffen sind, empfiehlt sich die Kombination lokaler antimyzetischer Maßnahmen mit der oralen Gabe von antimyzetischen Therapeutika.

Von den Erkrankungen durch Würmer und Larven spielt die "creeping eruption" (Hautmaulwurf) für den Dermatologen eine herausragende Rolle. Zur Behandlung eignet sich Thiabendazol 10 - 15 % in Salbe oder Albendazol 400 mg 1 - 3 Tage, besser noch Ivermectin 200 µg pro kg Körpergewicht als Einmaldosis.

Der Arzt, der reisemedizinische Untersuchungen durchführt, sollte immer auch die Möglichkeit denken, dass die während oder nach der Reise aufgetretene Hauterkrankung Hinweis auf eine sexuell übertragene Infektion sein könnte, insbesondere wenn diese im Anogenitalbereich auftritt. Die häufigsten, reisemedizinisch bedeutsamen sexuell übertragenen Erkrankungen werden in dem Vortrag dargestellt, wobei sich die therapeutischen Empfehlungen an den Leitlinien der Centers of Disease Control and Prevention (CDC) aus dem Jahr 2006 orientieren.

Einige Haut- und Geschlechtskrankheiten bei Reisen nach Mittel- und Südamerika lassen sich durch richtiges Verhalten verhindern. So lassen sich für die Haut des Mitteleuropäers ungewohnte Klimaeinflüsse weitgehend durch entsprechende Kleidung und andere Sonnenschutzmaßnahmen kompensieren. Auch besondere Hautpflege- und Reinigungsmaßnahmen sind in ungewohnter klimatischer Umgebung notwendig. Die häufigen Stichreaktionen lassen sich durch Repellentien und in besonderen Ausnahmefällen auch durch Moskitonetze weitgehend verhindern. Das Wissen um die Verbreitung sexuell übertragbarer Erkrankungen sollte zu einem Verhalten führen, welches diese Infektionen verhindert oder zumindest minimiert.